Verschleiss am Autorad: Diese Warnzeichen sollten Sie kennen

Ein neues Brummen, ein zitterndes Lenkrad oder einseitig abgefahrene Reifen können auf Probleme rund ums Autorad hinweisen. Dahinter stecken nicht nur abgenutzte Pneus, sondern auch Schäden an Radlagern, Bremsen oder Fahrwerk. Wer Veränderungen früh bemerkt und überprüfen lässt, kann Folgeschäden vermeiden und die Fahrsicherheit erhalten.

Nicht jedes Geräusch hat dieselbe Ursache, und nicht jeder Defekt ist von aussen sichtbar. Entscheidend ist deshalb, wann eine Auffälligkeit auftritt: beim Geradeausfahren, in Kurven, beim Bremsen oder auf unebener Strasse. Solche Beobachtungen helfen der Garage bei der Fehlersuche, ersetzen aber keine Untersuchung.

Einen festen Kilometerstand, ab dem rund ums Rad etwas verschlissen sein muss, gibt es nicht. Fahrweise, Belastung und Strassenzustand beeinflussen die Lebensdauer. Manche Veränderungen entstehen schleichend und bleiben lange unbemerkt – regelmässige Kontrollen sind deshalb auch dann wichtig, wenn das Auto noch unauffällig fährt.

Reifen: Wenig Profil und ungleichmässiger Abrieb

Der sichtbarste Verschleiss betrifft die Lauffläche der Reifen. Messen Sie die Profiltiefe an mehreren Stellen und achten Sie darauf, ob einzelne Bereiche deutlich stärker abgefahren sind. In der Schweiz beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe 1,6 Millimeter. Der TCS empfiehlt jedoch, Sommerreifen bereits bei 3 Millimetern und Winterreifen bei 4 Millimetern zu ersetzen, weil sicherheitsrelevante Eigenschaften schon vor Erreichen des gesetzlichen Minimums nachlassen.

Sind beide äusseren Kanten besonders stark abgenutzt, kann zu geringer Luftdruck dahinterstecken. Übermässiger Verschleiss in der Mitte kann auf zu hohen Druck hinweisen. Ist nur eine Seite stark abgefahren, kommen eine fehlerhafte Radeinstellung oder verschlissene Fahrwerksteile infrage. Einfach neue Reifen aufzuziehen, behebt eine solche Ursache nicht. Eine Zustandskontrolle gehört deshalb zu einem sorgfältigen Reifenwechsel mit Prüfung von Montage und Auswuchtung.

Risse, Beulen und Luftverlust sind keine normalen Gebrauchsspuren

Risse im Gummi können auf Alterung hindeuten und sollten fachlich beurteilt werden. Eine nach aussen gewölbte Beule an der Reifenflanke kann eine beschädigte innere Tragstruktur anzeigen, beispielsweise nach einem Schlagloch oder einem heftigen Kontakt mit dem Randstein. Auch bei genügend Profil ist ein solcher Reifen nicht einfach weiterzuverwenden.

Verliert ein Pneu wiederholt Luft, genügt blosses Nachpumpen nicht. Ein eingefahrener Fremdkörper oder ein undichtes Ventil kann die Ursache sein. Wichtig: Schäden können auch an der schwer einsehbaren Innenseite liegen. Eine unauffällige Aussenseite schliesst einen Reifenschaden deshalb nicht aus.

Brummen oder Mahlen: Das Radlager kommt infrage

Ein anhaltendes Brummen, Dröhnen oder Mahlen während der Fahrt kann von einem verschlissenen Radlager stammen. Verändert sich das Geräusch in Kurven, ist das ein möglicher Hinweis. Allerdings können auch ungleichmässig abgefahrene Reifen auffällige Abrollgeräusche erzeugen. Bei sogenanntem Sägezahnverschleiss nutzen sich die Kanten der Profilblöcke unterschiedlich stark ab.

Aus dem Geräusch allein lässt sich daher keine zuverlässige Diagnose stellen. Auch die betroffene Fahrzeugseite ist für Laien nicht sicher zu bestimmen. Neue oder zunehmende Geräusche gehören abgeklärt – nicht durch absichtliche Lenkmanöver getestet.

Zitterndes Lenkrad: Unwucht, Reifen oder Felge prüfen

Vibriert das Lenkrad beim Fahren, kann eine Unwucht der Räder dahinterstecken. Dabei ist das Gewicht des drehenden Rades nicht gleichmässig verteilt. Auch beschädigte Reifen, eine verformte Felge oder verschlissene Fahrwerksteile kommen als Ursache infrage.

Besonders aufmerksam sollten Sie sein, wenn das Zittern unmittelbar nach einem Radwechsel oder einem heftigen Schlagloch auftritt. Nach Montagearbeiten muss neben der Auswuchtung auch die korrekte Radbefestigung geprüft werden. Ein neues Klappern oder starkes Wackeln ist kein Geräusch, das sich erst «einfahren» muss.

Schleifen und Rubbeln beim Bremsen

Metallische Geräusche beim Bremsen können auf stark abgenutzte Bremsbeläge oder andere Probleme an der Bremsanlage hinweisen. Vibrieren Lenkrad oder Bremspedal vor allem beim Verzögern, müssen unter anderem Bremsscheiben, Beläge und Bremssättel untersucht werden. Zieht das Fahrzeug beim Bremsen auffällig zur Seite, ist ebenfalls eine fachliche Kontrolle nötig.

Nicht jedes Quietschen bedeutet automatisch Verschleiss. Nach Feuchtigkeit oder einer Standzeit kann oberflächlicher Rost vorübergehend Geräusche verursachen. Anhaltendes Schleifen, eine nachlassende Bremswirkung oder ein deutlich verändertes Pedalgefühl dürfen jedoch nicht als normale Begleiterscheinung abgetan werden.

Poltern, Nachschwingen und Schläge in der Lenkung

Poltert es auf Unebenheiten, können Gelenke oder Lager der Radaufhängung verschlissen sein. Schläge in der Lenkung können beispielsweise von ausgeschlagenen Spurstangenköpfen stammen. Auch Traggelenke und Querlenkerlager gehören zu den möglichen Fehlerstellen. Welches Bauteil betroffen ist, muss auf der Hebebühne geprüft werden.

Schwingt das Auto nach Bodenwellen auffällig nach, schaukelt es stärker in Kurven oder taucht die Front beim Bremsen ungewöhnlich weit ein, kommen verschlissene Stossdämpfer infrage. Diese können auch ungleichmässigen Reifenverschleiss begünstigen. Ein blosses Drücken auf die Karosserie ersetzt keine fachgerechte Prüfung.

Knacken beim Abbiegen kann vom Antrieb kommen

Wiederholtes Klicken oder Knacken bei stärker eingeschlagenen Rädern kann auf ein verschlissenes Gelenk der Antriebswelle hinweisen. Das Geräusch entsteht dann zwar in Radnähe, muss aber weder vom Reifen noch vom Radlager stammen. Auch hier gilt: Die Beobachtung hilft bei der Diagnose, rechtfertigt aber keinen Teiletausch auf Verdacht.

Wann Sie nicht weiterfahren sollten

Bei einer Reifenbeule, sichtbarem Gewebe im Reifen, starkem Druckverlust, heftigem Radflattern oder deutlich beeinträchtigter Lenk- beziehungsweise Bremsfunktion sollten Sie die Fahrt nicht fortsetzen. Halten Sie kontrolliert an einer möglichst sicheren Stelle an und verständigen Sie den Pannendienst. Dasselbe gilt bei Verdacht auf eine lockere Radbefestigung. Berühren Sie heisse Bremsen oder Felgen nicht.

Bei weniger ausgeprägten, aber neuen Auffälligkeiten kontaktieren Sie zeitnah die Garage und klären Sie, ob das Fahrzeug noch gefahren werden darf. Warten Sie nicht einfach bis zum nächsten regulären Service.

🔧 Diese Angaben helfen der Garage bei der Fehlersuche

  • Situation: Beschreiben Sie, ob die Auffälligkeit beim Geradeausfahren, Abbiegen, Beschleunigen, Bremsen oder auf Unebenheiten auftritt.
  • Verlauf: Notieren Sie, seit wann das Problem besteht und ob Geräusche oder Vibrationen stärker geworden sind. Unternehmen Sie dafür keine zusätzliche Testfahrt.
  • Vorgeschichte: Erwähnen Sie einen kürzlichen Radwechsel, eine Reparatur, einen Randsteinkontakt oder ein starkes Schlagloch.
  • Sichtbare Hinweise: Fotografieren Sie Schäden nur am sicher abgestellten Fahrzeug. Geben Sie auch wiederholten Luftverlust und angezeigte Warnmeldungen an.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert