Spondylose bei Katzen: Ursachen, Warnzeichen und Behandlung von Rückenschmerzen
von belmedia Redaktion #Schweizweit Allgemein Alltag Gesundheit Haustiere Katzen katzennews.ch Krankheiten Lifestyle Magazine Medizin nachrichtenticker.ch News Pflege Prävention Regionen Schweiz Sicherheit Themen Tierarzt Tiere Tierwelt tierwelt.news Tipps Vital Ⳇ Verbreitung
Die Katze springt nicht mehr auf das Sofa, geht Treppen langsamer hinauf oder reagiert empfindlich auf Berührungen am Rücken. Solche Veränderungen werden leicht dem Alter zugeschrieben. Dahinter kann jedoch eine Spondylose stecken. Dabei bilden sich knöcherne Ausziehungen an den Wirbeln, die mit der Zeit benachbarte Wirbel miteinander verbinden können.
Der Röntgenbefund allein bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Katze Schmerzen hat. Viele Spondylosen werden zufällig entdeckt und verursachen keinerlei Beschwerden. Entscheidend sind das Verhalten, die Beweglichkeit und eine gründliche tierärztliche Untersuchung.
Was ist eine Spondylose?
Die vollständige medizinische Bezeichnung lautet Spondylosis deformans. Es handelt sich um eine degenerative Veränderung der Wirbelsäule. An den Rändern der Wirbelkörper entstehen knöcherne Ausziehungen, sogenannte Osteophyten. Sie können klein bleiben oder sich so weit ausdehnen, dass zwischen zwei Wirbeln eine knöcherne Brücke entsteht.
Besonders häufig sind Abschnitte der Brust- und Lendenwirbelsäule betroffen. Veränderungen können aber auch am Übergang zum Kreuzbein auftreten.
Die Spondylose darf nicht mit einer Spondylitis verwechselt werden. Eine Spondylitis ist eine entzündliche Erkrankung. Die Spondylose entsteht dagegen vorwiegend durch alters- und belastungsbedingte Umbauvorgänge.
Die knöchernen Brücken können einen Wirbelsäulenabschnitt stabilisieren, schränken dabei aber dessen Beweglichkeit ein. Solange keine schmerzhaften Spannungen, Entzündungen oder Beeinträchtigungen von Nerven entstehen, bleibt die Erkrankung häufig unbemerkt.
Wie entsteht eine Spondylose?
Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern liegen Bandscheiben. Sie federn Bewegungen ab und halten die Wirbelsäule beweglich. Mit zunehmendem Alter können Bandscheiben und umliegende Bänder an Elastizität verlieren. Der Körper versucht, instabiler werdende Abschnitte durch zusätzlichen Knochen zu stabilisieren.
Mehrere Faktoren können diese Entwicklung begünstigen:
- altersbedingter Verschleiss der Bandscheiben und Wirbelgelenke;
- wiederholte Belastungen und kleine Verletzungen über viele Jahre;
- frühere Unfälle oder Verletzungen der Wirbelsäule;
- Fehlstellungen und angeborene Veränderungen einzelner Wirbel;
- chronische Instabilität eines Wirbelsäulenabschnitts;
- starkes Übergewicht als zusätzliche mechanische Belastung.
Übergewicht gilt nicht als alleinige Ursache einer Spondylose. Es kann vorhandene Beschwerden jedoch verstärken und erschwert einer bewegungseingeschränkten Katze den Alltag.
Welche Anzeichen können auftreten?
Katzen verbergen Schmerzen ausgesprochen gut. Sie jammern selten und lahmen bei Rückenproblemen nicht zwingend deutlich. Häufig verändert sich zuerst ihr Alltag.
Mögliche Hinweise sind:
- Die Katze springt seltener oder nur noch auf niedrigere Flächen.
- Sie zögert vor Treppen, Fensterbänken oder dem Kratzbaum.
- Nach dem Schlafen wirkt sie steif und braucht länger zum Aufstehen.
- Der Rücken erscheint weniger beweglich.
- Die Katze putzt Rücken und Hinterkörper nicht mehr gründlich.
- Sie reagiert empfindlich, wenn der Rücken berührt wird.
- Sie schläft mehr, spielt weniger oder zieht sich zurück.
- Das Katzenklo wird unsauber, weil der Einstieg Mühe bereitet.
- Die Katze wirkt gereizter oder wehrt Berührungen plötzlich ab.
Solche Veränderungen verdienen auch bei älteren Tieren eine Abklärung. Altern ist keine Diagnose. Weitere Hinweise zu Vorsorge, Ernährung und Veränderungen im Verhalten bietet der Beitrag über Gesundheit und Pflege von Katzensenioren.
Ein Röntgenbild allein reicht nicht aus
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch. Wichtig ist, wann die Veränderungen aufgefallen sind und welche Bewegungen der Katze schwerfallen. Videos aus dem Alltag können hilfreich sein, weil sich manche Katzen in der Praxis anders bewegen als zu Hause.
Bei der Untersuchung beurteilt der Tierarzt unter anderem Gangbild, Gelenke, Muskulatur, Wirbelsäule, Reflexe und Schmerzreaktionen. Auf Röntgenaufnahmen lassen sich knöcherne Ausziehungen und Wirbelbrücken meist gut erkennen.
Die sichtbare Grösse einer Spondylose sagt jedoch wenig darüber aus, wie stark die Katze leidet. Ausgeprägte Veränderungen können beschwerdefrei bleiben. Umgekehrt kann eine Katze starke Schmerzen zeigen, obwohl auf dem Röntgenbild nur geringe Veränderungen zu sehen sind.
Deshalb müssen andere Ursachen berücksichtigt werden. Dazu gehören Arthrose der Hüft- oder Kniegelenke, Bandscheibenerkrankungen, Verletzungen, Tumoren, Infektionen und Erkrankungen des Nervensystems. Auch eine jahrelange Überversorgung mit Vitamin A, etwa durch sehr grosse Mengen Leber, kann bei Katzen Veränderungen des Skeletts verursachen.
Bei Lähmungserscheinungen, auffälligen Reflexen oder dem Verdacht auf eine Einengung von Nerven können Computertomografie oder Magnetresonanztomografie notwendig werden.
Kann eine Spondylose geheilt werden?
Bereits entstandene Knochenbrücken lassen sich nicht mit Medikamenten zurückbilden. Eine schmerzfreie Katze benötigt wegen eines zufällig entdeckten Röntgenbefunds häufig keine Behandlung. Regelmässige Kontrollen und eine aufmerksame Beobachtung können dann genügen.
Bestehen Beschwerden, zielt die Therapie auf eine gute Lebensqualität. Schmerzen sollen kontrolliert, die Beweglichkeit erhalten und weitere Überlastungen vermieden werden. Häufig werden mehrere Massnahmen miteinander kombiniert.
Welche Medikamente kommen infrage?
Die Auswahl hängt von Alter, Gewicht, Schmerzart und Begleiterkrankungen ab. Eine allgemeingültige Standardtherapie gibt es nicht. In der Schweiz entscheidet der Tierarzt, welches zugelassene oder unter bestimmten Voraussetzungen umgewidmete Arzneimittel geeignet ist.
Nichtsteroidale Entzündungshemmer
Meloxicam und Robenacoxib gehören zu den nichtsteroidalen Entzündungshemmern, kurz NSAID. Für Katzen sind in der Schweiz Präparate zugelassen, die Schmerzen und Entzündungen bei akuten oder chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates vermindern können.
Diese Wirkstoffe können bei schmerzhaften degenerativen Veränderungen sehr hilfreich sein. Sie eignen sich jedoch nicht für jede Katze. Besondere Vorsicht ist unter anderem bei Nieren-, Leber-, Herz- und Magen-Darm-Erkrankungen sowie bei Flüssigkeitsmangel erforderlich.
Bei einer längerfristigen Anwendung werden regelmässige Kontrollen empfohlen. Je nach Gesundheitszustand gehören dazu Blut- und Urinuntersuchungen. Weshalb Nierenwerte bei älteren Katzen besondere Aufmerksamkeit verdienen, erklärt der Ratgeber über Nierenerkrankungen bei Katzen.
Appetitverlust, Erbrechen, Durchfall, schwarzer Kot, auffällige Müdigkeit oder ein verändertes Trink- und Harnverhalten müssen unverzüglich dem Tierarzt gemeldet werden. Verschiedene NSAID dürfen nicht miteinander kombiniert werden. Auch eine gleichzeitige Behandlung mit Kortison kann gefährlich sein.
Gabapentin bei einer Beteiligung von Nerven
Gabapentin wird in der Katzenmedizin unter anderem ergänzend bei chronischen oder neuropathischen Schmerzen eingesetzt. Das kann erwogen werden, wenn gereizte Nerven eine Rolle spielen oder eine Katze auf eine reine Entzündungshemmung nicht ausreichend anspricht.
Für diese Anwendung wird der Wirkstoff häufig ausserhalb seiner ursprünglichen Zulassung eingesetzt. Die Entscheidung liegt deshalb beim Tierarzt. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, unsicheres Gehen und vermehrter Speichelfluss. Bei Nierenerkrankungen kann eine Anpassung erforderlich sein.
Antikörper gegen Arthroseschmerzen
Frunevetmab wird als monatliche Injektion gegen Schmerzen bei Osteoarthritis eingesetzt. Der Wirkstoff ist nicht speziell für Spondylose zugelassen. Er kann aber eine Rolle spielen, wenn eine Katze zusätzlich unter Arthrose leidet und der Tierarzt diese Therapie für geeignet hält.
Ob Frunevetmab mit einem NSAID kombiniert werden kann, muss individuell beurteilt und überwacht werden. Auch diese Behandlung ersetzt keine klare Diagnose.
Weitere Schmerzmittel
Bei starken akuten Schmerzen können in der Tierarztpraxis vorübergehend opioidhaltige Schmerzmittel wie Buprenorphin eingesetzt werden. Solche Präparate gehören unter fachkundige Kontrolle.
Kortison ist keine übliche Dauertherapie für eine degenerative Spondylose. Es kommt nur in ausgewählten Situationen infrage und darf keinesfalls eigenmächtig mit einem NSAID kombiniert werden.
Keine Schmerzmittel aus der Hausapotheke geben
Menschenmedikamente sind für Katzen oft hochgiftig und können bereits in geringer Menge lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen. Selbst ein Medikament, das einem Hund oder einer anderen Katze verschrieben wurde, darf nicht einfach weitergegeben werden.
Katzen bauen viele Wirkstoffe anders ab als Menschen. Gleichzeitig besitzen einzelne Katzenpräparate eine geringe therapeutische Breite. Schon eine vergleichsweise kleine Überdosierung kann schwere Folgen haben. Geben Sie deshalb nur das konkret verordnete Präparat in der festgelegten Menge.
Bewegung erhalten, ohne Schmerzen zu provozieren
Völlige Schonung führt langfristig zu Muskelabbau und kann die Beweglichkeit weiter verschlechtern. Besser sind kurze, freiwillige Bewegungsphasen. Futterspiele am Boden oder langsam geführtes Spielzeug regen zu kontrollierter Bewegung an.
Eine auf Katzen spezialisierte Physiotherapie kann helfen, Muskulatur und Beweglichkeit zu erhalten. Übungen und Massagen sollten gezeigt und auf die Diagnose abgestimmt werden. Starkes Dehnen, ruckartige Manipulationen oder eigenständiges Einrenken der Wirbelsäule sind ungeeignet.
Übergewicht sollte langsam und tierärztlich begleitet reduziert werden. Eine radikale Futterkürzung ist bei Katzen gefährlich.
Die Wohnung katzenfreundlich anpassen
Kleine Veränderungen können den Alltag deutlich erleichtern:
- Stellen Sie stabile Zwischenstufen oder Rampen vor Sofa und Fensterbank.
- Wählen Sie ein Katzenklo mit niedrigem Einstieg.
- Legen Sie rutschfeste Teppiche auf glatte Laufwege.
- Bieten Sie warme, weich gepolsterte Schlafplätze an.
- Platzieren Sie Futter, Wasser und Toilette gut erreichbar.
- Vermeiden Sie erzwungene Sprünge und unnötiges Hochheben.
- Kontrollieren Sie die Krallen, da sie bei wenig aktiven Katzen schlechter abgenutzt werden.
In einem mehrstöckigen Zuhause sollten wichtige Ressourcen auf der bevorzugten Etage vorhanden sein. Die Katze muss dann nicht jedes Mal eine Treppe bewältigen, um zu trinken oder ihre Toilette zu erreichen.
Was ist von Nahrungsergänzungen zu halten?
Omega-3-Fettsäuren können bei manchen Katzen mit Gelenkerkrankungen unterstützend eingesetzt werden. Für Glucosamin, Chondroitin, Grünlippmuschel und zahlreiche weitere Produkte ist die Studienlage unterschiedlich und teilweise begrenzt.
Nahrungsergänzungen ersetzen keine wirksame Schmerztherapie. Zudem können sie andere Erkrankungen oder Medikamente beeinflussen. Das Produkt und seine Dosierung sollten deshalb mit dem Tierarzt besprochen werden.
Wann ist es ein Notfall?
Eine langsam zunehmende Steifheit sollte zeitnah untersucht werden. Sofortige tierärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn die Katze:
- plötzlich nicht mehr stehen oder gehen kann;
- ein oder mehrere Beine nachzieht;
- mit den Pfoten umknickt;
- Urin oder Kot nicht mehr kontrollieren kann;
- starke, anhaltende Schmerzen zeigt;
- nicht urinieren kann;
- nach einem Sturz oder Unfall auffällig läuft.
Solche Symptome können auf eine akute Schädigung von Nerven oder Rückenmark hinweisen. Sie dürfen nicht vorschnell mit einer bereits bekannten Spondylose erklärt werden.
Video-Tipp: Schmerzen bei Katzen erkennen
In diesem ausführlichen Gespräch erklärt Tierärztin Sabrina Gilgen, wie Katzen Schmerzen zeigen und welche Veränderungen im Alltag ernst genommen werden sollten. Das deutschsprachige YouTube-Video ist im Querformat verfügbar.
Fazit
Spondylose ist eine degenerative Veränderung der Wirbelsäule, die besonders bei älteren Katzen vorkommt. Sie kann Schmerzen und Steifheit verursachen, bleibt aber bei vielen Tieren vollständig unbemerkt.
Behandelt wird deshalb die Katze und nicht allein das Röntgenbild. Bei Beschwerden können geeignete Schmerzmittel, Gewichtskontrolle, angepasste Bewegung, Physiotherapie und eine leichter zugängliche Wohnung viel bewirken. Welche Medikamente infrage kommen, muss der Tierarzt nach einer gründlichen Untersuchung entscheiden.
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