Ölige Putzlappen sammeln: Selbstentzündung und Werkstattbrände verhindern
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag bauenaktuell.ch Betrieb Betrieb betriebseinrichtung.net Business Dienstleistungen DIY handwerker24.ch Heimwerken Holz hometipp.ch Infrastruktur Inspiration Lager Magazine Maschinen nachrichtenticker.ch News Prävention Produkte Projekte Service Sicherheit Strategie Themen Tipps Werkstatt Ⳇ Verbreitung
Der Auftrag ist abgeschlossen, die Werkstatt aufgeräumt. Nur ein ölgetränkter Lappen liegt noch zusammengeknüllt auf der Werkbank oder im Abfalleimer. Was harmlos wirkt, kann Stunden später einen Brand auslösen. Besonders gefährlich sind Tücher, Pads und Schwämme mit trocknenden Ölen wie Leinöl, Hartöl oder bestimmten Holzpflegeölen.
Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF verlangt für selbstentzündliche Arbeitsmittel luftdicht verschliessbare Metallbehälter. Ebenso wichtig sind klare Zuständigkeiten, verständliche Instruktionen und eine geregelte Entsorgung. Denn häufig entsteht die Gefahr erst nach Feierabend.
Wie kann sich ein Lappen ohne Funken entzünden?
Trocknende Öle härten durch eine Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft aus. Dabei entsteht Wärme. Auf einer dünn geölten Holzfläche kann diese Wärme meist gut entweichen. In einem saugfähigen Lappen verteilt sich das Öl dagegen über eine sehr grosse Faseroberfläche.
Liegt das Tuch zusammengeknüllt, gestapelt oder in einem Abfallsack, staut sich die Wärme. Die Temperatur kann weiter ansteigen. Unter ungünstigen Bedingungen beginnt das Material zu schwelen oder entzündet sich offen – ganz ohne Zigarette, Funken oder Flamme.
Besonders tückisch ist der Zeitversatz. Der Wärmestau entwickelt sich nicht zwingend sofort. Ein Brand kann erst mehrere Stunden später entstehen, wenn niemand mehr in der Werkstatt ist.
Welche Öle sind besonders kritisch?
Die Bezeichnung «öliger Putzlappen» umfasst sehr unterschiedliche Produkte. Nicht jeder Lappen besitzt dasselbe Selbstentzündungsrisiko. Entscheidend sind die Inhaltsstoffe.
Besondere Vorsicht ist unter anderem bei folgenden Produkten nötig:
- Leinöl und Leinölfirnis;
- Hartöle und Arbeitsplattenöle;
- Möbel-, Parkett- und Terrassenöle mit trocknenden Pflanzenölen;
- Ölwachs-Produkte;
- bestimmte Naturfarben und Alkydharzlacke;
- ölhaltige Poliermittel und Holzschutzprodukte;
- mit solchen Produkten getränkte Lappen, Schwämme, Pads oder Papiertücher.
Mineralische Schmieröle reagieren normalerweise nicht auf dieselbe Weise wie trocknende Pflanzenöle. Mit Motor- oder Maschinenöl verschmutzte Tücher bleiben trotzdem brennbar. Enthalten sie zusätzlich Lösemittel, Treibstoff oder andere Stoffe, können weitere Gefahren entstehen.
Produktname und Geruch reichen für eine Beurteilung nicht aus. Massgebend sind das Etikett, die Gebrauchsanweisung und das Sicherheitsdatenblatt. Hinweise wie «Selbstentzündungsgefahr» oder Vorgaben zur Behandlung verwendeter Tücher müssen konsequent beachtet werden.
Diese Fehler führen besonders häufig zu gefährlichen Situationen
Viele Brände entstehen nicht während der eigentlichen Arbeit. Auslöser ist eine unbedachte Zwischenlagerung. Kritisch sind insbesondere:
- zusammengeknüllte Lappen auf Werkbank, Boden oder Fensterbrett;
- offene Abfalleimer oder Kunststoffsäcke;
- Behälter neben Heizungen, Maschinen oder anderen Wärmequellen;
- direkte Sonneneinstrahlung;
- eine gemeinsame Sammlung mit Papier, Karton oder Holzabfällen;
- die Vermischung mit Schleifstaub oder Sägemehl;
- überfüllte Sammelbehälter;
- ein ungeprüftes Waschen und anschliessendes Trocknen im Wäschetrockner.
Auch eine kurze Pause ist kein Grund, den Lappen einfach abzulegen. Das sichere Vorgehen beginnt unmittelbar nach seiner Verwendung.
So werden ölgetränkte Lappen in der Werkstatt gesammelt
Die VKF nennt für selbstentzündliche Arbeitsmittel eine klare Lösung: öl- und fettgetränkte Lappen, Tücher, Pads und vergleichbare Materialien gehören ausschliesslich in luftdicht verschlossene Metallbehälter.
In der betrieblichen Praxis sollte der Sammelbehälter folgende Voraussetzungen erfüllen:
- Er besteht aus Metall und ist für den vorgesehenen Abfall geeignet.
- Der Deckel schliesst zuverlässig und luftdicht.
- Der Behälter steht stabil und kann nicht leicht umgestossen werden.
- Er ist eindeutig beschriftet, etwa mit «Ölgetränkte Lappen – Brandgefahr».
- Er steht nicht in einem Fluchtweg.
- Der Abstand zu Zündquellen, Heizungen und brennbaren Vorräten ist ausreichend.
- Der Deckel bleibt ausser beim Einwerfen geschlossen.
- Der Inhalt wird regelmässig und nach einem festgelegten Verfahren entsorgt.
Ein gewöhnlicher Kunststoffkübel mit lose aufgelegtem Deckel ist kein gleichwertiger Ersatz. Auch ein Metallbehälter schützt nur, wenn er unbeschädigt ist, richtig schliesst und nicht überfüllt wird.
Der Behälter sollte nahe genug am Arbeitsplatz stehen, damit niemand improvisieren muss. Direkt neben einer Schleifmaschine, einem Schweissplatz oder einem Fluchtweg ist er jedoch falsch positioniert.
Ein geschlossener Behälter macht den Inhalt nicht dauerhaft ungefährlich
Der luftdichte Behälter unterbricht zunächst die Sauerstoffzufuhr. Das ist für die sichere Zwischenlagerung entscheidend. Die chemische Reaktion ist damit jedoch nicht zwingend abgeschlossen.
Wird der Behälter später geöffnet, gelangt erneut Sauerstoff hinein. Die Erwärmung kann wieder einsetzen. Deshalb braucht es neben dem richtigen Behälter auch einen geregelten Entsorgungsablauf. Unnötiges Öffnen, Umschütten oder Sortieren ist zu vermeiden.
Behälter dürfen nicht über längere Zeit unbeachtet stehen. In Betrieben sollte festgelegt sein, wer sie kontrolliert, wann sie geleert werden und an wen der Inhalt übergeben wird.
Ausbreiten oder wässern: nur kontrolliert und nach Herstellerangabe
Bei kleinen Mengen kann die Gebrauchsanweisung eines Produkts vorsehen, einzelne Lappen kontrolliert trocknen zu lassen. Dafür werden sie vollständig ausgebreitet oder einzeln aufgehängt. Sie dürfen sich nicht überlappen.
Der Platz muss im Freien, gut belüftet und weit entfernt von Gebäuden sowie brennbaren Materialien liegen. Beton oder Metall kommen als Untergrund infrage. Trockenes Gras, Holzbalkone, Gartenmöbel und Holzfassaden sind ungeeignet. Die Tücher müssen ausserdem gegen Wegwehen gesichert werden.
Eine weitere Möglichkeit kann darin bestehen, die Lappen vollständig unter Wasser zu halten und den nicht brennbaren Behälter dicht zu verschliessen. Dies ist lediglich eine Zwischenlösung. Das verschmutzte Wasser darf keinesfalls in Ausguss, Bodenablauf oder Kanalisation gelangen.
Für gewerbliche Werkstätten bleibt das betriebliche Brandschutz- und Entsorgungskonzept massgebend. Herstellerangaben, Sicherheitsdatenblatt und Vorgaben der zuständigen Fachstellen haben Vorrang.
Entsorgung in der Schweiz richtig organisieren
Ob gebrauchte Putzlappen als Sonderabfall gelten, hängt von den aufgenommenen Stoffen und deren Menge ab. Ein Lappen mit lösemittelhaltigem Holzöl ist anders zu beurteilen als ein Tuch mit gewöhnlichem Schmieröl.
Gewerbliche Betriebe sollten die Einstufung mit ihrem bewilligten Entsorgungsunternehmen oder der kantonalen Abfallfachstelle klären. Sonderabfälle dürfen nur über dafür vorgesehene Wege weitergegeben werden. Eine nachvollziehbare Übergabe gehört zur betrieblichen Organisation.
Privatpersonen erkundigen sich bei ihrer Gemeinde oder der regionalen Sonderabfallsammelstelle. Frisch ölgetränkte Tücher gehören niemals ungesichert in Kehrichtsack, Papierkorb oder Container.
Klare Abläufe schützen besser als ein Warnschild allein
Alle Personen, die mit Ölen, Lacken oder Reinigungsmitteln arbeiten, müssen das richtige Vorgehen kennen. Eine kurze Instruktion sollte mindestens erklären:
- welche Produkte eine Selbstentzündungsgefahr verursachen können;
- wo der vorgeschriebene Sammelbehälter steht;
- welche Abfälle hineingehören;
- welche Stoffe nicht miteinander vermischt werden dürfen;
- wer den Behälter kontrolliert und entleert;
- wie bei Wärme, Rauch oder Brandgeruch gehandelt wird.
Vor dem Verlassen der Werkstatt hilft eine kurze Schlusskontrolle. Dabei werden Arbeitsplätze, Abfalleimer, Maschinen, Poliergeräte und Böden auf zurückgelassene Tücher und Pads geprüft.
Wie Arbeitsbereiche, Lagerung, Beleuchtung und Sicherheitsabläufe gemeinsam geplant werden können, zeigt der Beitrag über das Einrichten einer sicheren Werkstatt. Weitere Grundlagen behandelt der Ratgeber zum Brandschutz bei handwerklichen Arbeiten.
Was tun, wenn der Behälter warm wird oder Rauch austritt?
Ein warmer Sammelbehälter, stechender Geruch oder Rauch sind ernste Warnzeichen. Der Deckel darf nicht geöffnet werden. Einströmender Sauerstoff kann einen Schwelbrand verstärken.
Der Behälter sollte auch nicht durch das Gebäude getragen werden. Personen verlassen den Gefahrenbereich, schliessen wenn möglich die Tür und alarmieren die Feuerwehr über die Schweizer Notrufnummer 118.
Eigene Löschversuche sind nur zulässig, wenn keine persönliche Gefährdung besteht und die betreffende Person dafür instruiert wurde. Menschenrettung und Alarmierung haben Vorrang.
Video-Tipp: Weshalb Leinöllappen Feuer fangen können
Der Beitrag zeigt, weshalb bei der Aushärtung von Leinöl Wärme entsteht und wie verwendete Lappen nach der Arbeit behandelt werden müssen.
Fazit
Die gefährlichsten Werkstattbrände beginnen manchmal mit einem einzigen vergessenen Tuch. Vor allem trocknende Öle können in zusammengeknüllten Lappen erhebliche Wärme entwickeln.
Die wichtigste Regel ist einfach: Benutzte Lappen sofort sichern. In Schweizer Betrieben gehören selbstentzündliche Arbeitsmittel in einen luftdicht verschliessbaren Metallbehälter. Klare Zuständigkeiten, regelmässige Kontrollen und eine fachgerechte Entsorgung sorgen dafür, dass die Gefahr nicht nur gesammelt, sondern dauerhaft beherrscht wird.
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