Schweizer Firmen schlagen Alarm – vielen Lernenden fehlen wichtige Grundkompetenzen
von belmedia Redaktion #Schweizweit Alltag Arbeitswelt Ausbildung Ausbildung & Studium Beruf Beschäftigung Betrieb Betrieb Bildung Bildung & Arbeit Business Business business24.ch businessaktuell.ch Dienstleistungen Experten familie.ch Finanzen handwerker24.ch Hochschule Homeoffice Infrastruktur Karriere Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schule Schweiz Schweiz Themen Wirtschaft Ⳇ Verbreitung
Schweizer Ausbildungsbetriebe stellen bei immer mehr Lernenden Lücken in grundlegenden Fähigkeiten fest. Besonders beim Schreiben und in der Mathematik fällt das Urteil kritisch aus. Eine neue Umfrage unter 2’929 Ausbildungsverantwortlichen zeigt zudem: Viele Firmen beobachten seit fünf bis zehn Jahren eine Verschlechterung – und müssen inzwischen zusätzliche Zeit und Geld in die Förderung ihrer Lernenden investieren.
Die Untersuchung wurde gemeinsam von economiesuisse, dem Schweizerischen Arbeitgeberverband und dem Schweizerischen Gewerbeverband durchgeführt. Befragt wurden Verantwortliche, die Lernende direkt betreuen oder für deren Ausbildung zuständig sind.
Die Ergebnisse zeigen ein Problem, das inzwischen auch Auswirkungen auf die Bereitschaft der Unternehmen hat, Lehrstellen anzubieten.
Schreibkompetenz bereitet besonders grosse Sorgen
Am kritischsten beurteilen die Unternehmen die schriftlichen Fähigkeiten. 59 Prozent der Befragten bewerten die Schreibkompetenzen der Lernenden als eher ungenügend oder sehen die Anforderungen als nicht erfüllt an.
Auch bei der Mathematik ist die Einschätzung deutlich: 42 Prozent beurteilen die vorhandenen Fähigkeiten negativ. Beim Lesen fällt das Urteil etwas besser aus, doch auch hier sieht ein erheblicher Teil der Ausbildungsbetriebe Defizite.
Dabei geht es um Fähigkeiten, die im Berufsalltag unmittelbar benötigt werden. Lernende müssen Arbeitsaufträge verstehen, Informationen verarbeiten, verständliche Texte verfassen und grundlegende Berechnungen korrekt durchführen können.
Viele Unternehmen berichten, dass sich die Situation innerhalb der vergangenen fünf bis zehn Jahre verschlechtert habe.
Drei Viertel bieten bereits zusätzliche Hilfe an
Die Folgen bleiben nicht auf die Berufsschule beschränkt. Sie landen direkt bei den Lehrbetrieben.
Rund drei Viertel der befragten Unternehmen unterstützen ihre Lernenden inzwischen mit zusätzlichen internen oder externen Fördermassnahmen. Der zusätzliche Betreuungs- und Coachingaufwand wird häufig auf ein bis drei Stunden pro Woche und Lernenden geschätzt.
Damit steigen auch die Kosten der Ausbildung. Besonders kleinere Betriebe können zusätzlichen Unterricht und eine intensive persönliche Begleitung nicht unbegrenzt auffangen.
Dass Grundkompetenzen auch im späteren Berufsleben ein wichtiges Thema bleiben, zeigt ein weiteres Angebot: Mehrere Ostschweizer Kantone fördern bereits Firmenkurse für Lesen, Schreiben, Mathematik und digitale Fähigkeiten direkt im Arbeitsalltag.
Jedes fünfte Unternehmen denkt über weniger Lernende nach
Besonders aufmerksam macht eine weitere Zahl aus der Befragung: Rund jedes fünfte Unternehmen gibt an, aufgrund der sinkenden Grundkompetenzen und des damit verbundenen Mehraufwands bereits weniger Lernende auszubilden oder dies künftig tun zu wollen.
Für die Wirtschaftsverbände ist das ein Warnsignal. Die duale Berufsbildung ist stark darauf angewiesen, dass private Unternehmen genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen.
Die Verbände fordern deshalb, dass sich die Volksschule wieder stärker auf grundlegende Kompetenzen konzentriert. Gleichzeitig sollen die Ursachen für die beobachtete Entwicklung systematisch untersucht werden.
Aus der Bildungspolitik kommen jedoch auch relativierende Stimmen. Die Schweiz stehe international weiterhin vergleichsweise gut da. Unbestritten ist aber auch dort, dass insbesondere Jugendliche mit ungünstigen Voraussetzungen frühzeitig unterstützt werden müssen.
Die Unternehmensbefragung ist keine Prüfung der Lernenden selbst, sondern bildet die Einschätzungen der Ausbildungsbetriebe ab. Das Stimmungsbild ist dennoch deutlich: Fehlende Grundkompetenzen verursachen zunehmend zusätzlichen Aufwand – und könnten langfristig sogar das Angebot an Lehrstellen unter Druck setzen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert