Richtig giessen bei Hitze und Trockenheit: So bleiben Garten, Rasen und Pflanzen gesund

Die Schweiz erlebt Mitte August 2026 eine aussergewöhnlich trockene Phase. Am 11. August gilt auf der nationalen Trockenheitsplattform weiterhin die höchste Gefahrenstufe 4 für die gesamte Schweiz. Gleichzeitig setzen hohe Temperaturen Böden, Gemüsebeeten, Kübelpflanzen und Rasenflächen zu.

Gerade jetzt entscheidet deshalb weniger die Häufigkeit des Giessens als die Technik: Kleine Wassermengen befeuchten oft nur die obersten Zentimeter. Kräftige, langsame Wassergaben erreichen dagegen die eigentliche Wurzelzone und können Pflanzen länger versorgen.

Der frühe Morgen ist dafür meist der beste Zeitpunkt. Der Boden ist noch kühl, die Verdunstungsverluste sind geringer und feucht gewordene Blätter können im Tagesverlauf wieder abtrocknen. Wie viel Wasser benötigt wird, hängt allerdings stark von Pflanzenart, Boden, Standort und Gefässgrösse ab. Für Gemüsebeete können bei ausgeprägter Trockenheit rund 20 bis 25 Liter pro Quadratmeter und Giessgang eine sinnvolle Grössenordnung sein. Beim Rasen liegen Richtwerte häufig bei 10 bis 20 Litern. Kübel benötigen dagegen keine pauschale Literzahl: Dort entscheidet die Feuchtigkeit des gesamten Wurzelballens.

Die Trockenheit ist Mitte August 2026 aussergewöhnlich

Ein paar trockene Sommertage sind für einen eingewachsenen Garten normalerweise kein Problem. Die Situation im August 2026 geht jedoch deutlich darüber hinaus.

Die nationale Trockenheitsplattform weist aktuell für die gesamte Schweiz Gefahrenstufe 4 aus. Damit gilt die höchste Stufe. Ergiebige und flächendeckende Niederschläge, die die Situation nachhaltig entspannen könnten, zeichnen sich bislang nicht ab.

MeteoSchweiz beschreibt die Trockenheit in der Schweiz und in grossen Teilen Europas als aussergewöhnlich. Das Niederschlagsdefizit lag Ende Juli an zahlreichen Messorten noch im Rekordbereich. Einzelne Schauer können die oberste Bodenschicht kurzfristig befeuchten, gleichen ein über Monate entstandenes Defizit aber nicht automatisch aus.

Auch das Bundesamt für Umwelt meldet trockene Böden sowie tiefe Wasserstände in Gewässern und Grundwasser. Besonders das Mittelland ist seit dem Frühling von ausgeprägter Trockenheit betroffen.

Für private Gärten bedeutet das: Die Oberfläche allein verrät wenig darüber, wie viel Wasser den Pflanzen tatsächlich zur Verfügung steht. Entscheidend ist die Feuchtigkeit dort, wo die Wurzeln wachsen.

Warum häufiges oberflächliches Giessen wenig bringt

Ein kurzer Schwenk mit dem Gartenschlauch sieht zunächst wirkungsvoll aus. Die Erde wird dunkel, Blätter glänzen und das Beet wirkt versorgt.

Nach wenigen Minuten kann jedoch nur die oberste Bodenschicht feucht sein.

Das ist bei eingewachsenen Pflanzen ungünstig. Ihre Wurzeln liegen deutlich tiefer. Wird immer wieder nur die Oberfläche benetzt, verdunstet ein grosser Anteil des Wassers, bevor er die eigentliche Wurzelzone erreicht.

Das Prinzip lässt sich mit einer einfachen Grösse verdeutlichen: Ein Liter Wasser pro Quadratmeter entspricht einem Millimeter Niederschlag. Zehn Liter entsprechen zehn Millimetern.

Für eine deutliche Durchfeuchtung der oberen 10 bis 20 Zentimeter des Bodens werden deshalb erheblich grössere Mengen benötigt als bei einem kurzen oberflächlichen Giessgang.

Eine fachliche Faustregel lautet daher: weniger häufig, dafür gründlich giessen.

Morgens oder abends: Der frühe Morgen hat Vorteile

Bei Hitze ist der frühe Morgen normalerweise der günstigste Giesszeitpunkt.

Der Boden hat sich über Nacht abgekühlt. Gleichzeitig steht die heisseste Phase des Tages noch bevor. Dadurch bleibt mehr Zeit, bis die Verdunstung stark zunimmt.

Auch für die Pflanze ist dieser Zeitpunkt praktisch: Wasser steht im Boden bereit, wenn mit zunehmender Sonneneinstrahlung die Transpiration steigt.

Ein weiterer Vorteil betrifft die Blätter. Obwohl möglichst bodennah gegossen werden sollte, lässt sich ein Benetzen der Pflanze nicht immer vollständig verhindern. Feuchte Blätter trocknen morgens im Tagesverlauf schneller wieder ab.

Abends giessen ist möglich, aber zweite Wahl

Abendliches Giessen ist nicht grundsätzlich falsch.

Wenn der frühe Morgen organisatorisch nicht möglich ist, kann der Abend eine Alternative darstellen. Die Temperaturen sinken und die direkte Sonneneinstrahlung lässt nach.

Ein Nachteil bleibt allerdings: Blätter und Bodenoberfläche können über viele Stunden feucht bleiben. Das kann abhängig von Pflanzenart und Bedingungen Pilzkrankheiten begünstigen. Auch Schnecken profitieren von feuchten nächtlichen Bedingungen.

Deshalb gilt auch abends: Wasser möglichst gezielt auf den Boden geben und die Blätter nicht unnötig beregnen.

Zwischen Morgen und Abend besitzt der Morgen insgesamt die besseren Voraussetzungen.

Mittags giessen: Das Problem ist vor allem die Verschwendung

Die Mittagssonne gilt traditionell als absoluter Giessverbotszeitpunkt. Als Begründung wird häufig behauptet, Wassertropfen würden wie Brenngläser wirken und Blätter verbrennen.

Diese pauschale Erklärung hält fachlich nicht stand. Bei den meisten Pflanzen verursachen normale Wassertropfen auf Blättern keine solchen Brennglasschäden.

Trotzdem bleibt die Mittagszeit ungünstig.

Bei aufgeheiztem Boden, hoher Lufttemperatur und intensiver Sonneneinstrahlung verdunstet deutlich mehr Wasser. Wird zusätzlich über die Blätter gesprüht, erreicht nur ein Teil der ausgebrachten Menge den Boden.

Die Konsequenz bleibt deshalb dieselbe, die Begründung ist aber eine andere: Wer den Zeitpunkt wählen kann, giesst am frühen Morgen.

Die Fingerprobe reicht an der Oberfläche nicht aus

Eine trockene Oberfläche bedeutet nicht automatisch, dass der gesamte Wurzelbereich trocken ist. Umgekehrt kann eine leicht feuchte Oberfläche einen darunter bereits sehr trockenen Boden verdecken.

Bei Beeten hilft deshalb eine kleine Bodenprobe.

Mit einer Pflanzschaufel lässt sich kontrollieren, ob die Erde in etwa 10 bis 15 Zentimetern Tiefe noch feucht ist. Bei tief wurzelnden Pflanzen kann auch weiter unten geprüft werden.

Ist der Boden dort noch gut feucht, kann eine weitere Wassergabe möglicherweise warten.

Bei Kübeln funktioniert die Kontrolle ähnlich. Statt nur die obersten Millimeter anzufassen, sollte die Feuchtigkeit einige Zentimeter tiefer geprüft werden.

Gemüsebeete brauchen Wasser dort, wo die Ernte entsteht

Gemüse reagiert je nach Art und Entwicklungsstadium unterschiedlich auf Trockenheit.

Schnell wachsende Salate besitzen andere Ansprüche als tief wurzelnde Rüebli. Besonders empfindlich können Fruchtgemüse während Blüte und Fruchtbildung reagieren.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Tomaten
  • Gurken
  • Zucchetti
  • Auberginen
  • Peperoni

Bei anhaltendem Wassermangel können Wachstum und Fruchtentwicklung leiden.

Für Gemüsebeete nennt die Bayerische Gartenakademie bei trockenen Bedingungen als Orientierung etwa 20 bis 25 Liter Wasser pro Quadratmeter bei einer durchdringenden Bewässerung. Damit kann der Boden ungefähr bis 20 Zentimeter Tiefe durchfeuchtet werden.

Das ist kein täglich einzuhaltender Pauschalwert. Ein lehmiger Boden hält Feuchtigkeit wesentlich länger als ein sandiger. Auch Wurzeltiefe, Pflanzengrösse, Schatten und Temperatur verändern den Bedarf.

Unter geeigneten Bedingungen kann eine solche gründliche Bewässerung etwa alle drei Tage ausreichen. Entscheidend bleibt die Bodenprobe.

20 Liter pro Quadratmeter sind mehr als erwartet

Die Mengen werden häufig unterschätzt.

Ein Beet mit fünf Quadratmetern benötigt bei einer Wassergabe von 20 Litern pro Quadratmeter insgesamt 100 Liter.

Ein kurzer Giessgang mit einer kleinen Kanne kann diese Menge kaum liefern.

Das bedeutet nicht, dass jedes Beet permanent so intensiv gewässert werden muss. Die Rechnung zeigt vielmehr, weshalb ein optisch nasser Boden keine zuverlässige Aussage über die Versorgung der Wurzeln erlaubt.

Bei knappen Wasserressourcen ist deshalb Priorisierung sinnvoller als flächendeckendes oberflächliches Giessen.

Jungpflanzen, Gemüse in kritischen Wachstumsphasen und frisch gesetzte Gehölze benötigen Wasser dringender als viele langjährig eingewachsene, trockenheitsverträgliche Stauden.

Langsam giessen verhindert, dass Wasser davonläuft

Trockener und verkrusteter Boden kann Wasser erstaunlich schlecht aufnehmen.

Wird eine grosse Menge schnell darauf geschüttet, fliesst sie seitlich weg, sammelt sich in Vertiefungen oder verlässt das Beet. Die rechnerisch richtige Wassermenge erreicht dann trotzdem nicht die Wurzeln.

Besser funktioniert das Giessen in mehreren Durchgängen.

Zuerst wird der Wurzelbereich langsam angefeuchtet. Nach kurzer Wartezeit folgt die nächste Menge. Der bereits angefeuchtete Boden nimmt das Wasser anschliessend besser auf.

Bei einzelnen Tomaten, Zucchetti, Sträuchern oder jungen Bäumen sind Giessmulden hilfreich. Ein kleiner Erdwall hält das Wasser in der Nähe der Pflanze und gibt ihm Zeit zum Versickern.

Nicht die Blätter, sondern den Boden bewässern

Bei Hitze wirkt das Abspritzen einer ganzen Pflanze erfrischend. Für die Wasserversorgung ist es jedoch wenig effizient.

Die eigentliche Aufnahme erfolgt überwiegend über die Wurzeln.

Deshalb wird das Wasser möglichst direkt auf den Boden im Wurzelbereich gegeben. Das reduziert Verluste und hält das Laub trockener.

Besonders bei Tomaten ist trockenes Laub vorteilhaft, weil verschiedene Blattkrankheiten durch länger anhaltende Feuchtigkeit begünstigt werden können.

Giesskanne, Tropfschlauch oder ein Schlauch mit weichem Wasserstrahl lassen sich dafür gezielter einsetzen als eine grossflächige Beregnung.


Mehrere Tropfer geben Wasser unmittelbar am Boden zwischen den Pflanzen ab. Eine solche Bewässerung reduziert die grossflächige Benetzung und bringt das Wasser gezielt in die Nähe der Wurzelzone.

Tropfbewässerung kann Wasser gezielter verteilen

Tropfschläuche und einzelne Tropfer geben Wasser vergleichsweise langsam ab.

Dadurch hat der Boden Zeit, die Feuchtigkeit aufzunehmen. Gleichzeitig werden Wege, Zwischenräume und Blätter weniger stark bewässert.

Das macht die Technik besonders für Gemüsebeete, Hecken und längere Pflanzreihen interessant.

Automatisch bedeutet allerdings nicht automatisch sparsam. Ein falsch programmierter Bewässerungscomputer kann auch bei feuchtem Boden oder nach Regen weiterlaufen.

Sinnvoll sind deshalb Systeme, deren Laufzeit an Boden, Witterung und tatsächlichen Pflanzenbedarf angepasst wird.

Auch Tropfer sollten regelmässig kontrolliert werden. Verstopfte oder verschobene Auslässe können dazu führen, dass einzelne Pflanzen kaum Wasser erhalten.

Mulch hält vorhandenes Wasser länger im Boden

Bei einer Trockenperiode besteht Wassermanagement nicht allein aus Giessen.

Eine Mulchschicht auf offenem Boden verringert die direkte Sonneneinstrahlung auf die Erde und reduziert die Verdunstung. Gleichzeitig wird die Bodenoberfläche weniger stark aufgeheizt und verkrustet langsamer.

Geeignete Materialien hängen vom jeweiligen Beet ab. Im Gemüsegarten können beispielsweise angetrockneter Rasenschnitt oder andere geeignete pflanzliche Materialien zum Einsatz kommen.

Unter Stauden und Gehölzen sind unter anderem organische Mulchmaterialien möglich.

Der Mulch wird nicht direkt an empfindliche Stängel oder Baumstämme gepresst. Eine dauerhaft feuchte Schicht unmittelbar an der Pflanzenbasis kann unerwünschte Bedingungen schaffen.

Der Vorteil zeigt sich besonders nach einer kräftigen Wassergabe: Ein grösserer Anteil der Feuchtigkeit bleibt länger im Boden.

Hacken kann ebenfalls die Verdunstung bremsen

Wo kein Mulch liegt, kann eine flache Bodenbearbeitung helfen.

Durch vorsichtiges Hacken werden feine Kapillaren an der Bodenoberfläche unterbrochen. Über diese Poren kann Feuchtigkeit aus tieferen Bereichen nach oben gelangen und verdunsten.

Gleichzeitig löst das Hacken eine leichte Bodenkruste.

Tief sollte dabei nicht gearbeitet werden. Gerade bei dicht bepflanzten Gemüsebeeten verlaufen Wurzeln teilweise nahe an der Oberfläche.

Die Massnahme ersetzt ausserdem kein Wasser. Sie hilft lediglich dabei, vorhandene Feuchtigkeit länger zu halten.

Kübelpflanzen sind bei Hitze besonders gefährdet

Im Topf gelten andere Regeln als im offenen Garten.

Das Wurzelvolumen ist begrenzt. Ein Kübel kann keinen tieferen Boden erschliessen, wenn die oberen Schichten austrocknen. Gleichzeitig erwärmen sich Gefässe in direkter Sonne stark.

Kleine Töpfe trocknen besonders schnell aus.

Terrakotta gibt über die poröse Gefässwand zusätzlich Feuchtigkeit ab. Dunkle und metallische Behälter können sich in der Sonne stark erwärmen.

Während einer heissen Trockenphase kann deshalb bei manchen Kübelpflanzen tägliches Giessen erforderlich sein. Andere benötigen nur jeden zweiten Tag oder noch seltener Wasser.

Eine feste Zahl wäre irreführend.

Bei Kübeln entscheidet der Wurzelballen, nicht der Kalender

Vor dem Giessen wird geprüft, ob das Substrat tatsächlich trocken ist.

Eine Kontrolle einige Zentimeter unterhalb der Oberfläche liefert mehr Informationen als ein Blick auf die oberste Schicht.

Ist Wasser nötig, wird langsam gegossen.

Eine gute Methode besteht darin, zunächst den oberen Rand des Gefässes mit Wasser zu füllen und die Flüssigkeit einziehen zu lassen. Anschliessend kann ein zweiter langsamer Durchgang folgen.

Sobald Wasser aus den Abzugslöchern austritt, ist der Wurzelballen weitgehend durchfeuchtet. Dauerhaftes Stehen in Wasser ist bei den meisten gewöhnlichen Kübelpflanzen dennoch zu vermeiden.

Ausnahmen hängen von Pflanzenart und verwendetem Bewässerungssystem ab.


Eine Frau bewässert mehrere Pflanzen auf einem kleinen Balkon. Kübel und Balkonkästen besitzen nur einen begrenzten Wurzelraum und müssen während heisser Trockenphasen deutlich häufiger kontrolliert werden als eingewachsene Gartenpflanzen.

Schatten kann bei Kübeln Wasser sparen

Eine Pflanze muss während einer Hitzewelle nicht zwangsläufig an ihrem sonnigsten Standort bleiben.

Vorübergehende Beschattung kann vor allem bei Kübeln die Belastung reduzieren. Das Substrat erwärmt sich weniger stark und verliert langsamer Wasser.

Besonders die Gefässe selbst profitieren von Schutz vor direkter Mittagssonne.

Mehrere Kübel können zudem enger gruppiert werden. Dadurch beschatten sie teilweise gegenseitig ihre Töpfe und stehen weniger exponiert.

Eine Pflanze, die volle Sonne benötigt, sollte allerdings nicht dauerhaft an einen ungeeigneten dunklen Standort versetzt werden. Es geht um eine vorübergehende Entlastung bei extremer Hitze.

Untersetzer sind hilfreich, aber Staunässe bleibt problematisch

Untersetzer können bei Kübelpflanzen ablaufendes Wasser auffangen. Ein Teil davon kann anschliessend wieder vom Substrat aufgenommen werden.

Das reduziert Verluste.

Bei dauerhaft mit Wasser gefüllten Untersetzern besteht jedoch je nach Pflanzenart die Gefahr von Sauerstoffmangel im Wurzelbereich. Deshalb ist zwischen einem kurzfristig gefüllten Untersetzer und dauerhaftem Wasserstand zu unterscheiden.

Gefässe mit integriertem Wasserspeicher funktionieren nach einem anderen Prinzip und können bei passenden Pflanzen eine gute Lösung für Balkon und Terrasse sein.

Rasen: 10 bis 20 Liter statt jeden Abend fünf Minuten

Beim Rasen ist oberflächliches tägliches Sprengen besonders verbreitet.

Genau das fördert jedoch einen flachen Wurzelraum. Die Gräser finden Feuchtigkeit immer wieder unmittelbar unter der Oberfläche und müssen weniger tief wurzeln.

Besser ist eine kräftigere Wassergabe in grösseren Abständen.

Als Orientierung gelten etwa 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter. Bei dieser Menge kann der Boden ungefähr 15 Zentimeter tief durchfeuchtet werden.

Sandige Böden benötigen tendenziell kleinere, aber etwas häufigere Wassergaben. Lehmige Böden können mehr Wasser speichern und werden entsprechend seltener bewässert.

Bei einem eingewachsenen Rasen reichen unter normalen sommerlichen Trockenbedingungen häufig ein bis zwei kräftige Bewässerungen pro Woche. Während extremer Trockenheit entscheidet eine Bodenprobe, ob der Rhythmus angepasst werden muss.

Ein Regenmesser zeigt, was der Rasensprenger tatsächlich liefert

„Eine halbe Stunde sprengen“ ist keine zuverlässige Mengenangabe.

Zwei Rasensprenger können in derselben Zeit völlig unterschiedliche Wassermengen verteilen.

Ein einfacher Regenmesser oder mehrere gerade Gefässe auf der Rasenfläche zeigen, wie viel Wasser tatsächlich ankommt.

Dabei hilft die Umrechnung:

  • 1 Millimeter Wasser entspricht 1 Liter pro Quadratmeter
  • 10 Millimeter entsprechen 10 Litern pro Quadratmeter
  • 15 Millimeter entsprechen 15 Litern pro Quadratmeter
  • 20 Millimeter entsprechen 20 Litern pro Quadratmeter

Bei 50 Quadratmetern Rasen bedeuten 20 Liter pro Quadratmeter bereits 1’000 Liter Wasser.

Gerade in der aktuellen Trockenheit zeigt diese Rechnung, wie gross der Wasserverbrauch einer dauerhaft grünen Rasenfläche werden kann.

Ein brauner Rasen ist nicht automatisch tot

Die Prioritäten im Garten dürfen sich während einer aussergewöhnlichen Trockenperiode verändern.

Ein etablierter Gebrauchsrasen kann bei Wassermangel sein Wachstum reduzieren und gelb oder braun werden. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die gesamte Grasnarbe abgestorben ist.

Nach ausreichendem Niederschlag können sich eingewachsene Gräser wieder erholen.

Wer Wasser sparen muss oder möchte, kann deshalb eher eine vorübergehende Verfärbung des Rasens akzeptieren als frisch gepflanzte Gehölze oder ertragtragendes Gemüse vertrocknen zu lassen.

Eine Ausnahme bilden neu angesäte oder frisch verlegte Rasenflächen. Ihre jungen Wurzeln besitzen noch kaum Reserven und benötigen eine regelmässigere Versorgung.

Der belmedia-Beitrag „Rasenpflege im Sommer: Bewässern, Mähen und Vertikutieren richtig kombinieren“ erklärt ausführlicher, wie Bewässerung und Schnitthöhe während Hitzeperioden zusammenspielen.


Mehrere Rasensprenger verteilen Wasser auf einer Rasenfläche. Statt kurzer täglicher Bewässerung sind bei etabliertem Rasen grössere Wassermengen in längeren Abständen sinnvoller, damit die Feuchtigkeit tiefer in den Boden gelangt.

Rasen bei Hitze höher stehen lassen

Wasserverbrauch und Mähen hängen zusammen.

Sehr kurz geschnittener Rasen beschattet den Boden schlechter. Bei hochsommerlichen Bedingungen erwärmt sich die Oberfläche stärker und trocknet schneller aus.

Eine etwas grössere Schnitthöhe schützt den Boden besser.

Während ausgeprägter Hitze sollte deshalb nicht tief gemäht werden. Auf grössere Pflegeeingriffe wie intensives Vertikutieren kann während einer Trockenphase ebenfalls verzichtet werden.

Auch Dünger löst akuten Trockenstress nicht. Werden Nährstoffe ausgebracht, obwohl dem Rasen ausreichend Wasser fehlt, entsteht daraus kein Vorteil.

Junge Bäume brauchen Wasser tief am Wurzelballen

Bei Bäumen ist die Situation stark vom Alter abhängig.

Ein seit vielen Jahren eingewachsener Baum verfügt häufig über einen grossen Wurzelraum. Eine einzelne Giesskanne am Stamm erreicht nur einen winzigen Teil davon.

Frisch gepflanzte Bäume und Sträucher sind dagegen besonders gefährdet. Ihre Wurzeln befinden sich zunächst weitgehend im ursprünglichen Pflanzballen.

Dieser Bereich muss während Trockenperioden ausreichend feucht bleiben.

Das Wasser wird langsam im Bereich des Wurzelballens ausgebracht. Giessringe oder Wassersäcke können dabei helfen, grössere Mengen über längere Zeit versickern zu lassen.

Ziel ist eine Durchfeuchtung bis etwa 20 bis 30 Zentimeter Tiefe.

Der Giessrand verhindert oberflächliches Weglaufen

Bei jungen Gehölzen lässt sich aus Erde ein flacher Ring um die Pflanzstelle formen.

Das Wasser sammelt sich darin und versickert langsam über dem Wurzelbereich.

Dieses einfache Prinzip funktioniert ebenfalls bei grösserem Fruchtgemüse. Besonders auf leicht abschüssigen Flächen verhindert eine Giessmulde, dass ein grosser Teil der Wassergabe vom eigentlichen Ziel wegfliesst.

Auf stark ausgetrockneten Böden kann auch hier in mehreren Etappen gegossen werden.

Was zuerst Wasser bekommen sollte

Bei einer aussergewöhnlichen Trockenheit ist nicht jede Gartenfläche gleich wichtig.

Priorität besitzen normalerweise Pflanzen mit wenig entwickeltem oder räumlich begrenztem Wurzelsystem.

Dazu gehören:

  • frisch gepflanzte Bäume und Sträucher
  • Neupflanzungen von Stauden
  • Gemüse und Salate
  • Keimlinge und Jungpflanzen
  • Kübel und Balkonkästen
  • neu angesäter oder frisch verlegter Rasen

Langjährig eingewachsene, standortgerechte Stauden und Gehölze kommen häufig wesentlich länger ohne zusätzliche Bewässerung aus.

Bei knappen Ressourcen ist gezieltes Giessen deshalb sinnvoller als die gleichmässige Verteilung kleiner Mengen über den gesamten Garten.

Regen im Wetterbericht ersetzt die Bodenprobe nicht

Ein kurzer Sommergewitterregen sieht ergiebiger aus, als er für Pflanzen tatsächlich sein kann.

Dichte Blätter fangen einen Teil des Niederschlags ab. Unter Bäumen, an Hauswänden und unter Dachvorsprüngen kann der Boden trotz Regen trocken bleiben.

Auch kurze kräftige Schauer können auf hartem, trockenem Boden teilweise oberflächlich ablaufen.

Nach Regen lohnt deshalb eine Kontrolle: Wie weit ist die Feuchtigkeit tatsächlich in den Boden eingedrungen?

Erst danach lässt sich beurteilen, ob eine weitere Bewässerung nötig ist.

Regenwasser bleibt eine wertvolle Reserve

In einem Sommer wie 2026 zeigt sich der Wert gespeicherten Regenwassers besonders deutlich.

Regentonnen und Zisternen können Niederschläge aus feuchteren Perioden auffangen und später für den Garten bereitstellen.

Der aktuelle belmedia-Ratgeber „Regenwasser sammeln im Garten: Was erlaubt ist – und welches System sich lohnt“ erklärt unterschiedliche Speichermöglichkeiten und wichtige Punkte bei der Nutzung.

Sind die Speicher nach langer Trockenheit leer, kann Leitungswasser je nach lokaler Situation weiterhin verfügbar sein. Allerdings können Gemeinden und Kantone bei Wasserknappheit Beschränkungen verfügen.

Vor umfangreicher Gartenbewässerung sollten deshalb aktuelle örtliche Vorgaben berücksichtigt werden.

Wasserentnahme aus Bächen ist nicht automatisch erlaubt

Ein trockener Sommer kann dazu verleiten, Wasser aus einem nahe gelegenen Bach oder Fluss zu holen.

Das ist keine beliebig verfügbare Alternative zum Leitungswasser.

Bei tiefen Wasserständen können Kantone und Gemeinden Wasserentnahmen einschränken oder untersagen. Solche Regeln schützen Gewässer und Wasserorganismen während besonders belastender Perioden.

Auch bestehende Bewilligungen können von aktuellen Einschränkungen betroffen sein.

Für private Gartenbesitzer bedeutet das: Wasser aus natürlichen Gewässern sollte nicht ohne Klärung der örtlichen Regelungen entnommen werden.

Zehn typische Giessfehler bei Hitze

Viele Wasserverluste entstehen durch wenige wiederkehrende Gewohnheiten:

  • jeden Tag nur die obersten Zentimeter anfeuchten
  • hauptsächlich über Blätter statt auf den Boden giessen
  • bei voller Mittagshitze grossflächig beregnen
  • einen ausgetrockneten Boden mit einem starken Wasserstrahl überfluten
  • Kübel nach einem festen Kalender statt nach der Bodenfeuchte giessen
  • bei jedem kurzen Regenschauer die Bewässerung automatisch für mehrere Tage aussetzen
  • Rasen täglich wenige Minuten sprengen
  • gleiche Wassermengen für sandige und lehmige Böden einplanen
  • frisch gepflanzte Gehölze wie vollständig eingewachsene Bäume behandeln
  • lokale Wassernutzungsbeschränkungen während Trockenperioden übersehen

Eine einfache Mengenübersicht für heisse Tage

Die folgenden Werte sind Orientierungen. Sie ersetzen die Prüfung des Bodens und den individuellen Pflanzenbedarf nicht.



Bei der aktuellen Trockenheit zählt jeder gezielte Liter.

Die Situation im August 2026 macht einen weiteren Aspekt wichtig: Möglichst viel Wasser auszubringen ist nicht dasselbe wie gut zu bewässern.

Ein Teil des Gartens kann vorübergehend trockener aussehen.

Ein eingewachsener Rasen darf beispielsweise eher seine Sommerfarbe verlieren, während junge Bäume oder Gemüse versorgt werden.

Auch bei Blumenbeeten lohnt eine Differenzierung. Tief verwurzelte und trockenheitsverträgliche Stauden benötigen möglicherweise keine zusätzliche Wassergabe, obwohl ihre Umgebung oberflächlich trocken erscheint.

Je besser Pflanzen zum Standort passen, desto geringer wird langfristig der Bewässerungsbedarf.



Was am Abend für den nächsten Morgen vorbereitet werden kann

Effizientes Giessen beginnt nicht erst mit der Giesskanne.

Ein Schlauch kann am Vorabend bereitgelegt werden. Regenmesser oder Kontrollgefässe stehen bereits auf dem Rasen. Kübel werden kurz auf Feuchtigkeit geprüft.

Am frühen Morgen kann das Wasser dann gezielt dorthin gelangen, wo es wirklich benötigt wird.

Bei automatischen Anlagen lässt sich die Bewässerungszeit ebenfalls auf die Morgenstunden legen. Die Laufzeit sollte jedoch nicht einmal eingestellt und anschliessend den ganzen Sommer vergessen werden.

Wetter, Pflanzenwachstum und Bodenfeuchtigkeit verändern den Bedarf laufend.

Fazit: Tief giessen schlägt häufig giessen

Bei der aktuellen Hitze und aussergewöhnlichen Trockenheit in der Schweiz ist Wasser im Garten besonders wertvoll. Entscheidend ist deshalb, dass möglichst viel davon tatsächlich in der Wurzelzone ankommt.

Der frühe Morgen bietet dafür die günstigsten Bedingungen. Abendliches Giessen bleibt eine mögliche Alternative, sollte aber ebenfalls bodennah erfolgen. Die Mittagszeit ist vor allem wegen hoher Verdunstungsverluste ungünstig.

Gemüsebeete benötigen bei starker Trockenheit kräftige Wassergaben. Rund 20 bis 25 Liter pro Quadratmeter können als Orientierung für eine tiefe Durchfeuchtung dienen. Beim Rasen liegen typische Mengen bei etwa 10 bis 20 Litern pro Quadratmeter. Kübel lassen sich dagegen nicht sinnvoll nach einer allgemeinen Literregel bewässern: Gefässgrösse, Pflanze, Substrat und Standort bestimmen den Bedarf.

Langsames Giessen, Giessmulden, Tropfbewässerung und Mulch helfen dabei, Wasser dort zu halten, wo es gebraucht wird. Bodenproben verhindern zugleich unnötige Wassergaben.

Gerade im trockenen August 2026 ist deshalb nicht der Garten mit dem am längsten laufenden Schlauch am besten versorgt. Entscheidend ist der Weg des Wassers: durch die Oberfläche, tief in den Boden und bis zu den Wurzeln.

 

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