Flughafen Zürich bei Schnee und Nebel: Wie sich die Herausforderungen saisonal verändern
von belmedia Redaktion Airlines Allgemein Betrieb Business Familie familie.ch Flug flughafen.ch Flugzeug Jahreszeiten Magazine Mobilität nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse News Organisationen Orte Personal Regionen Reisen & Ausflüge Schweiz Schweiz Service Sicherheit sicherheit.ch Themen Unternehmen Winter Zürich Ⳇ Verbreitung
Schnee, Eis und Nebel machen den Winter zur besonders anspruchsvollen Jahreszeit am Flughafen Zürich. Doch bedeutet das automatisch, dass dann auch das Unfallrisiko am höchsten ist? Die offiziellen Sicherheitsstatistiken erlauben keine solche Schlussfolgerung. Im Sommer sorgen Gewitter und hohe Verkehrszahlen für andere Risiken, während im Herbst vor allem eingeschränkte Sichtverhältnisse Herausforderungen schaffen.
Am Flughafen Zürich stehen während der Wintersaison rund 320 interne und externe Mitarbeitende für die Schneeräumung und Glättebekämpfung bereit. Eine einzige Pistenräumung kann 40 bis 50 Minuten dauern. Im Sommer erreicht der Flughafen dagegen seine höchsten Passagierzahlen: Allein im Juli 2026 wurden mehr als 3,33 Millionen Reisende gezählt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wann das Wetter am schlechtesten ist, sondern wie häufig sicherheitsrelevante Ereignisse im Verhältnis zu den Flugbewegungen auftreten. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) untersuchte 2025 schweizweit 14’972 Vorfallmeldungen. Eine daraus abgeleitete Rangliste der gefährlichsten Jahreszeiten speziell für den Flughafen Zürich liegt nicht vor.
Der Winter verlangt besonders viele Sicherheitsmassnahmen
Schnee und Eis gehören zu den offensichtlichsten Herausforderungen am Flughafen Zürich.
Bereits dünne Eisschichten können die aerodynamischen Eigenschaften eines Flugzeugs beeinträchtigen. Deshalb müssen Flugzeuge bei entsprechenden Bedingungen vor dem Start enteist werden.
Gleichzeitig müssen Pisten, Rollwege, Standplätze und Betriebsstrassen benutzbar bleiben.
Dafür hält der Flughafen während der Wintersaison eine eigene Winterdienstorganisation bereit. Rund 320 Mitarbeitende stehen zwischen Mitte Oktober und Mitte April im Schichtbetrieb zur Verfügung.
Eine vollständige Pistenräumung dauert normalerweise zwischen 40 und 50 Minuten. Währenddessen muss der Flugbetrieb entsprechend koordiniert werden.
Die Enteisung eines Flugzeugs kann abhängig von Flugzeuggrösse und Wetterlage zwischen drei und 30 Minuten beanspruchen.
Diese umfangreichen Massnahmen zeigen, wie anspruchsvoll der Winterbetrieb ist. Sie sind gleichzeitig ein wesentlicher Grund dafür, dass Flüge auch unter schwierigen Bedingungen sicher durchgeführt werden können.
Sommer: Mehr Flugbewegungen und Gewitter
Der Sommer bringt andere Herausforderungen. Besonders während der Schulferien erreicht der Flughafen Zürich hohe Verkehrszahlen.
Im Juli 2026 wurden 3’334’827 Passagiere und 26’356 Flugbewegungen registriert.
Damit müssen zahlreiche Flugzeuge, Fahrzeuge und Mitarbeitende innerhalb enger Zeitfenster koordiniert werden.
Zusätzlich können Gewitter den Betrieb erheblich beeinträchtigen. Besonders gefährlich sind Blitze für Beschäftigte auf dem Vorfeld.
Bei entsprechender Gefahr können Betankung, Gepäckabfertigung und weitere Arbeiten vorübergehend eingestellt werden.
Gewitterzellen, starke Böen und Windscherungen können zudem Anflüge erschweren oder Flugumleitungen notwendig machen.
Trotzdem lässt sich aus hohen Passagierzahlen oder vielen Gewittern allein keine höhere Unfallwahrscheinlichkeit ableiten.
Herbst: Nebel erschwert Starts und Landungen
Im Herbst können Hochdrucklagen mit schwachem Wind die Entstehung von Nebel begünstigen.
Am Flughafen Zürich kann die Sicht dadurch erheblich eingeschränkt werden.
Moderne Instrumentenlandesysteme ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen auch bei sehr geringer Sichtweite sichere Landungen.
Allerdings benötigen Flugzeuge dann unter Umständen grössere Abstände. Die Kapazität des Flughafens kann entsprechend sinken.
Bei ungeeigneten Bedingungen werden Anflüge verschoben, Flugzeuge umgeleitet oder Verbindungen gestrichen.
Neben Nebel spielen Regen, nasse Pisten und erste Frostereignisse eine Rolle.
Auch der Frühling hat seine Risiken
Der Frühling ist häufig von wechselhaften Wetterlagen geprägt.
Starke Windböen, Gewitter und rasch veränderliche Sichtbedingungen können kurzfristige Anpassungen des Flugbetriebs erfordern.
Besonders bei starkem Seitenwind müssen Piloten die zulässigen Grenzen ihres Flugzeugtyps beachten.
Für die Flugverkehrsleitung bedeutet dies, Anflugverfahren und Pistenbenutzung laufend an die Bedingungen anzupassen.
Anders als bei einem flächendeckenden Wintereinbruch treten manche Wetterprobleme im Frühling sehr kurzfristig und örtlich begrenzt auf.
Was sagen die Schweizer Sicherheitsstatistiken?
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt veröffentlicht jährlich einen Sicherheitsbericht über die Schweizer Zivilluftfahrt.
Im Jahr 2025 bearbeitete das BAZL insgesamt 14’972 Vorfallmeldungen. Im Vorjahr waren es 12’751 gewesen.
Die Zunahme ist nicht gleichbedeutend mit einer entsprechenden Verschlechterung der Sicherheit.
Zu den Gründen gehören eine verbesserte Meldekultur, mehr Flugverkehr und zusätzliche sicherheitsrelevante Ereignisse wie GPS-Störungen.
Die Berichte unterscheiden zahlreiche Risikobereiche, darunter Flugplätze, Flugsicherung, Flugbetrieb und Flugtechnik.
Für eine statistisch belastbare Aussage zur gefährlichsten Jahreszeit in Zürich müssten Ereignisse nach Monaten, Schweregrad und Zahl der Flugbewegungen verglichen werden.
Erst daraus liesse sich eine saisonale Risikorate ermitteln. Eine reine Zählung von Vorfällen wäre wenig aussagekräftig.
Warum Verspätungen nicht gleich Gefahr bedeuten
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, wetterbedingte Betriebsunterbrüche als Zeichen mangelnder Sicherheit zu interpretieren.
Tatsächlich können solche Unterbrüche gerade Ausdruck funktionierender Sicherheitsvorkehrungen sein.
Wenn bei Blitzgefahr keine Gepäckabfertigung stattfindet oder eine verschneite Piste vorübergehend gesperrt wird, werden bekannte Risiken gezielt reduziert.
Wie umfangreich die wetterbedingten Einschränkungen im Flugverkehr sein können, hängt von verschiedenen technischen und meteorologischen Faktoren ab.
Für Reisende bedeutet eine Verspätung deshalb nicht zwangsläufig, dass ein Flug besonders gefährlich gewesen wäre.
Welche Jahreszeit ist nun am kritischsten?
Betrachtet man die Wetterbedingungen, verlangt der Winter besonders viele zusätzliche Schutzmassnahmen.
Im Sommer führen dagegen Gewitter und grosse Verkehrsmengen zu einer anderen Form betrieblicher Belastung.
Für eine verlässliche statistische Rangfolge der Jahreszeiten fehlen öffentlich ausgewiesene, vergleichbare Zürcher Sicherheitsraten.
Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb: Nicht die Jahreszeit allein bestimmt die Flugsicherheit, sondern das Zusammenspiel von Wetter, Verkehrsaufkommen, technischen Anlagen, Ausbildung und konsequenten Sicherheitsverfahren.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert