Lager effizient einrichten: Regalsysteme, Gangbreiten und SUVA-Vorschriften
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Betrieb Betrieb betriebseinrichtung.net Business business24.ch businessaktuell.ch Dienstleistungen Experten handwerker24.ch Infrastruktur Konzeption Lager Magazine Maschinen nachrichtenticker.ch News Themen Tipps Unternehmen Wirtschaft Ⳇ Verbreitung
In der Schweiz ereignen sich laut SUVA jedes Jahr rund 70’000 Unfälle im Zusammenhang mit Lagerung und innerbetrieblichem Transport – das entspricht 30 Prozent aller Berufsunfälle. Gleichzeitig verschlingt ein schlecht geplantes Lager täglich Stunden an Suchzeit, Wegen und Fehlgriffen. Ein gut eingerichtetes Lager ist deshalb keine Frage des Komforts, sondern eine strategische Investition in Sicherheit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit.
Ob Handwerksbetrieb mit kleinem Materiallager, Produktionsbetrieb mit Pufferlager oder Grosshändler mit vollautomatisierten Hochregalanlagen: Die Grundprinzipien der Lagereinrichtung sind dieselben. Was sich unterscheidet, ist der Massstab. Wer die richtigen Fragen stellt, bevor er bestellt und aufstellt, spart langfristig Geld, Platz und Nerven.
Schritt 1: Anforderungen definieren – bevor das erste Regal steht
Der grösste Fehler bei der Lagereinrichtung ist Aktionismus: Regale kaufen, aufstellen, befüllen – und dann feststellen, dass das System nicht zur Ware, zum Workflow oder zum verfügbaren Platz passt. Wie Jürgen Effner, Geschäftsführer der TOPREGAL GmbH Schweiz, betont: „Eine Lösung passt nicht für alle.» Bei der Planung einer Regalanlage gibt es viele verschiedene Variablen zu berücksichtigen: Lagerfläche, Lieferkette, verfügbare Transportmittel, aktuelle und zukünftige Prozessabläufe und die Waren selbst. Ändert sich nur eine dieser Variablen, wird die ideale Lösung eine völlig andere sein.
Die wichtigsten Fragen vor der Planung:
- Was wird gelagert? Palettenwaren, Einzelteile, Kleinteile, Langgut, Gefahrstoffe, Kühlware?
- Wie oft wird zugegriffen? Schnelldreher brauchen andere Positionen als Langsamdreher
- Wie wird transportiert? Von Hand, mit Hubwagen, mit Stapler, mit Regalbediengerät?
- Wie viel Wachstum ist geplant? Modulare Systeme lassen sich erweitern; fixe Anlagen nicht
Die wichtigsten Regalsysteme im Überblick
Der Schweizer Marktführer STILL Schweiz unterscheidet zwischen statischen und dynamischen Regalsystemen. Für die meisten KMU in der Schweiz sind folgende Typen relevant:
Fachbodenregal: Das universellste System – geeignet für Kleinteile, Werkzeug, Akten, unpalettierte Waren. In nahezu jedem Betrieb anzutreffen. Günstig, modular und schnell aufgebaut. Maximale Fachlast in der Regel 100 bis 300 kg – immer die Angabe des Herstellers beachten.
Palettenregal: Die häufigste Wahl für die Lagerung von Palettenwaren. Ermöglicht vertikale Lagerung und direkten Zugriff auf jede einzelne Palette. Ideal für Betriebe mit Stapler. Unterschiedliche Höhen und Breiten je nach Deckenhöhe und Palettenformat.
Schwerlastenregal: Für schwere Einzelteile, Maschinen oder Materialien. Robuste Bauweise, hohe Fachlast (bis zu mehreren Tonnen), modular erweiterbar. Einsatz in Industrie, Metallverarbeitung und Bau.
Weitspannregal: Für lange und sperrige Güter, die nicht auf Paletten gelagert werden: Rohre, Holz, Metallprofile, Leitern. Breite Abstände zwischen den Trägern ermöglichen das Einlegen langer Materialien.
Kragarmregal: Speziell für Langgut. Einseitig oder beidseitig mit freitragenden Armen, die direkt auf dem Ständer montiert sind – kein Mittelständer, der den Zugang blockiert. Ideal für Holz- und Metallbetriebe.
Sichtlagerkastenregal: Für Kleinteile, Schrauben, Elektronikbauteile, Ersatzteile. Offene Lagerkästen ermöglichen schnellen visuellen Zugriff ohne Öffnen von Behältern. Kombiniert mit klarer Beschriftung ein sehr effizienter Arbeitsplatz.
Gangbreiten und Flächennutzung: Was die Vorschriften sagen
Die SUVA macht in ihrer Richtlinie zur Arbeitssicherheit im Lager klare Vorgaben zu Verkehrswegen und Gangbreiten. Diese sind nicht verhandelbar:
- Fussgängerwege: Mindestens 80 cm Breite, empfohlen 100 cm
- Wege für Handwagen: Mindestens 100 cm
- Wege für Hubwagen und kleine Stapler: Mindestens 200 cm plus Fahrzeugbreite
- Wege für Gegengewichtsstapler: Mindestens 250 bis 350 cm je nach Fahrzeugtyp
- Notausgänge: Müssen jederzeit frei und deutlich gekennzeichnet sein
Für die Flächenplanung gilt laut bito.com und schaefer-shop.ch die Faustregel: Die Lagerfläche ergibt sich aus der Grundfläche der Regale plus den notwendigen Verkehrswegen. Wer zu eng plant, spart vordergründig Platz, verliert aber Effizienz und riskiert Unfälle. Ein Lager braucht Luft zum Arbeiten.
ABC-Analyse: Die richtige Ware am richtigen Ort
Die Positionierung der Waren im Lager ist genauso wichtig wie das Regalsystem selbst. Die bewährte ABC-Analyse teilt Waren nach ihrer Umschlaghäufigkeit ein:
- A-Artikel (häufig bewegt): Gehören in den bequem erreichbaren Bereich – Griffhöhe zwischen 70 und 150 cm, in der Nähe des Warenausgangs
- B-Artikel (mittelfrequent): Etwas weiter weg, aber noch gut zugänglich
- C-Artikel (selten bewegt): Im obersten oder untersten Regalbereich, in Randzonen oder weiter hinten im Lager
Wer seine Waren nicht analysiert und einfach dort einlagert, wo gerade Platz ist, erzeugt unnötige Wege und kostet Mitarbeitende täglich wertvolle Minuten. Über ein Jahr summiert sich das schnell zu Hunderten von Arbeitsstunden.
Arbeitssicherheit: Was Schweizer Betriebe zwingend beachten müssen
Die SUVA ist in Sachen Lagersicherheit eindeutig: Lagerregale sind Arbeitsmittel und fallen unter die EKAS-Richtlinie 6512. Das bedeutet konkret:
- Wöchentliche Sichtkontrolle: Durch eine eingewiesene Person – auf Verformungen, Beschädigungen durch Anfahren, lockere Verbindungen
- Jährliche Experteninspektion: Durch eine fachkundige Person gemäss Norm SN EN 15635. Pflicht für alle gewerblich genutzten Regalanlagen
- Tragfähigkeit nie überschreiten: Fach- und Feldlast sind Herstellerangaben, keine Empfehlungen. Ein überlastetes Regal kann einstürzen
- Regale am Boden verankern: Regale müssen am Boden oder an der Wand befestigt sein – nie frei stehend bei mehr als zwei Ebenen
- Anfahrschutz installieren: Vor Regalen, die mit Staplern befahren werden, sind Rammschutzpfosten Pflicht. Diese werden am Boden, nie am Regal selbst befestigt
- Beschädigte Elemente sofort ersetzen: Ein eingedellter Pfosten oder eine verbogene Traverse können die Tragfähigkeit erheblich reduzieren – nie auf eine spätere Reparatur warten
Wichtig für Schweizer Betriebe: Wer Lagerregale betreibt, ist gemäss Art. 32 der VUV (Verordnung über die Unfallverhütung) verpflichtet, diese regelmässig instand zu halten. Bei Unfällen durch mangelhafte Wartung drohen Betrieben empfindliche Konsequenzen – sowohl strafrechtlich als auch versicherungsrechtlich.
Beschriftung und Kennzeichnung: Ordnung als System
Das beste Regalsystem nützt wenig, wenn niemand weiss, was wo ist. Eine konsequente Beschriftung und Kennzeichnung ist kein Nice-to-have, sondern Grundlage für effizientes Arbeiten:
- Regalgassen mit Buchstaben, Regalfelder mit Zahlen, Fachebenen mit Buchstaben – das ergibt einen eindeutigen Lagerplatzcode (z. B. A-3-b)
- Schilder gross genug, dass sie vom Stapler aus lesbar sind
- Maximalgewicht sichtbar am Regal anbringen
- Bodenkennzeichnung für Verkehrswege, Arbeitszonen und Notausgänge mit Farbbändern oder Bodenfarbe
Video-Tipp: Die besten Regalsysteme für effiziente Lagerlogistik
Dieses aktuelle Video von WDX vom Dezember 2024 gibt einen verständlichen Überblick über fünf verschiedene Regalsysteme – von Palettenregalen bis zu Sichtlagerlösungen – und zeigt, welches System für welchen Betrieb geeignet ist:
Fazit
Ein gut eingerichtetes Lager ist mehr als aufgeräumte Regale – es ist ein aktives Produktivitätswerkzeug. Wer Waren nach ABC-Analyse positioniert, die richtigen Regalsysteme für den jeweiligen Einsatz wählt, Gangbreiten grosszügig plant und die SUVA-Vorschriften konsequent einhält, schafft eine Arbeitsumgebung, die sicher ist, Wege spart und Fehler reduziert. Die Planung lohnt sich: Jede Stunde Investition in die Lagerstruktur zahlt sich täglich aus.
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