Infantino erhält Rückendeckung aus Asien – Schweiz bleibt auf Distanz

Gianni Infantino erhält im Kampf um seine Wiederwahl als FIFA-Präsident wichtige Unterstützung aus Asien. Der asiatische Fussballverband AFC stellt sich am Freitag, 23. Oktober 2026, beim ausserordentlichen Kongress in Tokio öffentlich hinter den Walliser. Präsident Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa sichert Infantino seine Unterstützung für eine weitere Amtszeit zu. Noch im August hatte die AFC dessen Führungsstil scharf kritisiert.

Die Kehrtwende erfolgt nach wochenlangen Auseinandersetzungen um das inzwischen aufgegebene Milliardenprojekt FIFA Forward Enterprise. Dabei sollten private Investoren an kommerziellen Aktivitäten rund um die FIFA-Wettbewerbe beteiligt werden. Die asiatische Führung hatte gemeinsam mit der UEFA und Concacaf einen grundlegenden Vertrauensbruch beanstandet. Nun spricht Salman von Zusammenarbeit und einem gemeinsamen Weg nach vorne.

Aus Schweizer Sicht ist die Entwicklung besonders bemerkenswert. Der Schweizerische Fussballverband hat seine Unterstützung für Infantino am 25. September ausdrücklich zurückgezogen. SFV-Präsident Peter Knäbel verlangt weiterhin Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungsprozesse. Während der Schweizer Heimatverband auf Distanz bleibt, erhält Infantino aus Asien und Afrika bedeutende Rückendeckung für die Wahl vom 18. März 2027.

SOCCER.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Asien: AFC-Präsident Salman unterstützt Infantinos Wiederwahl.
Stimmenpotenzial: 47 AFC-Mitgliedsverbände mit eigenem FIFA-Stimmrecht.
Afrika: Der Kontinentalverband CAF mit 54 Mitgliedern unterstützt Infantino ebenfalls.
Schweiz: SFV zieht frühere Unterstützung wegen Governance-Fragen zurück.
Präsidentenwahl: 18. März 2027 in Rabat, Marokko.
Was das bedeutet
Die Unterstützung der AFC-Führung stärkt Infantinos Position vor der Wahl erheblich. Sie garantiert allerdings nicht die Stimmen sämtlicher asiatischer Mitgliedsverbände. Entscheidend wird nun, ob sich bis zum 18. November ein Gegenkandidat mit ausreichender Unterstützung formieren kann.

Salman stellt sich demonstrativ hinter Infantino

Beim ausserordentlichen AFC-Kongress in Tokio vollzieht Scheich Salman eine bemerkenswerte politische Wende.

In Anwesenheit Infantinos erklärt der Bahrainer, dass der asiatische Verband die Kandidatur für eine weitere Amtszeit unterstützen werde.

Salman hebt Infantinos Engagement für den asiatischen Fussball und seine zahlreichen Besuche bei Mitgliedsverbänden hervor.

Dabei verweist er auch auf die Gespräche mit den nationalen Verbandsvertretern. Nach seiner Einschätzung unterstützt eine Mehrheit der asiatischen Mitglieder den FIFA-Präsidenten.

Die beiden Funktionäre demonstrieren ihre Annäherung öffentlich mit einer Umarmung.

Noch im August herrschte offener Streit

Die neue Unterstützung überrascht angesichts der jüngsten Auseinandersetzungen.

Im August hatte die AFC gemeinsam mit den Kontinentalverbänden UEFA und Concacaf das geplante Investorenprojekt FIFA Forward Enterprise kritisiert.

Infantino wollte kommerzielle Rechte an FIFA-Wettbewerben in eine neue Gesellschaft einbringen und private Kapitalgeber beteiligen.

Im Gespräch stand eine Investition von rund 4,2 Milliarden Dollar.

Kritisiert wurden insbesondere die fehlende Einbindung der zuständigen FIFA-Gremien und die mangelnde Transparenz.

Der Plan wurde schliesslich aufgegeben.

Beim FIFA-Council am 15. Oktober entschuldigte sich Infantino für Fehler bei den Entscheidungsabläufen.

Die Entschuldigung vor dem FIFA-Council konnte die europäischen Kritiker allerdings nicht vollständig überzeugen.

Schweizer Verband verweigert weitere Unterstützung

Während sich die asiatische Verbandsspitze neu positioniert, bleibt der Schweizerische Fussballverband bei seiner Entscheidung.

Der Zentralvorstand beschloss am 25. September, die im Juni ausgesprochene Unterstützung für Infantinos Kandidatur zurückzunehmen.

Am 30. September veröffentlichte der SFV den Entscheid.

Präsident Peter Knäbel kritisiert insbesondere die ungeklärten Verantwortlichkeiten beim Investorenprojekt.

Auch der Umgang mit der aufgehobenen Sperre des amerikanischen Nationalspielers Folarin Balogun gehört zu den Kritikpunkten.

Der SFV verlangt nachvollziehbare Prozesse und eine wirksame Kontrolle der FIFA-Führung.

Der Entzug der Unterstützung bedeutet allerdings keinen Abbruch der Zusammenarbeit mit dem Weltverband.

Asien könnte bei der Wahl entscheidend werden

Insgesamt gehören der FIFA 211 nationale Mitgliedsverbände an.

Jeder stimmberechtigte Verband verfügt bei der Präsidentenwahl grundsätzlich über eine Stimme.

Die AFC vereint 47 Mitglieder. Afrika stellt mit 54 Verbänden ebenfalls eine bedeutende Gruppe.

Der afrikanische Kontinentalverband hat Infantino bereits seine Unterstützung ausgesprochen.

In Asien besteht jedoch keine vollständige Einigkeit. Während Katar den FIFA-Präsidenten unterstützt, hat Jordan seine Ablehnung erklärt.

Die öffentliche Zusage des AFC-Präsidenten darf deshalb nicht mit 47 bereits verbindlich abgegebenen Stimmen gleichgesetzt werden.

Europäische Kritik bleibt bestehen

Besonders in Europa ist die Opposition gegen Infantino gewachsen.

Mehrere nationale Verbände haben ihre frühere Unterstützung zurückgezogen. Andere verlangen zusätzliche Unterlagen zu den umstrittenen FIFA-Entscheidungen.

Auch innerhalb der UEFA bestehen weiterhin erhebliche Vorbehalte gegenüber dem Führungsstil des Präsidenten.

Im Zentrum stehen die Zuständigkeiten der FIFA-Gremien, finanzielle Transparenz und die unabhängige Kontrolle wichtiger Entscheidungen.

Damit bleibt der Konflikt trotz der Annäherung zwischen Infantino und der AFC ungelöst.

Bis zum 18. November braucht es einen Herausforderer

Die nächste FIFA-Präsidentenwahl findet am 18. März 2027 beim Kongress in Rabat statt.

Infantino strebt eine vierte Amtszeit an, die bis 2031 dauern würde.

Mögliche Gegenkandidaten müssen ihre Bewerbung spätestens am 18. November 2026 einreichen.

Dafür benötigen sie unter anderem die formelle Unterstützung von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsverbänden.

Bis zum 23. Oktober ist noch keine Gegenkandidatur eingereicht worden.

Mit der Rückendeckung aus Asien verbessert sich Infantinos politische Ausgangslage. Ob aus den öffentlichen Zusagen tatsächlich die erforderliche Mehrheit entsteht, entscheidet sich erst bei der Wahl.

AKTUELLER STAND
FIFA-Präsidentenwahl 2027 – Unterstützung und Termine
23. Oktober 2026 | Stand der öffentlichen Positionierungen
Verband / Thema Position / aktueller Stand
AFC – Asien 47 Mitglieder; Führung unterstützt Infantino
CAF – Afrika 54 Mitglieder; Kontinentalverband unterstützt Infantino
SFV – Schweiz Unterstützung am 25. September zurückgezogen
UEFA – Europa Führungskritik; zahlreiche nationale Verbände auf Distanz
Concacaf Beteiligung an der Kritik am Investorenprojekt
Katar / Jordan Katar unterstützt, Jordan lehnt Infantino ab
FIFA-Mitglieder 211 nationale Mitgliedsverbände
Gegenkandidatur Mindestens 5 unterstützende FIFA-Mitglieder erforderlich
Anmeldefrist 18. November 2026
Präsidentenwahl 18. März 2027, Rabat (Marokko)

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert