Herbstnebel in der Schweiz: Warum Flugzeuge länger warten müssen

Ein nebliger Novembermorgen kann den Betrieb an einem Schweizer Flughafen erheblich erschweren. Während Passagiere im Terminal auf ihren Abflug warten, arbeiten Fluglotsen, Piloten und Bodenpersonal unter besonderen Sicherheitsbedingungen. Moderne Technik ermöglicht zwar zahlreiche Starts und Landungen auch bei eingeschränkter Sicht. Die grössten Herausforderungen entstehen jedoch häufig durch die komplexen Abläufe auf den Pisten, Rollwegen und Vorfeldern.

Besonders im Schweizer Mittelland können sich im Spätherbst dichte Nebelfelder bilden. Feuchte Luft kühlt in der Nacht ab, und am frühen Morgen sinkt die Sichtweite teilweise erheblich. Flugzeuge müssen dann grössere Sicherheitsabstände einhalten, während der Verkehr am Boden besonderen Verfahren unterliegt. Unter bestimmten Wetterbedingungen kommen Frost, vereiste Oberflächen und Enteisungsarbeiten hinzu.

Der Flughafen Zürich verfügt über Instrumentenlandesysteme, spezielle Beleuchtungen und eine umfassende Wetterüberwachung. Trotzdem können Nebel und tiefe Wolken die Kapazität des Flughafens einschränken. Auch Basel, Bern und kleinere Schweizer Flugplätze sind betroffen, wobei die technischen Möglichkeiten unterschiedlich sind. Entscheidend bleibt überall die sichere Durchführung sämtlicher Flugbewegungen.

FLUGHAFEN.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Sichtverhältnisse: Nebel erschwert Starts, Landungen und den Verkehr am Boden.
Flugsicherung: Bei geringer Sicht gelten besondere Sicherheitsverfahren und Abstände.
Technik: Instrumentenlandesysteme ermöglichen Präzisionsanflüge bei schlechter Sicht.
Bodenbetrieb: Flugzeugabfertigung, Rollverkehr und Fahrzeugbewegungen benötigen erhöhte Aufmerksamkeit.
Folgen: Verspätungen und Flugplanänderungen sind möglich.
Was das bedeutet
Nicht jeder Nebelmorgen führt zu Flugausfällen. Ob der Betrieb normal weiterlaufen kann, hängt von Sichtweite, Wetterentwicklung, verfügbarer Technik und den geltenden Betriebsverfahren ab. Sicherheit hat dabei immer Vorrang vor Pünktlichkeit.

Wenn der Flughafen im Nebel verschwindet

An einem typischen Novembermorgen kann die Sicht auf dem Flughafengelände stark eingeschränkt sein. Was bei klarem Wetter problemlos aus mehreren hundert Metern erkennbar ist, verschwindet plötzlich hinter einer grauen Nebelwand.

Besonders anspruchsvoll wird die Situation, wenn sich die Sichtverhältnisse innerhalb kurzer Zeit verändern.

Piloten müssen jederzeit wissen, wo sich ihr Flugzeug befindet. Fluglotsen koordinieren gleichzeitig zahlreiche Maschinen, während Abfertigungsfahrzeuge und Mitarbeitende auf dem Vorfeld unterwegs sind.

Dabei genügt es nicht, dass ein Flugzeug technisch landen kann. Auch die anschliessende Fahrt zur Parkposition muss sicher gewährleistet sein.

Wie Flugzeuge trotz Nebel landen können

Moderne Verkehrsflugzeuge sind auf Flüge bei schlechten Sichtverhältnissen vorbereitet.

Eine wichtige Rolle spielt das Instrumentenlandesystem, kurz ILS. Es liefert den Piloten präzise Informationen zur seitlichen Ausrichtung und zum Sinkwinkel während des Endanflugs.

Am Flughafen Zürich verfügen die Pisten 14 und 16 über ILS-Ausrüstungen für besonders schlechte Sichtbedingungen.

Je nach Ausrüstung von Flugzeug und Landebahn sowie der Qualifikation der Besatzung sind Landungen auch bei sehr geringer Sicht möglich.

Dabei kommen teilweise automatische Landeverfahren zum Einsatz. Die Piloten überwachen sämtliche Abläufe und müssen die vorgeschriebenen Bedingungen einhalten.

Warum Starts und Landungen länger dauern können

Bei dichtem Nebel können besondere Verfahren für geringe Sichtweiten aktiviert werden.

Die Flugsicherung muss dann sicherstellen, dass sich Flugzeuge und Fahrzeuge ausschliesslich in freigegebenen Bereichen bewegen.

Zusätzliche Abstände und Einschränkungen bei der Benutzung bestimmter Rollwege können die Abfertigung verlangsamen.

Auch das gleichzeitige Nutzen verschiedener Pisten kann schwieriger werden.

Gerade während der morgendlichen Verkehrsspitze wirken sich solche Einschränkungen rasch aus.

Verspätet sich eine Maschine bei der Landung, kann dies auch ihren späteren Weiterflug und die Anschlussverbindungen der Passagiere beeinflussen.

Der Rollverkehr wird zur besonderen Herausforderung

Ein häufig unterschätztes Problem ist die Bewegung der Flugzeuge am Boden.

Während Piloten beim Anflug durch moderne Navigationssysteme unterstützt werden, müssen sie auf Rollwegen den vorgeschriebenen Strecken folgen und zahlreiche Markierungen sowie Lichtsignale beachten.

Bei schlechter Sicht gewinnen die Anweisungen der Bodenverkehrsleitung zusätzlich an Bedeutung.

Auch Schleppfahrzeuge, Gepäcktransporter, Tankwagen und weitere Spezialfahrzeuge müssen sich an die geltenden Verkehrsregeln halten.

Besondere Aufmerksamkeit verlangt das Einweisen der Flugzeuge an ihre Parkpositionen.

Am Flughafen Zürich können sogenannte Marshaller mit Leuchtstäben eingesetzt werden, wenn ein automatisches Dockleitsystem ein Flugzeug wegen dichten Nebels nicht zuverlässig erkennt.

Frost und Vereisung können hinzukommen

Ein Novembermorgen bringt nicht zwangsläufig Temperaturen unter null Grad.

Sinken die Temperaturen jedoch entsprechend tief, können Frost und Eis zusätzliche Massnahmen erforderlich machen.

Besonders kritisch sind Ablagerungen auf Tragflächen und anderen wichtigen Flugzeugoberflächen.

Falls notwendig, werden Maschinen vor dem Start enteist.

Auch Pisten, Rollwege und Vorfelder müssen hinsichtlich ihres Zustands überwacht werden.

Die Kombination aus niedrigen Temperaturen, Feuchtigkeit und geringer Sicht kann den gesamten Flughafenbetrieb zusätzlich belasten.

Wetterstationen liefern wichtige Informationen

Am Flughafen Zürich werden Wetterbedingungen fortlaufend gemessen.

Zu den wichtigen Daten gehören Sichtweite, Wolkenuntergrenze, Wind, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag.

MeteoSchweiz betreibt am Flughafen eine Wetterstation, die rund um die Uhr besetzt ist.

Die Wetterfachleute beurteilen nicht nur die aktuelle Lage, sondern auch die erwartete Entwicklung während der nächsten zwei Stunden.

Diese Informationen bilden eine wesentliche Grundlage für die Einsatzplanung der Flugsicherung Skyguide.

Besonders entscheidend ist, ob sich der Nebel voraussichtlich auflöst, bestehen bleibt oder noch dichter wird.

Nicht jeder Schweizer Flughafen hat dieselben Möglichkeiten

Die Auswirkungen schlechter Sicht unterscheiden sich von Flughafen zu Flughafen.

Grosse Verkehrsflughäfen verfügen über umfangreiche technische Einrichtungen für den Instrumentenflug.

Kleinere Flugplätze haben teilweise eingeschränktere Möglichkeiten, sodass die Sichtbedingungen dort unmittelbarer über die Durchführung eines Fluges entscheiden.

Welche Sicherheitsgrundsätze dennoch überall gelten, zeigt auch die Übersicht über die gemeinsamen Anforderungen an Schweizer Flughäfen.

Auch die Lage eines Flughafens spielt eine Rolle. Nebel kann an einem Standort besonders dicht sein, während wenige Kilometer entfernt bereits gute Sicht herrscht.

Was Passagiere am Nebelmorgen beachten sollten

Für Reisende ist vor allem wichtig, dass ein wolkenverhangener Flughafen nicht automatisch einen Flugausfall bedeutet.

Viele Flugbewegungen können trotz schwieriger Sichtbedingungen sicher stattfinden.

Allerdings kann sich die Situation kurzfristig verändern. Passagiere sollten deshalb den Flugstatus ihrer Fluggesellschaft überprüfen und genügend Zeit für die Anreise einplanen.

Ein verspäteter Abflug muss nicht auf ein technisches Problem zurückzuführen sein. Häufig benötigt die Flugsicherung lediglich mehr Zeit, um den Verkehr unter den aktuellen Wetterbedingungen sicher abzuwickeln.

AKTUELLER STAND
Flughafenbetrieb bei Nebel – Herausforderungen und Massnahmen
Überblick für den Herbst- und Winterbetrieb
Herausforderung Sicherheitsmassnahme
Geringe Sichtweite Spezielle Verfahren für schlechte Sichtbedingungen
Landeanflug Instrumentenlandesystem und Präzisionsanflüge
Startvorbereitung Kontrolle von Sicht, Technik und Startbedingungen
Rollwege Verkehrsfreigaben, Beleuchtung und klare Rollanweisungen
Parkpositionen Dockleitsysteme und bei Bedarf manuelle Einweisung
Bodenfahrzeuge Zugangskontrollen und geregelte Fahrbewegungen
Frost und Eis Flugzeugenteisung und Kontrolle der Betriebsflächen
Wetterentwicklung Laufende Messungen und kurzfristige Prognosen
Flugverspätungen Anpassung von Verkehrsabständen und Betriebsplanung

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert