Erdbeben in der Schweiz – So können Sie sich und Ihre Familie schützen
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Bevölkerungsschutz Erdbeben familie.ch Magazine nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse Naturgefahren News Orte praevention.ch Prävention Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Ein Erdbeben kann jederzeit und ohne Vorwarnung auftreten – auch in der Schweiz. Obwohl schwere Erdstösse vergleichsweise selten sind, gehören Erdbeben zu den Naturgefahren mit dem grössten Schadenspotenzial. Viele Verletzungen entstehen durch umstürzende Möbel, herabfallende Gegenstände oder beschädigte Gebäudeteile. Wer seine Wohnung sichert, einen Notvorrat anlegt und das richtige Verhalten kennt, kann das persönliche Risiko deutlich verringern.
Erdbeben lassen sich weder verhindern noch zuverlässig vorhersagen. Der Schweizerische Erdbebendienst an der ETH Zürich überwacht die seismische Aktivität jedoch rund um die Uhr. Besonders gefährdet sind unter anderem das Wallis, die Region Basel, Graubünden und das St. Galler Rheintal. Starke Erdbeben sind aber grundsätzlich im ganzen Land möglich.
Die gute Nachricht: Wirksame Vorsorge muss nicht kompliziert oder teuer sein. Schon das Befestigen hoher Regale, ein griffbereiter Erste-Hilfe-Kasten und ein gemeinsam besprochener Notfallplan können entscheidend sein. Den wichtigsten langfristigen Schutz bietet allerdings ein Gebäude, das nach erdbebengerechten Baunormen erstellt oder entsprechend verstärkt wurde.
Warum Erdbeben in der Schweiz unterschätzt werden
Die Schweiz liegt nicht an einer grossen Plattengrenze wie Japan oder die Türkei. Trotzdem entstehen durch die Bewegungen der Erdkruste regelmässig Erdbeben.
Die meisten sind schwach und für Menschen nicht spürbar. Stärkere Ereignisse können allerdings Gebäude beschädigen, Verkehrswege unterbrechen und die Versorgung beeinträchtigen.
Wie ernst die Behörden das Risiko nehmen, zeigt der Ausbau der Zürcher Erdbebenrettung. Der Kanton investiert drei Millionen Franken in Material für zwei spezialisierte Rettungszüge.
Die Wohnung in wenigen Schritten sicherer machen
Viele Gefahren befinden sich direkt in den eigenen vier Wänden.
Hohe Schränke und Bücherregale können bei stärkeren Erschütterungen kippen. Schwere Gegenstände auf oberen Regalböden können herunterfallen.
Deshalb sollten hohe Möbel fachgerecht an der Wand befestigt werden. Schwere Gegenstände gehören möglichst weit nach unten.
Fernseher, grosse Spiegel und schwere Bilder sollten ebenfalls gesichert sein. Besonders über Betten und häufig genutzten Sitzplätzen ist Vorsicht geboten.
Auch Glasgegenstände und schwere Lampen können bei einem Beben gefährlich werden.
Was gehört zur Erdbebenvorsorge?
Ein Erdbeben kann Stromleitungen, Wasserleitungen und Kommunikationsnetze beschädigen.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt deshalb einen allgemeinen Notvorrat und einen persönlichen Notfallplan.
Dazu gehören Trinkwasser und haltbare Lebensmittel, benötigte Medikamente, eine Taschenlampe, ein batteriebetriebenes Radio, eine Powerbank und etwas Bargeld.
Auch Kopien wichtiger Dokumente und ein Erste-Hilfe-Kasten sind sinnvoll.
Familien sollten gemeinsam festlegen, wie sie sich nach einem Erdbeben erreichen können und wo sie sich bei einer notwendigen Evakuierung treffen.
Während des Bebens nicht ins Treppenhaus rennen
Beginnt die Erde zu beben, reagieren viele Menschen instinktiv mit Flucht. In einem Gebäude kann das gefährlich sein.
Der Schweizerische Erdbebendienst empfiehlt, sofort Schutz zu suchen, beispielsweise unter einem stabilen Tisch.
Wer keinen Tisch erreichen kann, sollte sich möglichst tief halten, Kopf und Nacken schützen und Abstand von Fenstern, Regalen und schweren Möbeln suchen.
Während der Erschütterungen sollte man nicht über Treppen ins Freie laufen oder einen Lift benutzen.
Erst wenn die unmittelbare Umgebung sicher ist, sollte man den Standort wechseln.
Was gilt draussen und im Auto?
Wer sich bereits im Freien befindet, sollte draussen bleiben.
Wichtig ist ein ausreichender Abstand zu Gebäudefassaden, Brücken, Strommasten, grossen Bäumen und anderen Gegenständen, die umfallen könnten.
Autofahrer sollten möglichst an einer sicheren Stelle anhalten, nicht unter Brücken oder in Tunnels stehen bleiben und während der Erschütterungen im Fahrzeug bleiben.
Nach einem Erdbeben drohen weitere Gefahren
Nach dem ersten starken Erdstoss ist die Gefahr nicht unbedingt vorbei.
Nachbeben können bereits beschädigte Gebäude zusätzlich schwächen. Bei grösseren Schäden sollte das Gebäude vorsichtig verlassen und erst nach einer Sicherheitsbeurteilung wieder betreten werden.
Beschädigte Strom-, Gas- und Wasserleitungen können weitere Gefahren verursachen.
Wer Gasgeruch bemerkt, sollte keine elektrischen Schalter betätigen und sich in Sicherheit bringen.
Die Bevölkerung sollte über Alertswiss, Radio und offizielle Behördenkanäle informiert bleiben. Telefonnetze sollten für dringende Notfälle freigehalten werden.
Gebäudesicherheit ist der wichtigste Schutz
Ein gesicherter Schrank schützt vor einzelnen Verletzungsgefahren. Ob ein Gebäude einem starken Erdbeben standhält, hängt jedoch wesentlich von seiner Konstruktion ab.
Bei Neubauten und grösseren Umbauten sind deshalb die geltenden erdbebengerechten Baunormen entscheidend.
Eigentümer älterer Gebäude können die Erdbebensicherheit durch qualifizierte Fachpersonen beurteilen lassen.
Auch die Versicherungsdeckung verdient Aufmerksamkeit: Erdbebenschäden sind in der Schweiz nicht automatisch durch jede Gebäudeversicherung umfassend abgedeckt.
Die wichtigste Erkenntnis bleibt, dass niemand den Zeitpunkt eines Erdbebens kennt. Wer heute vorsorgt, muss im Ernstfall weniger improvisieren.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert