Warum der Alfa Romeo Busso V6 zur Legende wurde
von belmedia Redaktion Allgemein Auto Europa Magazine Mobilität motor.ch motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Themen Ⳇ Verbreitung
Kaum ein Motor aus Italien geniesst unter Autofans einen derart legendären Ruf wie der Alfa Romeo V6 von Giuseppe Busso. Der sogenannte Busso-V6 wurde über Jahrzehnte stetig weiterentwickelt, trieb vom Alfa 6 bis zum 147 GTA zahlreiche Modelle an und verband Leistung mit einem Klang und einer Charakteristik, die bis heute Kultstatus geniessen.
Seinen ersten grossen Auftritt hatte der V6 1979 im Alfa Romeo 6. Die ursprüngliche 2,5-Liter-Version leistete rund 156 PS und wurde noch von sechs Dell’Orto-Vergasern gespeist. Technisch war der Motor für seine Zeit aufwendig konstruiert und entwickelte sich zur Grundlage einer ganzen Familie von Alfa-Sechszylindern.
Berühmt wurde der Busso aber nicht allein wegen technischer Daten. Entscheidend war die Kombination aus unmittelbarer Gasannahme, Drehfreude, markanter Optik und vor allem seinem Klang. Wer einen gepflegten GTV6, 164 V6 oder später einen 147 GTA unter Last gehört hat, versteht schnell, weshalb der Motor auch Jahrzehnte später eine Sonderstellung einnimmt.
Ein Motor aus der Hand von Giuseppe Busso
Namensgeber Giuseppe Busso gehörte zu den wichtigsten Ingenieuren der Alfa-Romeo-Geschichte.
Der Turiner hatte bereits bei Fiat und Ferrari gearbeitet, bevor er nach dem Zweiten Weltkrieg zu Alfa Romeo zurückkehrte. Dort war er an verschiedenen wichtigen Motoren und Fahrzeugprojekten beteiligt.
Für das neue Spitzenmodell Alfa 6 entwickelte sein Team einen kompakten V6. Die Bauform mit einem Zylinderwinkel von 60 Grad bot gute Voraussetzungen für einen kultivierten Lauf und eine kompakte Konstruktion.
Der Motor war ursprünglich nicht als jahrzehntelange Ikone geplant. Genau das wurde er aber.
Der Klang machte ihn unverwechselbar
Ein zentraler Teil des Mythos ist der Sound.
Der Busso klingt nicht einfach laut. Er besitzt einen eigenen Charakter: Bei niedrigen Drehzahlen wirkt er relativ weich und sonor, bei steigender Drehzahl zunehmend metallisch und energisch.
Gerade ältere 12-Ventil-Versionen vermitteln akustisch einen sehr mechanischen Eindruck. Spätere 24-Ventiler drehen freier und verbinden den typischen Grundcharakter mit deutlich mehr Leistung.
Dieser Klang entstand ohne künstliche Soundgeneratoren. Ansaugung, Zündfolge, Abgasanlage und die Konstruktion des Motors bestimmen das charakteristische Klangbild.
Gerade dieser mechanische Charakter ist ein Teil des Reizes klassischer Motoren. Ähnlich zeigt sich das auch bei anderen ikonischen Antriebskonzepten – etwa beim klassischen BMW-Boxermotor der R 100 RT, dessen eigenständige Bauart ebenfalls bis heute viele Liebhaber fasziniert.
Von 2,5 auf 3,2 Liter
Die grosse Stärke des Busso-Konzepts war seine Entwicklungsfähigkeit.
Aus den ursprünglichen 2,5 Litern entstanden im Laufe der Jahre zahlreiche Varianten. Es gab unter anderem 2,0-Liter-Versionen, 3,0-Liter-Motoren und schliesslich den 3,2-Liter-V6 mit 24 Ventilen.
Dieser letzte grosse Entwicklungsschritt kam unter anderem im Alfa Romeo 147 GTA, 156 GTA, GT 3.2 und 166 zum Einsatz.
Im 147 GTA leistete der 3,2-Liter-Saugmotor 250 PS und entwickelte 300 Nm. Für einen kompakten Fronttriebler Anfang der 2000er-Jahre waren das beeindruckende Werte.
Noch wichtiger als die Spitzenleistung war jedoch die Art, wie sie bereitgestellt wurde. Ohne Turbolader baute der Motor seine Leistung gleichmässig auf und reagierte unmittelbar auf Bewegungen des Gaspedals.
Auch optisch ein besonderer Motor
Wer die Motorhaube eines klassischen Alfa mit Busso-V6 öffnet, erkennt sofort, weshalb das Aggregat auch optisch Kultstatus besitzt.
Besonders die späteren Versionen mit ihren sechs polierten Ansaugrohren sind unverwechselbar. Während Motoren zunehmend unter grossen Kunststoffabdeckungen verschwanden, präsentierte Alfa Romeo seinen V6 beinahe wie ein technisches Schaustück.
Die gebogenen Ansaugrohre wurden zu einem visuellen Erkennungsmerkmal.
Der Motorraum eines 147 GTA oder 156 GTA sieht deshalb selbst heute noch besonders aus. Das Aggregat ist nicht nur Antriebstechnik, sondern ein wesentlicher Teil des Charakters dieser Fahrzeuge.
Vom GTV6 bis zum GTA
Zum Ruf des Motors trugen auch die Fahrzeuge bei, in denen er eingesetzt wurde.
Der GTV6 wurde zu einem der bekanntesten sportlichen Alfa Romeo der 1980er-Jahre und war auch im Tourenwagensport erfolgreich. Später folgten Modelle wie der Alfa 75, die 164-Limousine, GTV und Spider sowie die GTA-Modelle der frühen 2000er-Jahre.
Der V6 musste sich dabei immer wieder neuen Anforderungen anpassen.
Vergaser wurden durch Einspritzanlagen ersetzt, aus zwölf wurden 24 Ventile und der Motor wanderte vom längs eingebauten Antrieb in klassischen Alfa-Modellen bis in quer eingebaute Fronttriebler.
Trotz dieser Veränderungen blieb sein Grundcharakter erkennbar.
Warum der Busso heute besonders begehrt ist
Seit Mitte der 2000er-Jahre wird der klassische Busso-V6 nicht mehr produziert.
Genau das verstärkt heute seinen Reiz. Ein frei saugender Sechszylinder mit eigenständigem Klang, auffälligen Ansaugrohren und unmittelbarer Gasannahme ist in der modernen Motorenwelt selten geworden.
Gute Exemplare von GTV6, 164 V6, 147 GTA oder 156 GTA werden deshalb von Liebhabern gesucht.
Dabei sollte die Begeisterung nicht über die Anforderungen eines älteren Hochleistungsmotors hinwegtäuschen. Zahnriemen, Wasserpumpe, Kühlsystem, Ölversorgung und der allgemeine Wartungszustand sollten bei einem Gebrauchtwagen genau kontrolliert werden. Vernachlässigte Exemplare können hohe Reparaturkosten verursachen.
Ist ein Busso dagegen fachgerecht gewartet, wird schnell deutlich, weshalb sein Ruf über Jahrzehnte gewachsen ist: Nicht eine einzelne technische Besonderheit machte ihn berühmt, sondern das Zusammenspiel aus Konstruktion, Leistungsentfaltung, Optik und einem Klang, der für viele Alfa-Fans bis heute unverwechselbar geblieben ist.
- Der nach Giuseppe Busso benannte V6 debütierte 1979 im Alfa Romeo 6.
- Das Motorkonzept wurde über mehr als zwei Jahrzehnte in zahlreichen Hubraum- und Leistungsvarianten weiterentwickelt.
- Sound, direkte Gasannahme und die auffälligen Ansaugrohre machten den Motor zu einem emotionalen Markenzeichen von Alfa Romeo.
- Zu den besonders bekannten Busso-Modellen gehören GTV6, 164 V6, 147 GTA, 156 GTA und GT 3.2.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert