Defekte Spurstange: Warum Weiterfahren gefährlich werden kann
von belmedia Redaktion Allgemein Auto Magazine Mobilität motor.ch motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit Themen Tipps Ⳇ Verbreitung
Eine defekte Spurstange gehört zu den Problemen, die Autofahrer nicht auf die lange Bank schieben sollten. Sie verbindet die Lenkbewegung mit den Rädern und ist damit direkt dafür verantwortlich, dass das Fahrzeug präzise auf Lenkeingaben reagiert. Wird ein Spurstangenkopf oder Axialgelenk ausgeschlagen, kann die Lenkung zunehmend ungenau werden – im Extremfall droht ein erheblicher Kontrollverlust.
Im Alltag kündigt sich der Verschleiss oft schleichend an. Typische Hinweise sind Spiel in der Lenkung, ein schwammiges Fahrgefühl, Knacken oder Poltern auf Unebenheiten, ein schief stehendes Lenkrad oder ungleichmässig abgefahrene Reifen. Auch ein Fahrzeug, das nicht mehr sauber geradeaus läuft oder auf Spurrillen stärker reagiert als früher, sollte überprüft werden.
Wichtig ist die genaue Bezeichnung: Umgangssprachlich wird manchmal von einer «Gelenkstange» gesprochen. In der Lenkung sind damit häufig Spurstange, Spurstangenkopf oder Axialgelenk gemeint. Welche Komponente tatsächlich betroffen ist, lässt sich zuverlässig erst auf der Hebebühne feststellen.
Was die Spurstange überhaupt macht
Die Lenkung eines Autos besteht aus mehreren Bauteilen. Eine zentrale Rolle spielt die Spurstange.
Sie überträgt die Bewegung des Lenkgetriebes auf die Achsschenkel beziehungsweise Radträger. Über die Spurstangenköpfe werden die Vorderräder exakt in die gewünschte Richtung bewegt.
Dabei müssen diese Komponenten gleichzeitig Lenkkräfte, Fahrbahnstösse und permanente Bewegungen verkraften.
Die Gelenke besitzen deshalb bewegliche Verbindungen, die über viele Jahre stark belastet werden. Spiel entsteht häufig schleichend durch Verschleiss, beschädigte Manschetten, Korrosion oder harte Schläge durch Schlaglöcher und Randsteine.
Warum ein Defekt sicherheitsrelevant ist
Bei einer ausgeschlagenen Spurstange entsteht Spiel zwischen Lenkradbewegung und Radbewegung.
Das bedeutet: Der Fahrer lenkt, doch das Rad folgt möglicherweise nicht mehr exakt und unmittelbar. Je stärker der Verschleiss fortschreitet, desto unpräziser kann das Fahrzeug reagieren.
Hersteller von Lenkungs- und Fahrwerkskomponenten weisen ausdrücklich darauf hin, dass Spurstangenköpfe und Axialgelenke für eine sichere Fahrzeugkontrolle entscheidend sind.
Besonders heikel wird ein Defekt bei höherem Tempo, beim Ausweichen oder auf nasser Fahrbahn. Schon kleine Veränderungen der Radstellung können dazu führen, dass das Auto unruhig reagiert oder seine Spur nicht mehr sauber hält.
Ein stark beschädigtes Gelenk darf deshalb nicht mit einem gewöhnlichen Komfortproblem verwechselt werden.
Diese Symptome sollte man ernst nehmen
Ein klassisches Anzeichen ist eine unpräzise oder schwammige Lenkung. Das Lenkrad fühlt sich weniger direkt an, das Auto reagiert verzögert oder muss auf gerader Strecke häufiger korrigiert werden.
Auch Knacken, Klappern oder Poltern können auftreten – besonders beim Überfahren von Bodenwellen, beim Rangieren oder bei wechselnder Lenkrichtung.
Ein weiteres Warnsignal ist ein Lenkrad, das bei Geradeausfahrt plötzlich nicht mehr gerade steht.
Auch ungleichmässiger Reifenverschleiss kann auf Probleme mit Lenkung oder Radaufhängung hindeuten. Verschlissene Spurstangenköpfe können die Radstellung verändern, wodurch sich ein Reifen auf einer Seite deutlich stärker abnutzt.
Eine ausführliche Übersicht zu solchen Warnzeichen rund um Rad und Fahrwerk gibt es hier: Verschleiss am Autorad: Diese Warnzeichen sollten Sie kennen.
Vibrationen haben nicht immer dieselbe Ursache
Vibriert das Lenkrad, bedeutet das nicht automatisch, dass die Spurstange defekt ist.
Auch eine Unwucht der Räder, beschädigte Reifen, verbogene Felgen, verschlissene Radlager oder andere Fahrwerkskomponenten können ähnliche Symptome verursachen.
Genau deshalb sollte nicht auf Verdacht ein einzelnes Bauteil ersetzt werden.
Eine Garage kann das Fahrzeug anheben und prüfen, ob an Spurstangenköpfen, Axialgelenken oder anderen Gelenken unzulässiges Spiel vorhanden ist.
Einseitig abgefahrene Reifen sind ein wichtiger Hinweis
Wenn die Radführung nicht mehr stimmt, verändert sich häufig auch die Spur.
Dann läuft der Reifen nicht mehr exakt in Fahrtrichtung über die Strasse. Die Folge kann ein auffälliger Abrieb an der Innen- oder Aussenseite sein.
Dabei gilt: Neue Reifen lösen das Problem nicht, wenn die Ursache in der Lenkung oder Radaufhängung liegt.
Nach Arbeiten an der Spurstange ist deshalb in vielen Fällen eine Achs- beziehungsweise Spurvermessung notwendig. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Räder wieder innerhalb der Herstellervorgaben stehen.
Was nach einem heftigen Schlagloch passieren kann
Auch ein plötzliches Ereignis kann eine Rolle spielen.
Wer mit hoher Geschwindigkeit durch ein tiefes Schlagloch fährt oder hart gegen einen Randstein schlägt, kann nicht nur Reifen und Felge beschädigen. Auch Lenkungs- und Fahrwerksteile können belastet oder verbogen werden.
Fährt das Fahrzeug danach plötzlich schlechter geradeaus, steht das Lenkrad schief oder treten neue Geräusche auf, sollte die Achse kontrolliert werden.
Gerade nach einem heftigen Schlag lohnt sich eine frühzeitige Prüfung, bevor aus einem kleinen Schaden zusätzlicher Reifen- oder Fahrwerksverschleiss entsteht.
Wann sollte man nicht mehr weiterfahren?
Bei leichtem, erst beginnendem Spiel entscheidet die Garage nach einer Prüfung, wie dringend die Reparatur ist.
Zeigt das Auto jedoch deutliches Lenkspiel, starke Schläge im Lenkrad, plötzliches Ziehen, ungewöhnlich grosse Lenkkorrekturen oder metallisches Knacken, sollte es nicht unnötig weitergefahren werden.
Bei einer auffällig veränderten Lenkung gilt generell: lieber an einem sicheren Ort anhalten und professionelle Hilfe organisieren.
Lenkung und Fahrwerk gehören zu den sicherheitsrelevanten Systemen eines Autos. Eine Probefahrt zur «Selbstdiagnose» mit absichtlich starken Lenkbewegungen ist keine gute Idee.
- Schwammige oder unpräzise Lenkung und zunehmendes Spiel am Lenkrad.
- Knacken, Poltern oder Schläge beim Lenken beziehungsweise auf Unebenheiten.
- Das Fahrzeug zieht zur Seite oder hält die Spur schlechter als gewohnt.
- Das Lenkrad steht bei Geradeausfahrt schief oder Reifen nutzen sich einseitig ab.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert