Chevenez: Neue Funde deuten auf Befestigung aus dem Dreissigjährigen Krieg

Eine archäologische Lehrgrabung der Universität Neuenburg hat bei Chevenez ein unerwartetes Ergebnis geliefert. Während die Fundstelle Sur Vannez bislang als prähistorische Befestigungsanlage galt, deuten die neuen Entdeckungen nun auf eine Verteidigungsanlage hin, die wahrscheinlich aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges stammt.

Archäologiestudenten der Universität Neuenburg führten auf der Fundstelle Chevenez – Sur Vannez eine dreiwöchige Grabungskampagne durch, um die im Vorjahr gewonnenen Erkenntnisse zu ergänzen. Bereits 2025 war im Rahmen einer ersten einwöchigen Grabung ein rund zehn Meter langer Suchschnitt durch den Erdwall angelegt worden. In diesem Jahr wurden drei Handsondierungen im äusseren Graben geplant, um die Struktur besser zu verstehen.


Ende der Sondierung auf einem natürlichen Kalksteinsockel, Blick nach Westen

Die Fundstelle oberhalb des Dorfes Chevenez weist einen Erdwall auf, der Archäologen seit Langem beschäftigt. Aufgrund der Topografie war bislang von einer möglichen neolithischen Siedlung in Form eines sogenannten Sperrriegels («éperon barré») ausgegangen worden. Eine der Sondierungen brachte jedoch eine Mauer zum Vorschein, die vermutlich zur Verstärkung des Erdwalls errichtet worden war.


Ein Bohrloch, das manuell freigelegt wird, Ansicht nach Norden – Bohrloch 1

Aufgrund ihrer Bauweise und der im Fundament gefundenen archäologischen Funde wird sie wahrscheinlich in die Zeit des Dreissigjährigen Krieges (1618–1648) datiert. Eine erneute sorgfältige Auswertung von Luftbildaufnahmen zeigt zudem weitere Verteidigungsstrukturen in der Umgebung, die mit dieser Anlage in Zusammenhang stehen könnten.

Damit richtet sich die Forschungsfrage nun auf eine deutlich jüngere Epoche. Künftige Untersuchungen werden insbesondere eine detaillierte Analyse der immer präziseren Geländeaufnahmen sowie mögliche Neuinterpretationen dieser bislang wenig bekannten, in der Region jedoch weit verbreiteten Verteidigungsanlagen umfassen.


Studenten graben eine Abfallgrube aus der Neuzeit aus – Testgrube 1

Die Studenten der Universität Neuenburg wurden bei den Grabungen logistisch von der Abteilung für Archäologie und Paläontologie des Kulturamts unterstützt. Die Jurassischen Archäologen pflegen regelmässige Kooperationen mit verschiedenen universitären Institutionen, darunter der Universität Neuenburg. Diese Partnerschaften fördern den fachlichen Austausch, die Erforschung des jurassischen archäologischen Erbes sowie die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.


Eine Mauer wird gereinigt, Ansicht nach Norden

 

Quelle: Kanton Jura
Bildquelle: Kanton Jura