Zwei Brillenbären-Jungtiere im Zoo Zürich geboren – Genetik besonders wertvoll
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag elterntipps.ch events24.ch Freizeit Magazine nachrichtenticker.ch Natur News Orte Regionen Reisen & Ausflüge Schweiz Schweiz Themen Tiere Tierschutz Tierwelt tierwelt.news tourismus.ch Wildtiere Zoo Zürich Ⳇ Verbreitung
Seit Kurzem durchstreifen zwei junge Brillenbären zusammen mit ihrer Mutter den Sangay Bergnebelwald im Zoo Zürich. Vater der beiden ist das aus den USA stammende Männchen Raymi. Seine Genetik und somit auch sein Nachwuchs sind für die Reservepopulation der bedrohten Bärenart besonders wertvoll.
Neugierig und vorsichtig zugleich erkunden die beiden Jungtiere ihren Lebensraum im Zoo Zürich. Jeder Baum, jeder Stein, jeder Busch – alles ist spannend. Allzu weit von ihrer Mutter entfernen sie sich aber nicht. Erst vor wenigen Tagen hat das Trio die Wurfbox erstmals verlassen.
Bedeutsam für den Arterhalt
Brillenbären (Tremarctos ornatus) kommen blind, fast haarlos und völlig hilflos zur Welt. Bei der Geburt wiegen sie nur knapp 300–500 Gramm und sind nicht viel grösser als ein Meerschweinchen. Ihre Augen öffnen sie erst nach einigen Wochen. Die ersten drei Monate hatte der Nachwuchs daher zusammen mit Mutter Rica gut geschützt und ohne Störungen in der Wurfbox im Hintergrund verbracht. Die Geburt selbst fand Ende Januar statt und verlief problemlos. Für die 9-jährige Rica ist es der erste Nachwuchs.
„Die Geburt und bisher sehr gute Entwicklung der beiden Brillenbären ist erfreulich. Der Vater der beiden Jungtiere kam vor zwei Jahren aus den USA zu uns und bringt eine Genetik mit, die im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm bisher nicht vertreten war. Genetische Vielfalt ist ein wichtiger Faktor für eine stabile Reservepopulation und somit für den Erhalt einer Art“, erklärt Zoodirektor Severin Dressen.
Stark fragmentierter Lebensraum
Brillenbären sind die einzigen Grossbären Südamerikas. Sie bewohnen die Berg- und Nebelwälder der Anden sowie Gras- und Buschlandschaften der Hochanden. Ihr Lebensraum erstreckt sich von Venezuela bis nach Bolivien. Brillenbären sind exzellente Kletterer und perfekt an das Leben in Bäumen angepasst. Sie haben kräftige Vorderbeine und grosse, gebogene Krallen – das bietet idealen Halt. Von Vorteil ist auch ihr eher geringes Körpergewicht im Vergleich zu anderen Grossbärenarten.
Brillenbären gelten als bedroht. Die Art ist auf intakte und grossräumige Waldflächen angewiesen, diese nehmen jedoch ab. Grossflächige Rodungen für Vieh- und Landwirtschaft sowie den Strassen- und Siedlungsbau sind die grössten Bedrohungen. Dadurch werden Waldstücke unterteilt und Populationen voneinander isoliert. Genetischer Austausch nimmt ab, Nahrungssuche wird erschwert und der Kontakt zum Menschen führt zu Konflikten.
Auch die Nutzung von Teilen der Tiere für die traditionelle Medizin ist ein Problem sowie der Handel – vor allem mit Jungtieren – für den illegalen Heimtiermarkt. Weil Brillenbären eine eher geringe Reproduktionsrate haben – meist nur ein bis zwei Jungtiere in mehreren Jahren – kann die Art die Verluste kaum ausgleichen. Der noch existierende Bestand wird daher auf weniger als 25’000 Tiere geschätzt.
Lange Aufzuchtzeit
Anfang Mai wurden die beiden Jungtiere erstmals untersucht, gechippt und das Geschlecht bestimmt. Es handelt sich um zwei Männchen. In den kommenden zwei Jahren werden die beiden nun alles für einen Brillenbären Wichtige von ihrer Mutter lernen – vom sicheren Erklimmen eines Baumes bis hin zur Futtersuche. Ihren Lebensraum im Zoo teilen sie sich mit den Weissrüssel-Nasenbären (Nasua narica). Auch diese gilt es noch kennenzulernen. Wie in fast all seinen Lebensräumen setzt der Zoo Zürich auch im Sangay Bergnebelwald auf eine für die Tiere bereichernde Gemeinschaftshaltung.
Quelle: Zoo Zürich
Bildquellen: Titelbild: Zoo Zürich, Tim Benz; sonstige Fotos: siehe Bildlegenden