Weltklasse Zürich beobachtet Ultimate Championship mit Argusaugen

Weltklasse Zürich bekommt am Ende der Leichtathletik-Saison neue internationale Konkurrenz. Einen Tag vor der Premiere der mit zehn Millionen Dollar dotierten Ultimate Championship in Budapest verfolgt Co-Meetingdirektor Andreas Hediger das neue Format genau. Als Bedrohung für den Zürcher Traditionsanlass sieht er den neuen Grossanlass jedoch nicht.

Von Freitag bis Sonntag treffen in Budapest 381 Athletinnen und Athleten aus 65 Verbänden aufeinander. World Athletics versammelt dabei Olympiasieger, Weltmeister, Diamond-League-Sieger und weitere Spitzenkräfte zu einem kompakten Saisonfinale mit 28 Disziplinen.

Für Weltklasse Zürich ist die Entwicklung besonders interessant. Der Schweizer Leichtathletik-Klassiker gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Meetings der Welt und wird 2027, 2028 und 2029 erneut den Final der Diamond League austragen.

Hediger sieht keine Bedrohung für Zürich

Im Interview mit «Blick» wird Andreas Hediger direkt mit der Frage konfrontiert, ob die neue Ultimate Championship den Status von Weltklasse Zürich schwächen könnte.

Seine Antwort fällt deutlich aus. Der Co-Meetingdirektor sieht keine grundsätzliche Gefahr für den Zürcher Anlass. Neue und innovative Konzepte würden vielmehr zur eigenen Philosophie passen.

«Wir schauen da mit Argusaugen hin», sagt Hediger über das neue Format. Dahinter stehe jedoch nicht Angst vor einem Konkurrenten, sondern Interesse daran, welche Ideen funktionieren und wie sich die internationale Leichtathletik weiterentwickelt.

Dass Weltklasse Zürich künftig nicht mehr automatisch zu den letzten grossen Höhepunkten einer Saison gehört, bewertet Hediger ebenfalls gelassen. In Jahren mit Weltmeisterschaften sei der Diamond-League-Final ohnehin nicht immer der letzte internationale Grossanlass.

Zehn Millionen Dollar Preisgeld in Budapest

Die Dimensionen der neuen Ultimate Championship sind dennoch aussergewöhnlich.

World Athletics stellt für die Premiere in Budapest ein Gesamtpreisgeld von zehn Millionen US-Dollar bereit. Damit handelt es sich um den grössten Preistopf, der bislang bei einer einzelnen Leichtathletik-Veranstaltung ausgeschüttet wurde.

Jeder Sieger eines Einzelwettbewerbs erhält 150’000 Dollar. Selbst die letztplatzierten Teilnehmer der Finals bekommen noch Preisgeld.

Die Veranstaltung umfasst 28 Disziplinen und findet während drei Abend-Sessions statt. Auf langwierige Vorrunden wird weitgehend verzichtet. Auf der Bahn beginnen verschiedene Wettbewerbe direkt mit Halbfinals, während mehrere Lauf- und sämtliche technischen Disziplinen direkt als Final ausgetragen werden.

World Athletics will damit ein schnelleres und kompakteres Format schaffen, das insbesondere auch für das internationale Fernsehpublikum attraktiv sein soll.

Zu den gemeldeten Stars gehört Stabhochsprung-Weltrekordhalter Armand Duplantis. Insgesamt stehen 381 Athletinnen und Athleten aus 65 nationalen Verbänden auf den definitiven Meldelisten.

Weltklasse Zürich bleibt ein zentraler Diamond-League-Standort

Für Zürich ist die Ausgangslage trotz des neuen Wettbewerbs komfortabel. Weltklasse Zürich besitzt innerhalb der Diamond League weiterhin eine herausragende Stellung.

Weltklasse Zürich brachte auch 2026 die internationale Leichtathletik-Elite in die Limmatstadt. Der Anlass im Letzigrund war erneut ausverkauft.

Noch wichtiger für die langfristige Position: Zürich wird 2027, 2028 und 2029 alleiniger Gastgeber des Diamond-League-Finals sein.

Damit werden sämtliche 32 Diamond-League-Entscheidungen in diesen Jahren in Zürich ausgetragen. Besonders 2028 erhält zusätzliche Bedeutung, weil Weltklasse Zürich dann sein 100-jähriges Bestehen feiert.

2027 bleibt Zürich beim bewährten Modell

Trotz der starken Stellung beschäftigen sich die Verantwortlichen mit möglichen Veränderungen ihres eigenen Formats.

Andere Gastgeber des Diamond-League-Finals wie Eugene oder Brüssel tragen beide Wettkampftage im Stadion aus. Zürich setzt dagegen traditionell auf eine Kombination aus Wettkämpfen mitten in der Stadt und dem grossen Stadionabend im Letzigrund.

Hediger bestätigt, dass intern auch über zwei komplette Wettkampftage im Stadion nachgedacht wird. Für 2027 ist eine solche Änderung jedoch nicht vorgesehen.

Der nächste Diamond-League-Final in Zürich soll weiterhin aus einem Tag mit Wettbewerben an einem besonderen Standort in der Stadt und einem Tag im Letzigrund bestehen.

Gleichzeitig prüfen die Organisatoren weitere Möglichkeiten, einzelne Disziplinen an spektakulären Orten in Zürich auszutragen. In der Vergangenheit fanden unter anderem Stabhochsprung-Wettkämpfe im Hauptbahnhof sowie Wettbewerbe auf dem Sechseläutenplatz statt.

Ultimate Championship könnte neue Ideen liefern

Gerade in diesem Bereich dürfte Budapest für die Zürcher Organisatoren interessant sein.

World Athletics experimentiert bei der Ultimate Championship nicht nur mit dem sportlichen Ablauf. Auch die Präsentation wird verändert. Das Innenfeld des National Athletics Centre wird optisch neu inszeniert, Wettkampfflächen sollen gezielt beleuchtet und die TV-Grafiken überarbeitet werden.

Hinzu kommt ein stärkerer Fokus auf Unterhaltung und die Persönlichkeiten der Athletinnen und Athleten.

Für traditionelle Meetings wie Weltklasse Zürich stellt sich deshalb die Frage, welche Elemente sich langfristig auch in der Diamond League durchsetzen könnten.

Hediger macht deutlich, dass Zürich solche Entwicklungen aufmerksam verfolgt. Eine Revolution des eigenen Erfolgsmodells ist aber nicht geplant.

Die Ausgangslage dafür ist günstig: Während die Ultimate Championship ab Freitag ihre Premiere erlebt und erst beweisen muss, ob das Konzept langfristig funktioniert, besitzt Weltklasse Zürich bereits eine über Jahrzehnte gewachsene Marke und sichere Finalrechte für die kommenden Jahre.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert