Biel fordert härtere Strafe für Carr – auch Zivilklage wird geprüft

Der EHC Biel akzeptiert die Strafe gegen Daniel Carr vom HC Ajoie nicht. Die Seeländer haben beim Verbandssportgericht Berufung gegen die fünf Spielsperren eingelegt und verlangen eine Verdoppelung auf zehn Partien. Das bestätigt der Klub am Freitag, 23. Oktober 2026. Gleichzeitig prüft Biel gemeinsam mit seinem verletzten Captain Gaëtan Haas zivilrechtliche Schritte gegen den kanadischen Stürmer.

Auslöser ist der Vorfall vom 16. Oktober beim 5:2-Auswärtssieg des HC Ajoie in Biel. Während einer Auseinandersetzung schlug Carr dem bereits auf dem Eis knienden und helmfreien Haas mit der Faust ins Gesicht. Der Bieler Captain erlitt eine Gehirnerschütterung und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Der Einzelrichter verhängte fünf Spielsperren sowie eine Busse von 7600 Franken inklusive Verfahrenskosten.

Für Biel geht die Sanktion nicht weit genug. Der Verein kritisiert insbesondere, dass die Wehrlosigkeit des Gegenspielers und das erhebliche Verletzungsrisiko bei der Strafzumessung zu wenig berücksichtigt worden seien. Der Fall erhält zusätzliche Bedeutung, weil Haas bereits vor zwei Jahren wegen einer schweren Gehirnerschütterung monatelang ausgefallen war. Nun muss sich das Verbandssportgericht erneut mit dem Faustschlag befassen.

SWISSHOCKEY.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Berufung: EHC Biel zieht den Entscheid gegen Daniel Carr weiter.
Forderung: Zehn statt fünf Spielsperren für den Ajoie-Stürmer.
Bisherige Sanktion: Fünf Sperren und 7600 Franken inklusive Verfahrenskosten.
Gaëtan Haas: Gehirnerschütterung, Ausfall auf unbestimmte Zeit.
Weitere Schritte: Biel und Haas prüfen ein zivilrechtliches Vorgehen.
Was das bedeutet
Das Verbandssportgericht muss nun beurteilen, ob das bisherige Strafmass der Schwere des Vergehens gerecht wird. Der Fall könnte über die beiden Vereine hinaus Bedeutung für die Sanktionierung von Angriffen gegen wehrlose Spieler erhalten.

Biel geht gegen den Einzelrichterentscheid vor

Am Dienstag hatte Einzelrichter Karl Knopf die Sanktion gegen Daniel Carr ausgesprochen.

Der Kanadier wurde für fünf Meisterschaftsspiele gesperrt und mit 7600 Franken inklusive Verfahrenskosten belastet.

Die National League stufte den Faustschlag als Vergehen der Kategorie III ein. Diese Kategorie umfasst besonders schwere Regelverstösse und sieht mindestens fünf Spielsperren vor.

Knopf entschied sich innerhalb dieser Kategorie für das Mindeststrafmass.

In seiner Begründung berücksichtigte er, dass sich Haas und Carr unmittelbar zuvor in einer körperlichen Auseinandersetzung befunden hatten.

Genau diese Strafzumessung stellt der EHC Biel infrage.

Haas kniete bereits ohne Helm auf dem Eis

Die entscheidende Szene ereignete sich in der 46. Minute des Meisterschaftsspiels in der Tissot Arena.

Zwischen beiden Mannschaften war eine grössere Auseinandersetzung entstanden. Carr und Haas lieferten sich dabei einen Faustkampf.

Nachdem der Bieler Captain auf die Knie gefallen war und keinen Helm mehr trug, traf ihn Carr mit einem weiteren Faustschlag am Kopf.

Der Einzelrichter bewertete diesen Schlag als sogenannten Sucker Punch.

Bereits der ursprüngliche Disziplinarentscheid gegen Daniel Carr hatte in der Schweizer Eishockeyszene für Diskussionen gesorgt.

Nun verlangt Biel eine deutlich strengere Bewertung.

Zehn Spielsperren statt fünf

Der EHC Biel fordert, dass Carr insgesamt zehn Meisterschaftsspiele verpasst.

Die Seeländer argumentieren, dass bei einem Schlag gegen einen bereits wehrlosen Gegenspieler der Schutz vor schweren Kopfverletzungen besonders stark gewichtet werden müsse.

In seiner Vereinsmitteilung betont Biel, dass gezielte Angriffe gegen den Kopf eines wehrlosen Gegners im Eishockey keinen Platz hätten.

Die Berufung liegt nun beim Verbandssportgericht, das den bisherigen Entscheid überprüfen muss.

Für den HC Ajoie bedeutet das Verfahren eine zusätzliche Unsicherheit bei der Planung der kommenden Meisterschaftsspiele.

Haas erneut von schwerer Kopfverletzung betroffen

Besonders schwer wiegt die Verletzung für Gaëtan Haas.

Der 34-jährige Center zählt zu den wichtigsten Führungsspielern des EHC Biel. Als Captain übernimmt er sowohl sportlich als auch innerhalb der Mannschaft eine zentrale Rolle.

Bereits 2024 hatte Haas eine schwere Gehirnerschütterung erlitten und musste danach beinahe ein Jahr pausieren.

Die erneute Kopfverletzung macht eine sorgfältige medizinische Betreuung besonders wichtig.

Eine Rückkehr ins Mannschaftstraining oder in den Spielbetrieb richtet sich nach seinem gesundheitlichen Zustand.

Für Biel fällt damit einer der erfahrensten Schweizer Stürmer vorerst aus.

Auch zivilrechtliche Schritte werden geprüft

Die Berufung gegen das sportrechtliche Urteil ist möglicherweise nicht die einzige Konsequenz.

Der EHC Biel prüft gemeinsam mit Haas ausdrücklich ein zivilrechtliches Vorgehen gegen Carr.

Damit könnte die Auseinandersetzung zusätzlich ausserhalb der Verbandsgerichtsbarkeit behandelt werden.

Im Zentrum einer solchen rechtlichen Prüfung könnten die Folgen der Verletzung und eine mögliche persönliche Haftung stehen.

Biel und Haas wollen sich zum laufenden Verfahren vorerst nicht weiter äussern.

Ajoie muss weiterhin auf Carr verzichten

Carr hat von den ursprünglich fünf Spielsperren bereits eine Partie verbüsst.

Die vorsorgliche Sperre betraf das Meisterschaftsspiel gegen den EV Zug vom 17. Oktober.

Weitere Sperren betreffen die Begegnungen gegen Genève-Servette, Ambri-Piotta, Kloten und den SC Bern.

Bleibt es beim bisherigen Strafmass, könnte Carr frühestens am 31. Oktober gegen die SCRJ Lakers zurückkehren.

Bei einer Verschärfung würde sich seine Abwesenheit entsprechend verlängern.

Für den EHC Biel steht unterdessen nicht nur die sportrechtliche Entscheidung im Vordergrund, sondern vor allem die Genesung seines Captains und der Schutz der Spieler auf dem Eis.

AKTUELLER STAND
Fall Carr/Haas – Disziplinarverfahren und Berufung
23. Oktober 2026 | National League | Verbandssportgericht
Verfahrenspunkt Sachverhalt
Beschuldigter Spieler Daniel Carr, HC Ajoie
Betroffener Spieler Gaëtan Haas, EHC Biel
Vorfall 16.10.2026, 46. Spielminute
Begegnung EHC Biel – HC Ajoie 2:5
Vergehen Faustschlag gegen den Kopf
Einstufung Kategorie III
Einzelrichter Karl Knopf
Bisherige Sperre 5 Meisterschaftsspiele
Busse und Kosten CHF 7’600
Forderung EHC Biel 10 Spielsperren insgesamt
Berufungsinstanz Verbandssportgericht
Verletzung Haas Gehirnerschütterung
Ausfalldauer Haas Auf unbestimmte Zeit
Weiteres Vorgehen Prüfung zivilrechtlicher Schritte

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert