Keane attackiert City: "Medaillen in den Müll"

Roy Keane hat nach dem Schuldspruch gegen Manchester City mit ungewöhnlich scharfen Worten reagiert. Der frühere Captain von Manchester United erklärte, City-Spieler sollten ihre gewonnenen Premier-League-Medaillen «in den Müll» werfen. Manchester City bestreitet die Vorwürfe weiterhin und hat angekündigt, gegen den Entscheid der unabhängigen Kommission vorzugehen.

Die Premier League hatte am Dienstag mitgeteilt, dass Manchester City wegen schwerwiegender Verstösse gegen die Finanzregeln über einen Zeitraum von neun Spielzeiten schuldig gesprochen wurde. Nach den Feststellungen der unabhängigen Kommission verwendete der Klub zwischen 2009/10 und 2017/18 unter anderem Scheinverträge, reichte unzutreffende Finanzabschlüsse ein und verschleierte gegenüber Prüfern und Fussballbehörden die tatsächliche finanzielle Situation.

Keane geht in seiner Bewertung noch einen Schritt weiter. Der 55-Jährige argumentiert, dass die sportlichen Erfolge aus dieser Zeit nun zwangsläufig unter einem Schatten stehen. Gleichzeitig gibt es Widerspruch: Andere ehemalige Profis betonen, dass die Spieler selbst an den Finanzkonstruktionen nicht beteiligt gewesen seien und deshalb nicht persönlich für die Verstösse der Klubführung verantwortlich gemacht werden könnten.

Keane spricht von Betrug

Bei seiner Reaktion auf das Urteil liess der frühere Manchester-United-Mittelfeldspieler kaum Raum für Zurückhaltung. Für Keane geht es nicht lediglich um komplizierte Buchhaltung oder einen technischen Verstoss gegen Finanzvorschriften.

Er bewertet die von der Kommission festgestellten Vorgänge als klare Täuschung und stellt damit auch die sportliche Bedeutung der damaligen Titel infrage. Seine Forderung an die Spieler, ihre Medaillen wegzuwerfen, ist bewusst drastisch formuliert.

Gerade für Keane besitzt die Angelegenheit auch eine besondere sportliche Dimension. Manchester United verlor beispielsweise die Premier-League-Meisterschaft 2011/12 erst in den letzten Sekunden des letzten Spieltags an den Stadtrivalen.

Spieler persönlich verantwortlich?

Genau bei diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander. Ally McCoist widersprach der Vorstellung, dass die damaligen Spieler ihre Medaillen zurückweisen sollten.

Seine Argumentation: Die Profis hätten auf dem Platz ihre Spiele bestritten, trainiert und Titel gewonnen, ohne selbst an den Finanzvereinbarungen des Vereins beteiligt gewesen zu sein. Auch die Frage, ob Titel nachträglich aberkannt werden könnten, ist derzeit nicht entschieden.

Manchester City wurde zwar von der unabhängigen Kommission schuldig gesprochen, das Verfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Welche Sanktionen verhängt werden, soll in einem weiteren Schritt entschieden werden.

Mehr als 900 Millionen Pfund im Zentrum des Falls

Die Dimension der Feststellungen ist aussergewöhnlich. Laut Premier League kam die Kommission zum Schluss, dass City durch verschiedene Konstruktionen Einnahmen künstlich erhöhte und Kosten reduzierte. Der finanzielle Effekt soll sich über den untersuchten Zeitraum auf mehr als 900 Millionen Pfund belaufen haben.

Darüber hinaus wurden mehrere Verstösse gegen die Pflicht zur Zusammenarbeit mit der Premier League festgestellt.

Manchester City weist die Vorwürfe weiterhin zurück. Geschäftsführer Ferran Soriano bezeichnete die zentrale Anschuldigung als falsch und kündigte an, dass der Klub Rechtsmittel einlegen werde.

Noch wenige Tage vor dem Urteil hatten wir die sportliche Stärke von Manchester City und die gleichzeitig offene juristische Situation beleuchtet. Inzwischen hat sich diese Ausgangslage fundamental verändert.

Debatte um Citys Titel dürfte weitergehen

Keanes Aussagen treffen damit einen Punkt, der den englischen Fussball noch länger beschäftigen dürfte: Wie sind sportliche Erfolge zu bewerten, wenn später schwerwiegende Verstösse gegen Finanzregeln festgestellt werden?

Die unabhängige Kommission hat über die Schuldfrage entschieden, nicht aber über die endgültige Sanktion. Manchester City will den Entscheid zudem anfechten.

Deshalb bleibt offen, ob mögliche Konsequenzen ausschliesslich die Gegenwart betreffen oder auch frühere Titel und Erfolge berühren könnten. Bis zum Abschluss der Rechtsmittel bleibt diese Frage unbeantwortet.

⚽ DER CITY-FALL IM ÜBERBLICK

  • Die unabhängige Kommission stellte schwere Verstösse zwischen 2009/10 und 2017/18 fest.
  • Nach Angaben der Premier League wurden Einnahmen künstlich erhöht und Kosten reduziert.
  • Manchester City bestreitet die Vorwürfe und will gegen den Entscheid vorgehen.
  • Die konkrete Sanktion wurde noch nicht bekanntgegeben.
📊PREMIER LEAGUE 2026/27 – SPITZE NACH 5 SPIELTAGEN
Letzter offiziell veröffentlichter Tabellenstand der Premier League.
# Team Sp. S U N Diff. Pkt.
1. Manchester City 5 5 0 0 +8 15
2. Arsenal 5 4 0 1 +4 12
3. Brighton 5 3 1 1 +11 10
4. Brentford 5 2 3 0 +6 9

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert