Saisonvorschau 13/14: Kloten setzt auf Berra und einen neuen Offensivkern
von belmedia Redaktion Allgemein Eishockey Magazine nachrichtenticker.ch National League News Orte Regionen Schweiz Schweiz Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch swisshockey.ch Themen Transfers Vereine Zürich Ⳇ Verbreitung
Der EHC Kloten geht mit einem neuen Trainer, einem neuen Spitzengoalie und deutlich veränderter Offensive in die Saison 2026/27. Reto Berra, Arttu Ruotsalainen, Raphael Prassl, Michael Hügli und Simon Johansson erhöhen die Qualität, sechs Siege aus sieben Testspielen machen zusätzlich Hoffnung. Trotzdem wiegt der lange Ausfall von Brandon Gignac schwer – unsere Prognose lautet Rang 13.
Die vergangene Saison endete für Kloten auf Rang 12. Nach 52 Spielen standen 63 Punkte und ein Torverhältnis von 117:143 zu Buche. Nur Ajoie erzielte weniger Treffer. Vier Punkte trennten die Flughafenstädter vom zehnten Platz und damit von den Play-Ins. Besonders Dario Meyer stemmte sich gegen das frühe Saisonende: Mit 15 Toren und 13 Assists war er der beste Skorer der Mannschaft.
Im Sommer setzte Sportchef Ricardo Schödler an mehreren entscheidenden Stellen an. Michael Liniger löste Lauri Marjamäki als Headcoach ab, Berra kam aus Fribourg ins Tor und mit Ruotsalainen kehrte ein bereits bestens bekannter Offensivspieler zurück. Dazu verstärken Johansson, Prassl und Hügli das Team. Einen erheblichen Rückschlag gab es allerdings schon vor dem Start: Gignac fällt wegen einer Ellbogenverletzung voraussichtlich rund zwölf Wochen aus.
Liniger kehrt als Headcoach nach Kloten zurück
Michael Liniger kennt den Klub wie kaum ein anderer. Der 46-Jährige spielte während neun Saisons für Kloten und gehörte damals auch zum Captainteam. Nun kehrt er als Cheftrainer zurück und hat einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben.
Liniger übernimmt von Lauri Marjamäki, der nach zwei Spielzeiten in Kloten zum EV Zug wechselte. Unterstützt wird der neue Headcoach von Juhamatti Yli-Junnila und Marcel Jenni. Markus Korhonen ist für die Torhüter und den Videobereich zuständig.
Die Aufgabe ist klar: Kloten soll wieder näher an die Play-In-Plätze heranrücken und offensiv gefährlicher werden. Gerade die geringe Torproduktion war in der vergangenen Saison eines der grössten Probleme.
Berra gibt Kloten einen erfahrenen Rückhalt
Der prominenteste Schweizer Neuzugang steht im Tor. Reto Berra wechselte nach dem Meistertitel mit Fribourg-Gottéron nach Kloten und unterschrieb für zwei Jahre.
Der langjährige Nationaltorhüter bringt NHL-Erfahrung, zahlreiche Weltmeisterschaften und eine enorme Zahl an Partien auf höchstem Niveau mit. Für eine Mannschaft, die voraussichtlich erneut viele enge Spiele bestreiten wird, kann ein starker Schweizer Goalie einen grossen Unterschied machen.
Neben Berra stehen Davide Fadani und Santo Simmchen zur Verfügung. Damit beansprucht Kloten auch weiterhin keinen Importplatz im Tor und kann sämtliche Ausländerpositionen bei den Feldspielern einsetzen.
Ruotsalainen ist zurück
Besonders interessant ist die Rückkehr von Arttu Ruotsalainen. Der Finne spielte bereits 2022/23 in Kloten und sammelte damals in 55 Spielen 43 Punkte. Nach seiner Zeit bei Frölunda kehrt er nun mit einem Zweijahresvertrag zurück.
Ruotsalainen kann sowohl Center als auch Flügel spielen und bringt genau jene Kombination aus Tempo, Abschluss und Spielintelligenz mit, die Kloten in der vergangenen Saison zu selten besass.
Mit Pontus Åberg, Petteri Puhakka und Max Lindroth stehen weitere etablierte Imports im Kader. Neu dazu kommt Simon Johansson. Der schwedische Verteidiger überzeugte in Finnland mit aussergewöhnlicher offensiver Produktion und soll insbesondere im Powerplay sowie beim Spielaufbau helfen.
Damit verfügt Liniger über mehrere ausländische Spieler, die selbst offensiv Verantwortung übernehmen können.
Prassl und Hügli verstärken den Schweizer Sturm
Auch der Schweizer Teil des Kaders wurde aufgewertet. Raphael Prassl wechselte mit einem Dreijahresvertrag nach Kloten. Der Center bringt Erfahrung vom ZSC, Davos und Lausanne mit und soll der Mittelachse zusätzliche Stabilität geben.
Michael Hügli kam ebenfalls aus Lausanne. Der 30-Jährige kann verschiedene Rollen übernehmen, besitzt einen guten Schuss und bringt mehr offensive Erfahrung in die Schweizer Linien.
Besonders wichtig bleibt Dario Meyer. Der beste Klotener Skorer der vergangenen Saison wurde im August langfristig bis 2032 gebunden. In der Generalprobe gegen Lugano führte er die Mannschaft bereits als Captain aufs Eis.
Auch Keanu Derungs, Mischa Ramel, Reto Schäppi, Joel Henry sowie die jungen Kimi Körbler, Cyril Keller, Simon Meier und Keijo Weibel geben Liniger verschiedene Möglichkeiten.
Gignacs Verletzung trifft Kloten hart
Die grösste Hypothek zum Saisonstart ist Brandon Gignac. Der Kanadier konnte nach einer Unterkörperverletzung gerade erst wieder ins Eistraining einsteigen, als er sich am Ellbogen verletzte. Der Klub beziffert die Ausfallzeit auf ungefähr zwölf Wochen.
Bereits vor der definitiven Diagnose war Gignacs Gesundheitszustand ein zentrales Thema. Nun steht fest, dass Liniger lange ohne einen seiner gefährlichsten Stürmer planen muss.
Das schmerzt besonders, weil Gignac bereits in der vergangenen Saison verletzungsbedingt nur 26 Partien absolvierte und trotzdem 20 Skorerpunkte sammelte. Ein fitter Gignac hätte dem neuen Offensivkern nochmals eine andere Dimension gegeben.
Sechs Siege aus sieben Testspielen
Die Vorbereitung verlief trotzdem ausgesprochen positiv. Zum Auftakt bezwang Kloten den HC Thurgau 3:2. Danach folgte ein deutliches 7:1 gegen die Rapperswil-Jona Lakers.
Beim 1:0 in Langnau blieb Kloten ohne Gegentor, die Pioneers Vorarlberg wurden 5:4 geschlagen. Auch beim DEL-Klub Augsburg gewann die Mannschaft mit 5:4 nach Verlängerung.
Den einzigen deutlichen Rückschlag gab es beim 1:5 in Ambri. Die Antwort folgte in der Generalprobe: Kloten bezwang den HC Lugano mit 2:1 nach Verlängerung.
Damit stehen sechs Siege aus sieben Vorbereitungsspielen und ein Torverhältnis von 24:17. Für ein Team, das in der vergangenen Qualifikation grosse Probleme beim Toreschiessen hatte, ist das zumindest ein positives Signal.
Warum wir Kloten trotzdem auf Rang 13 setzen
Unsere Prognose ist bewusst vorsichtig. Kloten ist auf mehreren Positionen stärker geworden. Berra kann Spiele gewinnen, Ruotsalainen kennt die Liga und Johansson bringt zusätzliche Gefahr von der blauen Linie. Auch Prassl und Hügli erhöhen die Qualität der Schweizer Fraktion.
Gegen eine höhere Einstufung spricht vor allem die enorme Dichte der Liga. Ambri, Langnau und Biel haben ebenfalls aufgerüstet, während Kloten aus einer Saison mit lediglich 117 Toren kommt. Der lange Ausfall von Gignac nimmt der Offensive zudem schon vor dem ersten Spiel eine wichtige Waffe.
Rang 13 bedeutet deshalb nicht, dass wir einen klaren Rückschritt erwarten. Im Gegenteil: Zwischen Platz 9 und Platz 13 können wenige Punkte liegen. Wenn Berra auf hohem Niveau hält, Ruotsalainen sofort produziert und die positive Testspielform anhält, ist auch ein Play-In-Platz realistisch.
Der erste Gradmesser wartet am Dienstag, 15. September, auswärts bei den Rapperswil-Jona Lakers. Am Freitag folgt gegen Lugano das erste Heimspiel in der SWISS Arena, einen Tag später geht es bereits weiter in Ajoie.
- Pluspunkt: Mit Reto Berra besitzt Kloten einen sehr erfahrenen Schweizer Torhüter und kann sämtliche Importplätze bei den Feldspielern einsetzen.
- Trumpf: Arttu Ruotsalainen kennt Kloten bereits und soll der zuletzt zu harmlosen Offensive deutlich mehr Durchschlagskraft geben.
- Chance: Sechs Siege aus sieben Testspielen zeigen, dass Linigers Mannschaft die neue Saison mit Selbstvertrauen beginnen kann.
- Risiko: Brandon Gignac fällt rund zwölf Wochen aus und fehlt damit während eines grossen Teils der ersten Saisonphase.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert