Lawinengefahr: Wann es in den Bergen besonders gefährlich wird
von belmedia Redaktion Allgemein familie.ch lawine.ch Lawinen Magazine nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse News Orte Schweiz sicherheit.ch Themen Unwetter wetter24.ch Wettereinsätze Ⳇ Verbreitung
Ein sonniger Wintertag, frisch verschneite Berghänge und beste Sicht: Was nach idealen Bedingungen aussieht, kann lebensgefährlich sein. Lawinen entstehen nicht nur während heftiger Schneefälle. Auch Wind, verborgene Schwachschichten und rasch steigende Temperaturen können die Schneedecke destabilisieren. Besonders gefährlich wird es, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen.
Die Lawinengefahr verändert sich im Laufe des Winters und teilweise sogar innerhalb weniger Stunden. Während frischer Schnee und starker Wind häufig trockene Schneebrettlawinen begünstigen, können intensive Sonneneinstrahlung und Regen die Gefahr von Nassschneelawinen erhöhen. Entscheidend ist immer, wie stabil die verschiedenen Schneeschichten miteinander verbunden sind.
In den Schweizer Alpen treten diese Gefahren in unterschiedlichen Formen auf. Besonders in inneralpinen Regionen des Wallis und Graubündens können schwache Altschneeschichten über längere Zeit problematisch bleiben. Aber auch im Berner Oberland, in der Zentralschweiz und am Alpennordhang entstehen gefährliche Situationen. Wer abseits gesicherter Pisten unterwegs ist, muss deshalb neben dem Wetter auch die Schneedecke und das Gelände beurteilen.
Nach starkem Schneefall steigt das Risiko
Grosse Neuschneemengen gehören zu den bekanntesten Auslösern gefährlicher Lawinensituationen.
Fällt innerhalb kurzer Zeit viel Schnee, erhöht sich das Gewicht auf der vorhandenen Schneedecke. Schwache Schichten können dadurch versagen.
Besonders kritisch wird es, wenn der Neuschnee schlecht mit der alten Schneeoberfläche verbunden ist. Dann kann sich ein ganzes Schneebrett lösen.
Wie schnell sich die Gefahr entwickelt, hängt von der Schneemenge, Temperatur, Windstärke und Beschaffenheit der älteren Schneeschichten ab.
Wind kann gefährlicher sein als Schneefall
In der Lawinenkunde gilt der Wind als Baumeister der Lawinen.
Er transportiert lockeren Schnee über Grate und Geländekanten und lagert ihn auf windgeschützten Hängen wieder ab.
Dabei entstehen Triebschneeansammlungen, die deutlich mächtiger sein können als die ursprüngliche Schneedecke.
Besonders gefährdet sind Rinnen, Mulden und Hänge unmittelbar hinter Bergkämmen.
Diese Gefahr kann sogar bei strahlendem Sonnenschein entstehen. Voraussetzung ist lediglich, dass genügend lockerer Schnee vorhanden ist, den der Wind transportieren kann.
Altschnee: Die unsichtbare Gefahr unter der Oberfläche
Besonders tückisch sind schwache Schichten tief innerhalb der Schneedecke.
Sie können entstehen, wenn sich Schneekristalle während längerer Kälteperioden ungünstig verändern.
Fällt später neuer Schnee darauf, kann die darüberliegende Schneeschicht wie ein zusammenhängendes Brett brechen.
Das Gefährliche: Ein solcher Bruch kann sich über grössere Entfernungen ausbreiten. Lawinen lassen sich unter bestimmten Bedingungen sogar aus flacherem Gelände fernauslösen.
Ein Altschneeproblem kann über Wochen oder Monate bestehen bleiben. Deshalb bedeutet eine längere Schönwetterperiode keineswegs automatisch Entwarnung.
Warum warme Nachmittage gefährlich werden
Mit steigenden Temperaturen verändert sich auch die Festigkeit der Schneedecke.
Besonders im Frühling kann die Oberfläche nach einer kalten Nacht zunächst stabil sein. Durch intensive Sonneneinstrahlung wird sie im Tagesverlauf zunehmend feucht.
Wasser kann in die Schneedecke eindringen und die Stabilität einzelner Schichten reduzieren.
Damit steigt die Gefahr von Nassschneelawinen. Besonders kritisch können rasche Erwärmung, Regen auf Schnee und die erstmalige starke Durchfeuchtung sein.
Ein früher Tourenstart kann bei typischen Frühlingsverhältnissen vorteilhaft sein, ersetzt aber niemals die Beurteilung des aktuellen Lawinenproblems.
Wummgeräusche und Risse sind ernste Warnzeichen
Manchmal kündigt die Schneedecke ihre Instabilität deutlich an.
Wummgeräusche entstehen, wenn eine schwache Schneeschicht unter Belastung zusammenbricht.
Auch Risse, die beim Betreten oder Befahren eines Hanges entstehen, sind deutliche Alarmzeichen.
Frische Lawinenabgänge in vergleichbaren Hängen weisen ebenfalls auf eine kritische Situation hin.
Wie bei den Warnzeichen einer instabilen Schneedecke und den Gefahren für Wintersportler deutlich wird, können schon einzelne Personen Schneebrettlawinen auslösen.
Allerdings ist auch das Fehlen solcher Warnzeichen kein Beweis für Sicherheit. Besonders bei Altschneeproblemen bleiben gefährliche Stellen häufig schwer erkennbar.
Die Gefahrenstufe 3 wird häufig unterschätzt
Die europäische Lawinengefahrenskala reicht von Stufe 1 bis Stufe 5.
Viele Wintersportler verbinden vor allem die Stufen 4 und 5 mit einer besonders grossen Bedrohung.
Für Personen abseits gesicherter Pisten ist jedoch gerade Stufe 3 kritisch.
Laut dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF ereignet sich rund die Hälfte aller tödlichen Lawinenunfälle bei dieser Gefahrenstufe.
Auch bei Stufe 2 können Menschen Lawinen auslösen.
Deshalb müssen Skitourengänger, Freerider und Schneeschuhwanderer immer beachten, welche Hangrichtungen, Höhenlagen und Geländeformen im Lawinenbulletin besonders betroffen sind.
Vor jeder Tour die Verhältnisse prüfen
Eine seriöse Tourenplanung beginnt mit dem aktuellen Lawinenbulletin des SLF.
Dabei genügt es nicht, nur die Gefahrenstufe anzusehen. Ebenso wichtig sind das vorherrschende Lawinenproblem, die betroffenen Höhenlagen und die Expositionen.
Unterwegs müssen Wetter, Schnee und Gelände laufend neu beurteilt werden.
Zur persönlichen Notfallausrüstung gehören Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Schaufel und Sonde. Alle Gruppenmitglieder müssen die Geräte bedienen können.
Bei deutlichen Alarmzeichen, ungünstigen Verhältnissen oder Unsicherheit ist es richtig, die Route anzupassen oder auf eine Tour zu verzichten.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert