Women’s League startet nach Ambri-Rückzug nur mit sieben Teams

Die PostFinance Women’s League startet mit einer ungewöhnlichen Ausgangslage in die Saison 2026/27. Nach dem kurzfristigen Rückzug des Frauenteams des HC Ambrì-Piotta umfasst die höchste Schweizer Frauen-Eishockeyliga nur noch sieben Mannschaften. Der Spielplan musste angepasst werden, zudem gibt es in dieser Saison weder Playouts noch einen Absteiger.

Der Rückzug der Tessiner hat unmittelbare Auswirkungen auf den gesamten Wettbewerb. Statt der ursprünglich vorgesehenen 28 Qualifikationsspiele bestreitet jedes Team nur noch 24 Partien in der Regular Season. Titelverteidiger und Doublegewinner EV Zug geht erneut als Favorit in die Meisterschaft.

Neu dabei ist Lausanne HC Féminin. Die Waadtländerinnen steigen erstmals in der höchsten Schweizer Liga an und haben ihren Kader mit mehreren prominenten Spielerinnen verstärkt. Damit stehen Zug, Bern, Davos, Fribourg-Gottéron, Neuchâtel, die ZSC Lions und Lausanne in dieser Saison im Einsatz.

Ambri findet nicht genügend Spielerinnen

Der HC Ambrì-Piotta hatte seinen Rückzug Ende Juli bekannt gegeben. Der Club erklärte, trotz intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen, eine ausreichende Anzahl Spielerinnen für einen konkurrenzfähigen und nachhaltigen Kader zu verpflichten.

Als einen wesentlichen Grund nannte Ambrì den begrenzten nationalen Spielerinnenmarkt und den zunehmenden Wettbewerb zwischen den Clubs. Unter diesen Voraussetzungen wollte der Verein nach eigenen Angaben nicht mit einem zu kleinen oder sportlich nicht ausreichend abgestützten Kader in die Saison gehen.

Der Entscheid ist besonders einschneidend, weil Ambrì in der vergangenen Saison noch den Playoff-Halbfinal erreicht hatte. Der Club betonte gleichzeitig, dass das Frauenprojekt nicht beendet werden soll. Geprüft wird ein Neuaufbau mit einer möglichen Rückkehr in die Nationalliga B ab der Saison 2027/28.

Für die Women’s League bedeutet der Rückzug dennoch einen Rückschlag. Eine höchste nationale Liga mit lediglich sieben Mannschaften unterstreicht, wie begrenzt die personellen Ressourcen im Schweizer Frauen-Eishockey weiterhin sind.

Neuer Modus ohne Playout

Swiss Ice Hockey musste nach dem Rückzug sämtliche bereits angesetzten Partien von Ambrì aus dem Spielplan streichen. Dadurch reduziert sich die Qualifikation für jedes verbleibende Team auf 24 Spiele.

Die beiden bestplatzierten Mannschaften der Regular Season qualifizieren sich direkt für die Playoff-Halbfinals. Die Teams auf den Rängen drei bis sechs bestreiten am 27. und 28. Februar 2027 Play-Ins mit Hin- und Rückspiel. Entscheidend ist dabei das Gesamtergebnis der beiden Partien.

Für das siebtplatzierte Team ist die Saison nach der Qualifikation beendet. Playouts werden nicht ausgetragen und entsprechend gibt es in der Saison 2026/27 keinen sportlichen Absteiger.

Der Meistertitel wird anschliessend über die Playoffs vergeben. Titelverteidiger EV Zug geht dabei erneut als Massstab in die Saison. Die Zentralschweizerinnen gewannen 2025/26 sowohl die Meisterschaft als auch den Cup und etablierten sich nur wenige Jahre nach dem Aufbau ihres Frauenteams an der nationalen Spitze.

Lausanne will als Aufsteiger angreifen

Für neuen Schwung soll Lausanne sorgen. Der Aufsteiger hat seinen Kader vor der Premiere in der Women’s League gezielt verstärkt. Unter anderem wechselten die früheren Berner Leistungsträgerinnen Maija Otamo und Clara Rozier in die Westschweiz.

Besonders prominent ist die Verpflichtung von Maya Labad. Die kanadisch-schweizerische Stürmerin kommt von Montréal Victoire aus der nordamerikanischen PWHL und bringt zusätzliche internationale Qualität in das Team.

Zum Auftakt wird an diesem Wochenende eine Doppelrunde ausgetragen. Lausanne steigt am Sonntag auswärts beim SC Bern in die neue Liga ein. Meister EV Zug startet in Neuchâtel und trifft einen Tag später auf die HC Davos Ladies.

Die neue Saison beginnt damit sportlich mit mehreren interessanten Duellen, gleichzeitig bleibt die strukturelle Situation ein zentrales Thema. Auch auf Ebene der Nationalmannschaft befindet sich das Schweizer Frauen-Eishockey in Bewegung: Justin Krueger verstärkt neu den Trainerstab der Schweizer Frauen-Nati.

Ob die Women’s League mittelfristig wieder auf acht oder mehr stabile Teams wachsen kann, gehört zu den wichtigen Fragen der kommenden Monate. Sportlich bietet die Saison trotz des reduzierten Teilnehmerfelds genügend Spannung – strukturell zeigt der Fall Ambrì aber deutlich, dass die Entwicklung des Frauen-Eishockeys weiterhin mit grossen Herausforderungen verbunden ist.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert