Denkmalpflege und Tourismus: Chancen für regionale Wertschöpfung

Baudenkmäler, Ortsbilder und Kulturerbe sind nicht nur historisch bedeutsam – sie bieten touristische Potenziale, schaffen Einkommen und stärken Gemeinschaften.

Wenn Denkmalpflege und Tourismus sinnvoll verbunden werden, entstehen nachhaltige Impulse für Regionen mit starkem kulturellem Profil.

Das Zusammenspiel von Denkmalpflege und Tourismus in der Schweiz



In vielen Schweizer Regionen sind leerstehende oder sanierungsbedürftige Baudenkmäler vorhanden, die bisher wenig genutzt werden. Denkmalpflege gibt ihnen mit gezielten Restaurierungen und angepasster Nutzung neues Leben – Tourismus liefert die Nachfrage. Ein Beispiel ist die Stiftung Ferien im Baudenkmal, die historische Gebäude in Ferienhäuser umwandelt, wodurch Kultur und Natur erlebbar werden und Regionen wirtschaftlich profitieren.

Ein offizielles Inputpapier „Baukultur – Landschaft – Tourismus“ des Bundes zeigt, dass baukulturelle Werte und landschaftliche Qualitäten in Gebieten mit besonderem kulturellen Charakter einen hohen Hebel für Wertschöpfung haben – wenn Planung und Schutz richtig integriert sind.

Konkrete Chancen für regionale Entwicklung

  • Touristische Diversifizierung: Historische Bauten als Ferienobjekte, Museen oder Veranstaltungsorte erweitern das Angebot über typische Aktivitäten hinaus.
  • Beschäftigung und lokale Ökonomie: Restaurierung, Betreuung, Gastronomie, Handwerk liefern Arbeitsplätze. Betriebe wie Unterkunft, Gastronomie oder Souvenirhandel profitieren von Besucherströmen.
  • Anstieg der Logiernächte und Übernachtungskapazität: Orte mit attraktiven Baudenkmälern gewinnen Gäste – besonders jene, die kulturtouristische Erfahrungen suchen oder Wert auf Authentizität legen.
  • Förderung lokaler Identität und Image: Denkmalschutz stärkt Ortsbild und kulturelle Identität. Ein attraktives Ortsbild wirkt als Marke, zieht Gäste und sogar neue Einwohnerinnen und Einwohner an.
  • Infrastruktur und Gemeinwohl: Touristische Nutzung historischer Objekte kann zur Revitalisierung ganzer Ortskerne führen, zur Verbesserung der lokalen Infrastruktur und zur Aufwertung öffentlicher Räume.


Beispiele aus der Schweiz

  • Die Stiftung Ferien im Baudenkmal hat in entlegenen Dörfern verfallene historische Häuser saniert und als Ferienhäuser nutzbar gemacht. Dies führte zu zusätzlichen Logiernächten, Einkünften für lokale Anbieter und Bewahrung baulicher Substanz.
  • In Valendas wurde mit dem Kauf und der Renovierung von Türalihus ein Impuls für die Dorfgemeinschaft gesetzt: ein historisches Bürgerhaus wurde saniert, Ferienwohnungen geschaffen – das Ortsbild wurde gestärkt, regionale Wertschöpfung angestossen.

    Herausforderungen bei der Verbindung von Denkmalpflege und Tourismus

    • Erhaltung vs. Nutzung: Umbauten dürfen Denkmalwerte wie Fassade, Struktur oder Atmosphäre nicht zerstören. Genehmigungen und denkmalpflegerische Auflagen sind oft komplex.
    • Saisonale Schwankungen: In manchen Regionen besteht touristische Nachfrage vor allem in bestimmten Jahreszeiten, was zu Auslastungsspitzen und Leerzeiten führen kann.
    • Kosten & Finanzierung: Restaurierung historischer Objekte ist häufig kostspielig – Fördermittel, steuerliche Anreize und öffentlich-private Partnerschaften sind nötig.
    • Nachhaltigkeit & Kapazität: Infrastruktur, Umweltverträglichkeit und Einbindung der lokalen Bevölkerung sind wichtig, damit Tourismus nicht zum Belastungsfaktor wird.
    • Zugänglichkeit & Erreichbarkeit: Viele historische Objekte liegen abgelegen – gute Verkehrsanbindung, Infrastruktur und Service sind nötig, damit Gäste ankommen und bleiben.

    Empfohlene Vorgehensweisen für Regionen und Akteure

    • Frühzeitige Vernetzung: Denkmalpflege, Tourismusorganisationen, Gemeinden und Investierende gemeinsam einbinden, um Wege, Zuständigkeiten und Zielgruppen abzustimmen.
    • Qualitätsorientiertes Angebot entwickeln: Authentizität bewahren, lokal typisches Handwerk und Materialien nutzen, Geschichte erlebbar machen.
    • Fördermittel systematisch nutzen: Bundes- und Kantonsmittel, private Stiftungen und spezielle Programme können Restaurierung und touristische Nutzbarkeit unterstützen.
    • Nachhaltige Tourismusmodelle wählen: Langzeitwirkung vor kurzfristigem Profit, Nutzungskalender, Umweltressourcen und soziale Verträglichkeit beachten.
    • Kulturelles Bewusstsein fördern: Gäste, Einwohnern und Akteuren Geschichte und Bedeutung der Denkmäler nahebringen – durch Führungen, Informationsmaterial und Gastfreundschaft.

    Fazit

    Denkmalpflege und Tourismus können sich gegenseitig stärken: Historische Bauwerke bieten Erlebniswerte, emotionalen Mehrwert und Identität – Tourismus bietet Nachfrage, wirtschaftliche Impulse und regionale Sichtbarkeit. Wo Schutz, Qualität und Kontrolle gewahrt bleiben, entsteht nachhaltige Wertschöpfung, die Regionen vitalisiert und kulturelles Erbe bewahrt.

     

    Quelle: denkmalpflege-schweiz.ch-Redaktion
    Bildquellen: Bild 1: => Symbolbild © Ruslan Harutyunov/shutterstock.com; Bild 2: => Symbolbild © Olha Solodenko/shutterstock.com

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