Falsche Bankangestellte: Drei Männer ermittelt – Schäden in Hunderttausenderhöhe

(Granges-Paccot FR). Betrugsfälle mit „falschen Bankangestellten“ fordern weiterhin Opfer.

Die Täterschaft nimmt inzwischen auch per Nachricht mit ihren Zielpersonen auf. Im September konnte die Kantonspolizei Freiburg drei mutmassliche Täter ermitteln. Sie warnt die Bevölkerung und erinnert an die wichtigsten Verhaltensregeln.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ermittlungen: Drei mutmassliche Täter im September 2026 ermittelt
  • Bulle: 24-jähriger mutmasslicher Kurier beim Wohnort einer 73-Jährigen angehalten
  • Châtel-St-Denis: Zwei weitere mutmassliche Beteiligte im Alter von 18 und 26 Jahren ermittelt
  • Neue Masche: Betrüger kontaktieren ihre Opfer zunehmend per Nachricht oder E-Mail
  • Vier neue Fälle: Mehr als 90’000 Franken Schaden durch abgeholte Bankkarten
  • Meldungen seit Anfang 2026: Rund 750 Betrugsversuche
  • Erfolgreiche Betrugsfälle: 130
  • Gesamtschaden 2026: Knapp 800’000 Franken Bargeld sowie weitere Wertgegenstände
  • Polizeinotruf: 117

Betrüger kontaktieren ihre Opfer zunehmend per Nachricht

Betrugsfälle mit „falschen Polizisten“ oder „falschen Bankangestellten“ treten weiterhin im Kanton Freiburg und in der Westschweiz auf. Um das Vertrauen ihrer Zielpersonen zu gewinnen, passen die Betrüger ihre Vorgehensweise regelmässig an. Während die erste Kontaktaufnahme bisher hauptsächlich telefonisch erfolgte, geschieht dies heute zunehmend auch per Nachricht oder E-Mail. Von diesem Phänomen können Personen jeden Alters betroffen sein.

Mehrere kürzlich im Kanton Freiburg bearbeitete Fälle führten zur Ermittlung von drei Tätern und zeigen die Entwicklung der angewandten Methoden.

Kurier in Bulle auf frischer Tat angehalten

Am 21. September 2026 meldete eine 73-jährige Frau der Kantonspolizei Freiburg, dass sie von einem angeblichen Bankangestellten kontaktiert worden sei. Unter dem Vorwand von Problemen mit ihrem Bankkonto forderte dieser sie auf, ihr gesamtes Guthaben abzuheben. Ein Kurier werde das Geld am folgenden Tag bei ihr zu Hause abholen.

Die Kantonspolizei richtete umgehend ein Dispositiv ein. Dieses führte zur Anhaltung eines 24-jährigen Franzosen, als er beim Wohnort der Geschädigten in Bulle erschien. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Die Ermittlungen dauern an, um seine Beteiligung an weiteren Fällen und mögliche Mittäter zu klären.

Zwei mutmassliche Täter in einem ähnlichen Fall in Châtel-St-Denis ermittelt

Am 23. September 2026 führten die Ermittlungen der Kantonspolizei Freiburg zu einem 18-jährigen Franzosen. Er steht im Verdacht, bei einem im April 2026 in Châtel-St-Denis begangenen Betrugsfall mit einem „falschen Bankangestellten“ als Kurier tätig gewesen zu sein.

Damals informierte ein Anrufer einen 72-jährigen Mann über angeblich betrügerische Zahlungen mit dessen Bankkarten. Anschliessend forderte er ihn auf, die Karten zu zerschneiden, die Chips jedoch unbeschädigt zu lassen. Ein Kurier holte die Karten später ab. Danach wurden damit mehrere tausend Franken an einem Bancomaten bezogen.

Der mutmassliche Kurier und ein 26-jähriger Landsmann wurden im Wallis im Zusammenhang mit ähnlichen Betrugsfällen angehalten und anschliessend in Untersuchungshaft versetzt. Gegenüber den Freiburger Ermittlern räumten beide ihre Beteiligung an mehreren Betrugsfällen ein.

Der 18-Jährige gestand drei Fälle, darunter jenen von Châtel-St-Denis. Der 26-Jährige gab seine Beteiligung an rund zehn Betrugsfällen in mehreren Westschweizer Kantonen zu. Der Schaden beläuft sich auf über CHF 100’000.– Bargeld sowie auf mehrere Zehntausend Franken in Form von Schmuck, Uhren und weiteren Wertgegenständen. Die beiden Männer werden bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Die Ermittlungen ergaben zudem Hinweise auf zwei weitere beteiligte Personen. Diese sollen als Fahrer beziehungsweise Auftraggeber gehandelt haben. Ihre Identität ist bislang unbekannt.

Vier neue Fälle nach erster Kontaktaufnahme per Nachricht

In der vergangenen Woche wurden vier weitere Personen im Alter von 56 bis 89 Jahren Opfer dieser Betrugsmasche. In allen Fällen erhielten die Geschädigten eine Nachricht auf ihr Mobiltelefon, die auf eine angebliche Belastung ihres Bankkontos hinwies. Darin wurden sie aufgefordert, bei Einwänden gegen die Transaktion eine Telefonnummer anzurufen.

Beim Rückruf wurden die Betroffenen mit einem angeblichen Bankberater verbunden. Unter dem Vorwand, ihr Vermögen zu schützen, forderte dieser sie auf, ihre Bankkarte zu zerschneiden, den Chip jedoch intakt zu lassen und alles in einen Umschlag zu legen.

Anschliessend holte eine Person den Umschlag ab. Die Täter verwendeten die Karten danach für unrechtmässige Bargeldbezüge. Der Gesamtschaden beträgt über CHF 90’000.–. Die mutmasslichen Täter wurden noch nicht identifiziert.

In Zahlen: Rund 750 Betrugsversuche und knapp 800’000 Franken Bargeldschaden

Seit Anfang 2026 gingen bei der Kantonspolizei Freiburg rund 750 Meldungen zu Betrugsversuchen mit „falschen Polizisten“ und „falschen Bankangestellten“ ein. In 130 Fällen hatten die Täter Erfolg. Der Gesamtschaden beläuft sich auf knapp CHF 800’000.– Bargeld sowie auf mehrere Zehntausend Franken in Form von Schmuck und weiteren Wertgegenständen.

Die Kantonspolizei Freiburg verfolgt dieses Phänomen weiterhin aufmerksam. Sie erinnert daran, dass jede Beteiligung an solchen Betrugsfällen, auch als Fahrer oder Kurier, strafrechtliche Folgen haben kann.

Schützen Sie sich vor Betrügern:

  • Vertrauen Sie niemals einer Nachricht, in der eine verdächtige Transaktion oder ein Problem mit Ihrem Bankkonto gemeldet wird und Sie aufgefordert werden, eine Telefonnummer zurückzurufen.
  • Kontaktieren Sie im Zweifelsfall Ihre Bank selbst über eine offizielle Telefonnummer.
  • Beenden Sie das Gespräch sofort, wenn Sie am Telefon unter Druck gesetzt werden.
  • Übergeben Sie niemals Bargeld, Bankkarten, PIN-Codes oder Schmuck an unbekannte Personen, auch wenn diese behaupten, im Auftrag der Polizei oder Ihrer Bank zu handeln.
  • Geben Sie niemals Passwörter oder Bankdaten an Dritte weiter.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld über dieses Phänomen und sensibilisieren Sie besonders gefährdete Personen.
  • Wählen Sie bei Zweifeln oder verdächtigen Kontaktaufnahmen die Nummer 117.
  • Weitere Informationen: Schweizerische Kriminalprävention

Polizei.news informiert

Warum eine zerschnittene Bankkarte noch immer gefährlich sein kann

Die Betrüger wenden einen Trick an, der zunächst widersprüchlich klingt: Sie verlangen von ihren Opfern, die Bankkarte zu zerschneiden, den Chip aber ausdrücklich unbeschädigt zu lassen.

Der Grund: Wird lediglich das Plastik rund um den Chip zerstört, kann die elektronische Funktion der Karte erhalten bleiben. Mit den entsprechenden Kartendaten und einer PIN können Kriminelle unter Umständen weiterhin Bargeld beziehen.

Das Entscheidende ist deshalb nicht, ob eine Karte sichtbar beschädigt ist, sondern ob sie von der Bank gesperrt wurde. Wer eine Bankkarte an unbekannte Personen übergeben hat, sollte unverzüglich seine Bank kontaktieren und die Karte sperren lassen.


 

Quelle: Kantonspolizei Freiburg
Bildquelle: Symbolbild © Djordje Krstic/iStock.com