Sicher lagern: Regalsysteme und Betriebssicherheit im Fokus
von belmedia Redaktion Allgemein Betriebseinrichtung betriebseinrichtung.net Büroeinrichtungen News Paletten Regale Schränke Verschiedenes
Regalsysteme sind das Rückgrat moderner Betriebe. Sie strukturieren Materialflüsse, sichern Waren und schützen Mitarbeitende. Doch falsch geplante oder unzureichend gewartete Anlagen bergen hohe Risiken – von Materialschäden bis zu schweren Unfällen.
In der Schweiz gelten klare Vorschriften für den sicheren Betrieb von Regalanlagen. Trotzdem zeigen Kontrollen der Suva, dass rund 40 % der geprüften Systeme Mängel aufweisen. Häufig sind unzureichende Tragfähigkeitskennzeichnungen, fehlende Aufprallschutzsysteme oder überlastete Traversen die Ursache. Sicherheit beginnt bei der Planung – und endet nicht bei der Montage, sondern in der täglichen Nutzung.
Die Grundlagen sicherer Lagerplanung
Ein Regalsystem muss auf den Betrieb abgestimmt sein – nicht umgekehrt. Traglast, Verkehrswege, Brandlasten und Materialarten bestimmen Aufbau und Anordnung. Besonders wichtig ist die statische Bemessung. Jede Komponente – von der Regalstütze bis zum Bodenanker – trägt zur Gesamtsicherheit bei.
Professionelle Lagerplaner berücksichtigen dabei:
- Lastverteilung und Belastungspunkte pro Ebene
- Abstände zu Lauf- und Fluchtwegen
- Belüftung, Beleuchtung und Sichtverhältnisse
- Brandschutz und Zugänglichkeit für Löschsysteme
Eine klare Zonierung nach Gewichtsklassen und Entnahmemengen verhindert Fehlbedienungen und sorgt für effiziente Materialflüsse.
Traglast und Kennzeichnungspflicht
Jedes Regal ist nur so sicher wie seine Belastungsgrenzen. Tragfähigkeitskennzeichnungen sind gesetzlich vorgeschrieben und müssen gut sichtbar angebracht werden. Sie enthalten Angaben zu Maximalgewicht, Fachlast und Feldlast. Wird diese Grenze überschritten, drohen Verformungen, Materialversagen oder Umstürze.
Ein häufiger Fehler besteht darin, unterschiedliche Palettenarten oder ungleichmässig verteilte Lasten einzulagern. Auch Bodenunebenheiten können die Belastungspunkte verändern.
Regelmässige Kontrolle der Verankerungen und Schraubverbindungen ist Pflicht – besonders in Betrieben mit Staplerverkehr.
Staplerverkehr und Anfahrschutz
In vielen Lagern entstehen Schäden durch Kollisionen mit Flurförderzeugen. Ein Anfahrschutz an Regalstützen, Querträgern und Endbereichen ist daher unverzichtbar. Die Suva empfiehlt mindestens 40 Zentimeter Abstand zwischen Fahrweg und Regalstütze.
Flexible Kunststoffpuffer oder Stahlbügel absorbieren Aufprallkräfte und verhindern strukturelle Schäden. Moderne Sensorlösungen erkennen Kollisionen automatisch und melden sie an das Sicherheitsmanagementsystem.
- Anfahrschutz an jedem Regalende montieren
- Farbmarkierungen und Bodenleitsysteme erhöhen Sichtbarkeit
- Regelmässige Fahrerschulungen zur sicheren Bedienung
Regelprüfung und Wartungspflicht
Sicherheit endet nicht mit der Inbetriebnahme. Gemäss EKAS-Richtlinie 6508 müssen Regalsysteme kontinuierlich überwacht werden. Sichtprüfungen durch Mitarbeitende sind wöchentlich, Fachinspektionen jährlich erforderlich. Defekte Bauteile dürfen nicht provisorisch repariert werden – Austausch ist Pflicht.
Häufige Mängel:
- Verbogene Traversen durch Überlastung
- Lockere Bodenanker nach Bodenbewegungen
- Korrosion durch Feuchtigkeit oder chemische Einflüsse
Ein digitales Wartungsmanagementsystem kann Mängel erfassen, dokumentieren und Wartungszyklen automatisiert auslösen.
Ergonomie und Zugänglichkeit
Neben statischer Sicherheit spielt Ergonomie eine wachsende Rolle. Zu hohe oder zu tiefe Lagerzonen erhöhen die körperliche Belastung. Mechanische Hilfsmittel wie Hubtische, Rollbahnen oder Kommissionierlifte verbessern die Handhabung und reduzieren das Verletzungsrisiko.
Lagerbeleuchtung und Bodenmarkierungen fördern Orientierung und Konzentration. In modernen Betrieben werden Regale zunehmend mit Pick-by-Light- oder RFID-Systemen kombiniert – sie führen Mitarbeitende sicher durch den Lagerprozess und minimieren Fehlgriffe.
Brandschutz und Notfallplanung
Regalanlagen beeinflussen das Brandverhalten eines Gebäudes erheblich. Zwischenräume, Fluchtwege und Löschanlagen müssen exakt aufeinander abgestimmt sein.
Brandabschottungen und Sprinklersysteme dürfen nicht durch Regalkonstruktionen blockiert werden. Auch Materialien wie Holz oder Kunststoff benötigen spezielle Brandschutzbeschichtungen.
Regelmässige Evakuierungsübungen und Notfallmarkierungen erhöhen die Sicherheit und gewährleisten, dass im Ernstfall jede Sekunde zählt.
Fazit
Sichere Lagerung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Planung, Wartung und Schulung. Regalsysteme sind technische Anlagen, die regelmässige Aufmerksamkeit verlangen. Wer in Sicherheit investiert, schützt nicht nur Waren, sondern vor allem Menschen – und damit den grössten Wert jedes Unternehmens.
Quelle: betriebseinrichtung.net-Redaktion
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