Schweizer Architekturbüros: Ein Blick auf Herzog & de Meuron und Stilentwicklung
Schweizer Architektur setzt schon lange international Massstäbe. Büros wie Herzog & de Meuron und Valerio Olgiati stehen exemplarisch dafür, wie Räume geschaffen werden, die sowohl kulturprägend als auch innovativ sind – und dabei immer wieder neue Impulse geben.
Dieser Artikel erläutert, was diese Büros besonders macht, mit ausgewählten Projekten und Einblicken in Stil, Philosophie und Wirkung.
Herzog & de Meuron: Vielfalt, Materialität und Grossprojekte
- Gegründet 1978 in Basel von Jacques Herzog und Pierre de Meuron, inzwischen mit über 500 Mitarbeitenden und weiteren Büros weltweit.
- Erhalten 2001 den Pritzker Prize – für die Kombination aus Konzeptstärke, Experimentierfreude und der Fähigkeit, traditionelle Elemente neu zu denken.
- Bekannte Projekte: Tate Modern in London, Elbphilharmonie Hamburg, Nationalstadion („Bird’s Nest“) in Peking. Auch im aktuellen Bau „One Roof“ für Lombard Odier in Bellevue wird Offenheit, Materialexperiment und Zusammenarbeit betont.
- Stilistische Kennzeichen: sorgfältige Materialwahl, Übergänge zwischen Innen‑ und Aussenraum, Balance zwischen monumentaler Form und Kontextbezug. Projekte zeigen oft ein starkes Bewusstsein für Licht, Topografie und städtebauliche Wirkung.
Valerio Olgiati: Radikal reduziert, poetisch stark
- Valerio Olgiati aus Flims ist bekannt für seine konsequente, minimalistische Architektursprache. Weniger Ornamente, stattdessen klare Volumen und überraschende Raumwirkungen.
- Studium an der ETH Zürich, später mit Aufenthalten im Ausland, eigene Praxis in Flims seit 2008 gemeinsam mit seiner Frau.
- Ausgewählte Projekte: „The Yellow House“ in Flims, das Schulhaus in Paspels, Besucherzentrum für den Schweizerischen Nationalpark in Zernez. Diese Werke zeigen seine Fähigkeit, Landschaft, Licht und architektonische Ruhe zu verbinden.
- Wirkung: Olgiati beeinflusst Architekten, die Wert auf Raumwirkung, Reduktion und Form legen; er wird als Teil jener Stilrichtung gesehen, die „Architektur als Objekt und Stille“ auffasst. Seine Werke sind in Ausstellungen, Monographien und Architekturforen präsent.
Zwei weitere Büros, die global sichtbare Akzente setzen
- HHF Architects (Basel): Gegründet 2003, realisieren Projekte vieler Typologien – von Wohnbauten über städtische Planungen bis zu öffentlichen Projekten. In internationalen Wettbewerben präsent, häufig in Partnerschaft mit Künstler*innen. Beispiel: Labels 2 Fashion Center in Berlin, Bauwerke in China und in den USA.
- Christ & Gantenbein: Gehören zu den Büros, die sowohl in der Schweiz wie auch international beachtet werden – oft durch Museen, Ausstellungsbauten, hochwertiges öffentliches Bauen. Ihre Arbeit wurde u.a. in Listen der besten Architekturfirmen in der Schweiz hervorgehoben.
Was diese Büros gemeinsam haben – Schlüsse für die Architekturlandschaft
- Hoher Designanspruch verbunden mit technischer Perfektion und Detailgenauigkeit. Nicht allein Form, sondern auch Material, Tageslicht und Umgebung haben grosse Bedeutung.
- Starke Verwurzelung mit Schweizer Landschaft, Kultur und Baugeschichte – jedoch gleichzeitig international aufgestellt und wirksam.
- Mut zu experimentellen Ansätzen: sei es beim Raumkonzept, in der Reduktion oder in der Adaptation von Altbestand (z. B. Tate Modern). Innovation gehört zum Kern.
- Vielfältige Einflüsse und Formate – von kleinen Wohnprojekten bis zu grossen öffentlichen Baumassnahmen; Präsenz auch in Lehre, Ausstellungen und Architekturpublikationen.
Ausblick
Die internationale Sichtbarkeit Schweizer Architekturbüros wird voraussichtlich weiter zunehmen, insbesondere in Bereichen wie nachhaltiges Bauen, inklusive öffentlicher Räume und adaptiver Architektur. Die weltweit zunehmende Bedeutung der Architektur für Klima, Infrastruktur und Städteplanung bietet Spielraum für jene, die Design und Kontext bewusst verbinden.
Quelle: architektenwelt.com‑Redaktion
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