Gemeinden der Zukunft: Digitalisierung und neue Führungsmodelle im Fokus
von belmedia Redaktion businessaktuell.ch Management News Organisation Schweiz
Gemeinden der Zukunft: Impulse der Ostschweizer Gemeindetagung 2026
An der 13. Ostschweizer Gemeindetagung an der OST – Ostschweizer Fachhochschule diskutierten Fachleute aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft über Integration, Digitalisierung und neue Formen der Zusammenarbeit in Gemeinden.
Wie Gemeinden den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und gleichzeitig auf neue Erwartungen an Verwaltung und Arbeitswelt reagieren können, stand im Zentrum der 13. Ostschweizer Gemeindetagung an der OST – Ostschweizer Fachhochschule in St.Gallen. Die Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft zusammen, um Perspektiven für die Gemeinde der Zukunft zu diskutieren.
Den Auftakt machte eine Keynote von Prof. Dr. Stefan Kammhuber, Leiter des Instituts für Kommunikation und interkulturelle Kompetenz. Er zeigte auf, wie das Gefühl des «Dazugehörens» den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und wie Gemeinden Integration und Engagement gezielt fördern können.
«Das Dazugehören ist ein Grundbedürfnis; wer sich aufgehoben fühlt in einer Gruppe, einer Gemeinde, fühlt sich geborgen», sagte Kammhuber. Aus der Forschung sei bekannt, dass soziale Zugehörigkeit entscheidend für gelingende Integration sei. Diskriminierung und fehlende Sprachkenntnisse gehörten zu den grössten Stressoren, die eine erfolgreiche Integration erschweren.
Praxisbeispiele aus Workshops
In zwei Workshop-Sessions wurden konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze aus der Praxis diskutiert. Mag. Fabian Andreas Rebitzer von der FH Vorarlberg zeigte im Workshop «Zusammenleben & Lebensqualität», wie Gemeinden Bürgerinnen und Bürger wirksam in Beteiligungsprozesse einbinden können. Entscheidend sei, Interesse zu wecken und Beziehungen aufzubauen, damit Menschen sich engagieren und beispielsweise an lokalen Veranstaltungen oder Beteiligungsprozessen teilnehmen.
Hans Mäder, Stadtpräsident von Wil, thematisierte im Workshop «Raum, Mobilität & lebendige Zentren» politische Rahmenbedingungen für die Entwicklung attraktiver Ortszentren. Als Beispiel stellte er die Ortsplanungsrevision in Wil vor, die parallel zur Revision des Richtplans Siedlung & Landschaft und zum Stadtentwicklungskonzept erarbeitet wurde. Ein zentraler Erfolgsfaktor sei eine klare Kommunikation über Ziele und Nutzen von Projekten gewesen – etwa über das «Warum» einer Veränderung statt über technische Details.
Maurin Büche von Abacus Research AG zeigte im Workshop «Zukunftsfähige Verwaltung & Organisation» auf, welches Potenzial die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen bietet. Automatisierte Rechnungsverarbeitung könne administrative Kosten deutlich senken und Fehler reduzieren. Technologien wie automatische Dokumentenerkennung oder digitale Lösungen für Signaturen und Identifikation könnten Verwaltungsabläufe vereinfachen und sicherer machen. Gleichzeitig müssten Gemeinden beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz Fragen des Datenschutzes und der Integration in bestehende Systeme sorgfältig berücksichtigen.
Integration, Führung und Zusammenarbeit
In der zweiten Workshop-Session sprach Monika Wissing, Projektleiterin Integration beim St.Galler Amt für Soziales, über das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft. Integration gelinge vor allem über Begegnung, Sprache und gezielte Anreizsysteme. Deutschkenntnisse seien ein zentraler Schlüssel zur Integration, gleichzeitig brauche es Angebote, die Begegnungen zwischen Wohnbevölkerung und Zugewanderten ermöglichen. Integration erfordere langfristige Prozesse, fachliche Begleitung und ausreichende Ressourcen.
Barbara Thalmann, Stadtpräsidentin von Uster, widmete sich der Frage, wie Gemeindeverwaltungen im Wandel geführt werden können. Transparente Kommunikation sei zentral, um Vertrauen in die Verwaltung zu stärken. Gleichzeitig sollten Verwaltungen ihre Wirkung stärker sichtbar machen und nicht nur über Ressourcen und Budgets steuern. Motivierte Mitarbeitende, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine innovationsfreundliche Organisationskultur seien entscheidend für erfolgreiche Gemeindeverwaltungen.
Dialog als Grundlage für gemeinsame Lösungen
Den Abschluss der Tagung bildete eine Keynote von Dr. Stefanie Sandra Wiloth, Leiterin des Kompetenzzentrums Soziale Innovationen & Altern am Institut für Altersforschung der OST. Sie zeigte auf, wie Dialogprozesse Vertrauen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aufbauen und gemeinsame Lösungen ermöglichen können. Dialog fördere den Austausch von Erfahrungen, stärke gegenseitiges Verständnis und damit auch ein gemeinsames «Wir».
Partizipation bedeute dabei mehr als Information: Sie ermögliche echte Mitgestaltung mit dem Ziel, gemeinsam Probleme zu lösen. Entscheidend sei, dass Dialogformate mit realen politischen Entscheidungsprozessen verknüpft seien, damit sie auch politische Wirkung entfalten können.
Die Ostschweizer Gemeindetagung bot den Teilnehmenden neben fachlichen Inputs auch Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung innerhalb der Region. «Die Gemeinde der Zukunft entsteht nicht einfach so, sie muss gestaltet werden», sagte Prof. Dr. Alexandra Cloots, Leiterin des Instituts für Diversität und Neue Arbeitswelten an der OST. Gleichzeitig kündigte sie an, dass die nächste Ostschweizer Gemeindetagung am 11. März 2027 erneut am OST-Campus St.Gallen stattfinden wird.
Quelle: OST – Ostschweizer Fachhochschule
Bildquelle: OST – Ostschweizer Fachhochschule